A Travellerspoint blog

Tag 13

Stadtrundfahrt im Cadilac

sunny 21 °C

In Margret’s Aufzeichnungen, die auch immer spärlicher wurden, fand ich nur noch „Tagwache 7:30 Uhr“ – „Treffpunkt 9:00 Uhr“. Wir waren schon ein gut eingespieltes Team, das wenig Zeit im Bad braucht. Frühstücken würden wir im Hotel, denn wir hatten keine Ahnung, wie lange unsere Tour durch LA dauern würde. Den netten Herrn an der Rezeption bat ich, für mich bei der Touragency anzurufen. Dort meldete sich dann ein etwas schwul klingender Mann. Er hätte im Hotel bereits gestern Abend Nachricht hinterlassen, dass wir um 9:00 Uhr vor dem Hotel abgeholt werden würden. Ein rotes Cadillac Cabrio, Baujahr 1966, würde vorfahren und uns abholen. Das Wetter sollte so schön sein, dass wir mit offenem Verdeck fahren könnten.

Die Anspannung stieg. Wir nahmen das Frühstück im Eiltempo zu uns. Danach holte ich im Zimmer noch Sonnenbrillen, dünne Jacken und Kopftücher, sowie Peter ein Cappy. Margret besorgte noch einige Wasserflaschen für uns, denn viele Pausenstopps würden wir unterwegs nicht machen. Und dann war es endlich soweit! Ein roter Cadillac mit offenem Verdeck, gelenkt von einem älteren Herrn fuhr vor. Zuerst mussten wir schnell ein Foto machen. Luc öffnete die Türen und wir stiegen in den geräumigen Innenraum ein. Auf roten Ledersitzen nahmen wir Platz.

Mit dem Cadillac durch Los Angeles

Mit dem Cadillac durch Los Angeles

Luc’s vorläufiger Plan für den Tag sah so aus, dass wir nur auf den kleineren Straßen durch die Stadt der Engel fahren würden. Auf dem Programm standen Downtown LA, das Hollywood Zeichen, das Chinesische Viertel, das Kodak Theater, wo die Oscars verliehen werden, Sunset Strip, die Villen der Berühmten in Beverly Hills und der Rodeo Drive. Unsere Tour begann vom Hotel aus, das am Sepulveda Boulevard lag. Diese Straße sei circa 69 km lang und durchquere die Stadt in Nord-Süd-Richtung, wobei sie mit einer Unterführung unter die beiden Landebahnen des Flughafens führe, erklärte unser Fahrer. Aber schon bald verließen wir die zehnspurige Straße und gelangten ans Meer.

Die großen Villen mit Meerblick wurden hier vom Flughafenbetreiber aufgekauft und abgerissen. Die Beschwerden wegen des Fluglärms waren zu groß gewesen. Der weiße Sandstrand war leer. Obwohl es angenehm warm war und wir in Tüchern gehüllt im offenen Cabrio unterwegs waren, war es für die Bewohner der Stadt Winter. Nur vereinzelt sah man Spaziergänger am Strand. Wir befanden uns in Marina del Rey, einem Ort am Pazifik. Das gesamte Gebiet gehört dem Staat. Hier wurden Wohnungen mit günstigem Mietzins gebaut. LA ist ja die Stadt der Reichen und der Künstler und so ist es für den einfachen Bürger schwer, sich das Leben hier leisten zu können. Im künstlich angelegten Hafen wurden Anlegeplätze für 5.300 Boote geschaffen. Hier befindet sich auch die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers, welche für die Vergabe von Internet-Domains zuständig ist.

Von hier aus gelangten wir in den Stadtteil Venice, der bekannt ist für seine Venedig nachempfundenen Kanäle. Mit dem Cadillac konnten wir natürlich über viele der noch erhaltenen oder wieder instand gesetzten kleinen Brücken über die Kanäle fahren. Zur Zeit ist es wieder „in“ in den kleinen Häusern entlang der Kanäle zu wohnen. Viele Künstler haben sich auch hier in den Straßen mit venezianischen Namen (wie Rialto) angesiedelt. In den Straßen hinter den Grachten gibt es auch bescheidenere Häuschen. Hier wohnt auch unser Fahrer Luc. Der gebürtige Italiener wuchs in Frankreich auf, bevor seine Eltern mit ihm nach USA auswanderten. Er studierte in Paris, kehrte dann aber wieder in die USA zurück. Er lebt in diesem Teil der Stadt mit seiner Frau und seinen zwei, fast erwachsenen Kindern.

Kanäle durch Venice

Kanäle durch Venice

In den Straßen sind viele Butiken, kleine Cafes und Restaurants. Auf den Terrassen kann man schon per Zufall einen Blick auf manchen Promi erhaschen. Bekannt ist auch der Bauernmarkt, der 1987 gegründet wurde und jeden Freitag Vormittag stattfindet. Der 4,5 km lange Venice Beach ist ein Badeparadies. Die Stadt Los Angeles betreut 50 km Strand und 110 km Küste zwischen San Pedro im Süden und Malibu im Norden der Stadt. 120 ganzjahres Baywatch Boys und 600 saisonale Rettungsschwimmer sind für die Sicherheit am Strand verantwortlich.

Über den Rodeo Drive gelangten wir in den Stadtteil Beverly Hills. Der weihnachtlich geschmückte Rodeo Drive ist eine durch einen Grünstreifen geteilte und zum Teil von Palmen gesäumte vierspurige Einkaufsstraße, auf der fast alle internationalen Luxus-Marken mit hochpreisiger Ware ihre Geschäfte haben.

Rodeo Drive, Los Angeles

Rodeo Drive, Los Angeles

Beverly Hills liegt auf hügeligem Gelände und beherbergt vor allem elegante Villen mit prachtvollen Gärten. Die Straßen sind von Palmen und exotischen Bäumen gesäumt, wie dem Jacaranda-Baum. Vor allem mit Beginn der Nationalsozialistischen Zeit emigrierten viele Künstler von Europa hierher. Auch heute noch haben alle Schauspieler mit Rang und Namen hier ihre eleganten Häuser. Hohe Zäune und Hecken gehören dazu.

Straße mit Blick auf Hollywood Schild in Beverly Hills

Straße mit Blick auf Hollywood Schild in Beverly Hills

Hier befindet sich aber auch die Paramount Pictures Corporation. Auf diesem Filmgelände sind seit 1912 so berühmte Filme wie Der Pate, Star Trek, Spiel mir das Lied vom Tod oder Titanic entstanden. Leider hatten wir nicht so viel Zeit, dass wir einen Rundgang durch die Studios machen konnten. Ich hatte das 1998 einmal gemacht und wir hatten sehr viel Spaß dabei. Beverly Hills ist aber auch der Stadtteil in dem man viele Fitness Studios und Kliniken für Schönheitsoperationen sieht.

Paramount Pictures, Los Angeles

Paramount Pictures, Los Angeles

Schön langsam erreichten wir dann Hollywood. Wir fuhren den berühmten Sunset Boulevard hinauf. Luc sagte uns, von wo aus wir den schönsten Blick auf das „Hollywood Sign“ haben würden und wo wir den Walk of Fame fänden. Er fragte mich nach meiner Handynummer. Er speicherte sie und rief mich an. Er könnte hier nirgends parken und würde uns deshalb an der Ecke rauslassen. Wir könnten uns eine Stunde Zeit lassen und ihn dann anrufen, damit er uns abholen könne.

Schnell sprangen wir aus unserem Cadillac. Wir überquerten die Straße und standen vor dem Grauman’s Chinese Theater. Seit 1927 haben sich hier mehr als 200 Stars mit ihren Hand- und Schuhabdrücken sowie ihren Autogrammen in Bodenplatten aus Beton verewigt. Ich wollte natürlich die Abdrücke meiner Namenskollegin Marilyn Monroe suchen. Ich fand sie dann auch gleich neben der Unterschrift von Sophia Loren.

Abdrücke von Marilyn Monroe am Walk of Fame

Abdrücke von Marilyn Monroe am Walk of Fame

Der Walk of Fame ist eigentlich nichts anderes als der Gehsteig zu beiden Seiten des Hollywood Boulevard, der sich über 18 Häuserblöcke erstreckt. Die Sterne bestehen aus altrosafarbenem Terrazzo und sind mit Messing umrahmt. Auf dem Stern stehen der Name des Künstlers und die Gruppe (Film, Fernsehen, Musik, Radio, Theater), in der er geehrt wurde. Zur Zeit gibt es etwa 2.500 Sterne. Es gibt strenge Aufnahmekriterien. Daneben ist an den Hollywood Historic Trust eine Bewerbungsgebühr von 30.000 $US zu entrichten.

Sterne am Walk of Fame

Sterne am Walk of Fame

Dann befolgten wir Luc’s Rat und fuhren mit der Rolltreppe im Einkaufszentrum nach oben. Von hier aus hatten wir tatsächlich einen sehr guten Blick auf das Hollywood Zeichen. Lauter kleine Prinzessinnen mit den Schleifen ihres Bundesstaates kamen uns entgegen. Anscheinend war gerade eine Misswahl der Jüngsten im Gange. Ein riesiger Weihnachtsbaum schmückte den großen Eingangsbereich. Der Ausblick auf die Hügel, die die Stadt umrahmen, war sehr schön. Danach suchten wir nach einem stillen Örtchen, bevor wir Luc anriefen.

Hoolywood Zeichen

Hoolywood Zeichen

Als wir zum verabredeten Treffpunkt kamen, sahen wir eine Strechlimosine. Der Fahrer ließ uns einen Blick hineinwerfen. Es sah Innen zwar toll aus, aber die Aussicht war bei Weitem nicht so gut, als vom offenen Cabrio aus. Jetzt wurden wieder die Sitze gewechselt. Ich saß Vorne und Peter mit Margret hinten. Luc hatte sich schon die ganze Zeit gewundert, wieso ich so gut Amerikanisch sprach. Ich erzählte ihn ein bisschen aus meinem Leben und meiner Beziehung zu Marilyn Monroe. Er sagte mir dann sogleich, dass er eine kleine Überraschung für mich hätte. Eines der Spagio Lokale von Herrn Puck liege leider nicht auf unserer Strecke. Herr Puck hätte eine junge Freundin, sowie Arnie. „Sind eigentlich alle Österreicher gleich?“, lautete seine Frage dann. Der hatte eine gute Meinung von uns.

Ab dem Sunset Boulevard waren die Straßen wieder von Palmen gesäumt – ein eindeutiges Zeichen dafür, dass wir wieder nach Beverly Hills zurückgekehrt waren. Auch der Banyan Tree ist ein dort häufig vorkommender Baum. Nicht nur in diesem Stadtteil, sondern auch in den folgenden wie Brentwood und Bel Air war Villa an Villa gereiht. Natürlich standen auch die passenden Autos vor der Tür. Wir kamen an der Villa von Paris Hilton’s Großeltern ebenso vorbei wie an der Villa von Brat Pitt. Natürlich durfte auch die Playboy Mansion mit seinen 22 Schlafzimmern von Hugh Hefner nicht fehlen. Wir sahen auch das Tor, vor dem Daniela Katzenberger auf Einlass gewartet hatte. Luc erzählte uns, dass er auch eine der Gewinnerinnen von Deutschlands Top Models durch die Stadt chauffiert hatte.

Tor zur Playboy Villa von Hugh Hefner

Tor zur Playboy Villa von Hugh Hefner

Wir sahen auch die Stiege auf der viele Prominente, unter anderem auch die blonde Daniela, trainiert hatte. Die Gegend wurde wieder hügeliger. Die Gärten größer. Hier leben Promis geschützt unter sich. Eine Mitgliedschaft im Bel Air Country Club soll rund US$ 150.000,00 kosten.

Villa in Bel Air

Villa in Bel Air

Luc machte dann noch einen kleinen Umweg, um mir in Brentwood Village das einzige Haus zu zeigen, das Marilyn Monroe je in ihrem Leben besessen hatte. Das Anwesen mit einer Wohnfläche von 240 m² und etwas mehr als 2.000 m² Grund stand 2010 für umgerechnet 3 Millionen Euro zum Verkauf. Leider ist das Haus hinter einer hohen Mauer versteckt .

Danach erreichten wir wieder Santa Monica und so wusste ich, dass wir nicht mehr weit vom Hotel entfernt waren. Auf der Küstenstraße fuhren wir Richtung Flughafen. Wir kamen an einer kleinen Infobude vorbei. Luc sagte uns, dass hier die legendäre Route 66 enden würde. Es wäre schön gewesen, noch etwas Zeit am Santa Monica Peer zu verbringen. Dort könnte man sich gut ein Rad mieten und dem Strand entlang fahren. Leider war es etwas zu weit von unserem Hotel entfernt.

Gold’s Gym Los Angeles

Gold’s Gym Los Angeles

Zum Schluss unserer Rundfahrt fuhren wir noch an Gold’s Gym vorbei, wo die Kariere von Arnold Schwarzenegger begonnen hatte. Bodybuilding wurde hier zu seiner großen Leidenschaft. Wir freuten uns wieder heil im Hotel angekommen zu sein. Ich hatte Luc erzählt, dass es Peter’s großer Traum war, mit so einem Cadillac zu fahren. So jetzt, bevor er sich von uns verabschiedete, ließ er Peter hinter dem Steuer Platz nehmen. Der strahlte natürlich wie ein neuer Schilling und erhöhte das geplante Trinkgeld.

Wir holten uns im gegenüberliegenden Einkaufszentrum etwas zu Essen und Trinken, zogen im Zimmer unsere Badekostüme an und begaben uns zum Pool, wo wir den restlichen Nachmittag mit Entspannung pur verbringen wollten. Das Schwimmen tat gut und das warme Wasser der Jacussi war sehr wohltuend. Kaum zu glauben, dass das Hotel einen so schönen Hinterhof mit Pool mitten in der Stadt haben konnte.

Als es begann finster zu werden, zogen wir uns auf unsere Zimmer zurück. Margret und ich beschlossen, nochmals ein bisschen durch das Lebensmittelgeschäft zu bummeln, wo es alles anscheinend nur in Großpackungen zu kaufen gab. In der Finsternis sah man vom Fenster unseres Hotelzimmers aus die Flugzeuge aufgefädelt wie eine Lichterkette am Himmel auf die Landung warten. Um 3:10 Uhr würde Tagwache sein. Um 3:45 Uhr sollte uns der Flughafenshuttlebus zum Airport bringen, der in etwa 10 Minuten zu erreichen sein sollte.

Unsere flüssigen Vorräte mussten wir noch vernichten und so wurde es eines unserer interessantesten Abende.

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Tag 12

Kein Glück im Spiel

sunny 20 °C

Der heutige Tag diente eigentlich nur der schnellen Rückkehr nach Los Angeles. Immerhin lagen 464 Kilometer vor uns. Zum Großteil führte die Strecke allerdings über die Autobahn. Je schneller wir in LA sind, desto mehr haben wir dort Zeit noch etwas zu unternehmen.

Wir waren ja mittlerweile schon alte Hasen, was Auschecken und Auto am Valet Parking abholen betrifft. Auch Suzie konnte schon ganz schön flott von uns zum Leben erweckt werden. Nur dass Suzie uns diesmal über einen historischen Highway schickte, war uns ganz neu. Anscheinend war dies die kürzeste Strecke. Die Felder neben dem Veterans Memorial Highway wurden gerade von Traktoren bestellt. Zum Teil wurde die frische Saat gerade von riesigen Wasserrädern bewässert. Es sah fast aus wie bei uns im Frühling.

Bestellte Felder in Nevada

Bestellte Felder in Nevada

Grün war allerdings nur dort, wo künstlich bewässert wurde, sonst waren wir noch immer in der Mojave Wüste unterwegs. Die Interstate 40 West führte wieder parallel zur Bahnlinie. Laut Suzie würden wir so gegen 11:30 Uhr in Barstow sein, wenn wir ständig die vorgeschriebenen 70 Meilen fahren würden. Eigentlich waren nur LKWs unterwegs und die störten nicht sehr. Wo es leicht bergauf ging, war für sie eine eigene Fahrspur vorgesehen, die sie nicht verlassen durften.

Auf der I40 von Laughlin nach Los Angeles

Auf der I40 von Laughlin nach Los Angeles

Peter hatte heute die Frühschicht übernommen. Im kleinen Ort Ludlow, der auf halber Strecke zwischen Laughlin und Barstow lag, war eigentlich unsere Frühstückspause vorgesehen. Leider übersah Peter die Ausfahrt und unsere Mägen mussten weitere 50 Meilen auf feste Nahrung warten. Überhaupt war Peter an diesem Tag sehr müde und so übernahm Margret das Steuer. Gut, dass wir drei Autofahrer waren, so konnten wir uns beim Fahren und Navi bedienen immer wieder abwechseln.

In Barstow kannten wir uns mittlerweile schon aus. Beim Restaurant am Truckstopp machten wir unsere Frühstückspause. Eier mit Speck, Orangensaft und Pancakes mit Ahornsirup machten mich glücklich und da es schon fast Mittag war, schmeckte Margret der Burger auch. Ich fragte die nette Kellnerin, ob es in der Nähe einen Supermarkt gäbe, denn ich wollte meine Lebensmittel jetzt schon besorgen. In den vor uns liegenden Großstädten würden die Einkaufsmärkte am Stadtrand liegen und die Waren sicher um einiges teurer sein.

In dieser Stadt würde es zu kompliziert sein, den Weg dorthin zu finden. Aber in der nächsten kleinen Stadt würden die Geschäfte direkt an der Autobahnabfahrt liegen. Margret startete die Reise, aber die nächste Stadt hatte mehrere Abfahrten. So fuhren wir immer die Abfahrt runter, schauten kurz links und rechts, ob es Geschäfte gab und fuhren sonst gleich wieder auf die Autobahn auf. Beim dritten Versuch schließlich waren wir im Schlaraffenland gelandet.

Das Geschäft war ähnlich groß wie unsere Metro und hatte fast nur XXL-Packungen auf Lager. Ich benötigte noch Pancake-Mix für unser Weihnachtsfrühstück, verschiedene Jello-Sorten und Salatdressings. Die Kartoffelschäler aus USA sind noch immer die besten. Aber auch sonst war es ein Erlebnis für Margret, die erstmals im US-Shopping Center war. Ihre Aussage: „Jetzt weiß ich endlich wieso die Amis so große Kühlschränke haben“, war überaus treffend. Milch und Orangensaft werden noch immer per Gallone (fast vier Liter) verkauft.

Da wir bereits den 19. November schrieben, waren alle dabei ihre Einkäufe für das Thanksgiving Fest zu erledigen. In fast jedem Einkaufswagen sah man einen Truthahn, Süßkartoffeln und Preiselbeeren. Viele schwankten noch zwischen fertiger Kürbisfüllung für den Pumkinpie und frischem Kürbis. Groß war auch die Auswahl an bunten Torten. Margret beschloss Servietten und Tischschmuck für ihre bevorstehende Adventfeier hier zu kaufen. Ebenso fand sie kleine Geschenke für den Nikolaussack. Sicher würden sich die Beschenkten über die fremdartigen Süßigkeiten freuen. Zu guter Letzt fanden wir auch noch die Pumkin-Kerze, die Margret für eine Verwandte mitbringen sollte. So hatten wir alle unsere Einkäufe erledigt. Die Säcke wurden im Kofferraum verstaut.

Bunte Torten bei unserer Einkaufstour

Bunte Torten bei unserer Einkaufstour

Noch ein kleines Stück des Weges musste Margret fahren. Sie achtete streng auf ihre Geschwindigkeit, denn nochmals würde sie sicher nicht mit einer Verwarnung davonkommen. Hier gab es sogar eine besondere Eilspur für Autos mit mehr als zwei Personen. Der Verkehr wurde immer dichter und vor uns tauchten schon die „Beverly Hills“ auf. Auf einem Parkplatz übernahm ich wieder das Steuer und Margret die Navigation. Vor uns lag die schwierigste Etappe unserer Reise. Es war früher Nachmittag. Die Rushhour hatte noch nicht begonnen. Deshalb entschied ich, dass Auto bereits jetzt zu retournieren. Unser Hotel lag ganz in der Nähe des Flughafens und hatte einen Abholdienst. Der Flughafen ist in jeder Großstadt gut angeschrieben. So würden wir hoffentlich keine Probleme haben, dorthin zu gelangen.

Ich konnte am Navi den Airport nicht finden, sondern nur eine Airport Avenue. Hoffentlich war die Eingabe richtig. Sicher gab es in LA nicht nur einen Airport, sondern mehrere. Ich wusste nur, dass der internationale im Südwesten der Millionenstadt liegt. Schon bald hatten wir die Stadtgrenze erreicht. Die Autobahn wurde sechsspurig und immer wieder wurden Abbiegespuren hinzugefügt. Das Verkehrsaufkommen war gewaltig. Ich musste mich sehr konzentrieren und es gab keine Minute zum Ausrasten. Der Stau bewegte sich mit einer stetigen Geschwindigkeit von fast 100 kmh Richtig Stadt. Überholt wird von Links und Rechts. Bei jedem Blick in Rück- und Seitenspiegel sah man Autos aus allen Richtungen kommen. Nur gut, dass Margret es schaffte, mit vorausschauendem Blick auf das Navi mich immer wieder auf die richtige Spur zu losten.

Wir hatten Los Angeles um uns. Sogar das Hollywood Schild konnte man in den Bergen sehen. Nach anstrengenden 75 Minuten waren wir auf schmäleren Straßen (3-spurig) bereits im Stadtzentrum unterwegs. Peter war ruhig geworden und ich sah ihm im Rückspiegel nur immer wieder den Kopf schütteln. Komisch, dass wir nie ein Schild mit einem Flugzeug zu Gesicht bekommen haben, obwohl wir laut Suzie nicht mehr weit von unserem angepeilten Ziel sein konnten. Deshalb blieb ich auch an einer Tankstelle stehen. Ich erkundigte mich dort nach dem Flughafen, um zu hören, dass er um die Ecke läge. Die Verschnaufpause tat mir gut. Wir versuchten nochmals Suzie auf Flughafen neu zu programmieren –und tatsächlich konnte auch sie ihn jetzt finden.

Als ich um die Ecke bog, sah ich ein kleines Schild mit einem Flugzeug. Schon bald tauchten die Namen der verschiedenen Mietwagenfirmen auf. Eines der ersten war Alamo. Dorthin mussten wir. Ich bog ab und Suzie schlug Alarm. So leid es uns um sie tat, aber wir mussten sie einfach abwürgen. Sie hatte uns aber ausgezeichnete Dienste geleistet. Mir fiel ein großer Stein vom Herzen, als ich der Dame von Alamo den Schlüssel zu einem unversehrten Auto wieder geben konnte. Ich sagte ihr, dass wir mit dem Auto sehr zufrieden waren. Eins jedoch hatte uns zu Beginn der Reise großes Kopfzerbrechen bereitet, nämlich der Reifendruck. Diese Warnanzeige war während der ganzen Fahrt nie mehr verschwunden. Dies sollte in Ordnung gebracht werden, bevor die nächsten Mieter wieder mit demselben Problem konfrontiert werden würden.
Nach elf Tagen und 3.500 waren wir heil in Los Angeles angekommen. Jetzt musste das Auto nur noch ausgeräumt werden. Es hatte sich mehr angesammelt als gedacht. Unterwegs hatten wir Schuhe, Jacken und sonstiges immer nur in den Kofferraum geworfen – groß genug war er ja. Die Zeit war allerdings gekommen, alles wieder in unseren Koffern unterzubringen und dabei kein Übergepäck zu erzeugen. Aufgepackt wie die Zigeuner stiegen wir in einen Bus ein, der uns zum Terminal am Flughafen LAX brachte.

Flughafen Los Angeles

Flughafen Los Angeles

Der Los Angeles International Airport ist immerhin der drittgrößte der USA und der sechstgrößte weltweit. Der Flughafen besteht aus acht Terminals, jedes viel größer als der Klagenfurter Flughafen. Das X-förmige Gebäude in der Mitte der Terminals soll ein UFO darstellen, das auf allen vier Armen gelandet ist. Darauf konnte ich mich noch erinnern. Wir stiegen am Terminal der United Airways aus. Mit dieser Fluggesellschaft würden wir dann in etwa 36 Stunden nach New York fliegen. Hier am Terminal gab es ein Hoteltelefon. Schnell hatte ich an der Rezeption des Hacienda Hotels angerufen. Der freundliche Herr sagte mir, dass wir am Meeting Point vor dem Flughafengebäude in etwa 15 Minuten abgeholt werden würden.

Sofort konnten wir unsere Zimmer beziehen. Leider war der Lift gerade im Umbau. So mussten wir den Lastenlift nehmen. Die Fahrt war etwas abenteuerlich. Wie immer eilte sofort jemand, um Eis für unseren Begrüßungstrunk zu holen. Wir hatten auch nichts mehr, um unseren Whisky aufzugießen. Peter versuchte sich am Automaten, aber der hatte ebenso großes Glück als ich am Eisautomaten. Einen Stock tiefer fand ich einen funktionierenden und kam dann mit einem Kübel Eis ins Zimmer zurück. Peter opferte den Inhalt seiner Las Vegas Sonderflaschen. Er würde sie leer zur Schau stellen müssen.

Von unserem Zimmer aus konnte man fast auf den Airport sehen. Allerdings war der Lärm von der am Hotel vorbeiführenden achtspurigen Hauptstraße viel lauter, als der Fluglärm. Wie an einer Kette aufgefädelt reihten sich die Flugzeuge zur Landung am Himmel auf. In der Nacht sah es aus, als ob der Himmel für Weihnachten mit langen Lichterketten geschmückt worden wäre. Als es dunkel geworden war, überquerten wir beim Fußgängerübergang die starkbefahrene Straße. Auf der anderen Seite war vor 14 Jahren ein ganz tolles Steaklokal gewesen. Ob es das noch gibt? Tatsächlich gab es das Sizzlers noch. Wir konnten dort köstlich schmausen.

Sepulveda Boulevard, Los Angeles

Sepulveda Boulevard, Los Angeles

An der Tankstelle an der Ecke gab es einen Laden, der 24 Stunden pro Tag offen hatte. Dort deckten wir uns noch mit Getränken ein. Als wir ins Hotel zurückkehrten, versuchte ich nochmals Karla telefonisch zu erreichen. Sie ist eine ehemalige Nachbarin, die nach USA ausgewandert ist. Leider war ständig besetzt oder ich machte einfach etwas falsch. Auch konnte ich das Büro der Cadillac Tour nicht erreichen. Dort sollte ich die Tour 24 Stunden vorher bestätigen. Hoffentlich würde das morgen klappen!

Margret’s Bier war im Eiseimerpapierkorb gut eingekühlt. Unser Rotwein hingegen hatte Zimmertemperatur. Der Abend wurde lustig und ausgelassen – eben fast „hollywoodreif“.

Posted by FEgoesUSAwest 02:46 Archived in USA

Tag 11

Auf der legendären Route 66

sunny 17 °C

Eigentlich war es geplant, am Morgen nochmals in den Grand Canyon Nationalpark einzufahren. Das Erlebnis des brennenden Canyons könnte jedoch nicht mehr getoppt werden und wir beschlossen daher, die gewonnene Zeit für andere Sehenswürdigkeiten zu verwenden.

Wer glaubt, dass wir bisher nur durch Hintertupfing gefahren sind, hat sich getäuscht. Jetzt werden die Städte noch kleiner und der Highway noch verlassener. Kurz nach dem Hotel waren zwei Kreisverkehre – für USA etwas ganz Seltenes. Auf der 190 fuhren wir Richtung Süden bis wir kurz vor Williams auf ein Hinweisschild „Historic Route 66“ stießen. Genau diese Straße suchten wir. Die legendäre „Route 66“ – die Mutter aller Straßen - war die Verbindung zwischen Chicago und Los Angeles mit einer Gesamtlänge von 2.448 Meilen (3.917 km). Es gibt sie seit 1926. Allerdings ist nicht mehr viel von dieser ursprünglichen Strecke vorhanden. Eines der letzten Originalstücke finden wir hier zwischen Williams - Seligman und Kingman.

Historic Route 66, Williams

Historic Route 66, Williams

Williams ist ein kleines, beschauliches Städtchen, das wohl hauptsächlich vom Tourismus rund um die Route 66 lebt. Schon am Ortseingang wird man von einem Schild „Williams Arizona, the best of Route 66“ empfangen. Hier ist auch der Bahnhof der Grand Canyon Railroad. Ich sah, dass es ein Visitor Center gab. Hier sollte es dann auch Prospekte über die Strecke geben. Margret und Peter folgten mir in das Gebäude. Dem Ranger fiel auf, dass wir Deutsch sprachen. Er war in Mannheim stationiert gewesen, bevor er in den Irak musste. Von dort kam er als Invalide nach Hause und hatte großes Glück diesen Job zu finden, zumal er noch um die Ecke geboren worden war.

Wir kauften ein paar Postkarten und er gab mir drei „Route 66 Pässe“. Damit konnten wir uns in jeder kleineren Stadt entlang der Route einen Stempel holen und als Andenken aufbewahren. Darin fanden wir auch eine Landkarte. Somit wussten wir, wohin uns unser weiterer Weg führen würde.

Die Häuser in dieser Kleinstadt waren alle renoviert worden. Der Holzplankengehsteig war wieder errichtet worden und man hatte fast das Gefühl, Teil einer Filmkulisse zu sein. Wieder ins Auto eingestiegen, folgten wir den Schildern. In einem Loop wurden wir durch die gesamte Stadt geführt und dann auf den Highway geleitet. Aber schon kurz vor der nächsten Ausfahrt sahen wir das nächste Schild „To historic Route 66“ und so verließen wir wieder die Autobahn. Im Verlauf des Tages sollte es uns noch einige Male so gehen.

Die alte Straße führte entlang der Eisenbahnlinie. Immer wieder wurden wir von längeren und kürzeren Zügen begleitet, die sogar zwei Container aufeinander geladen hatten. Das trockene Steppengras leuchtete goldig in der Sonne und bildete einen schönen Kontrast zum blauen Himmel. Die weißen Schäfchenwolken vervollständigten das kitschige Postkartenambiente. Nicht nur Kühe grasten hier, sondern auch eine Art von Kudus.

Steppengrass auf der Route 66 bei Seligman

Steppengrass auf der Route 66 bei Seligman

Als wir in Seligman, der nächsten Stempelstation, ankamen, hielt gerade ein Reisebus. Es schien uns, als ob viele Tausende Japaner ausgestiegen wären, denn in Windeseile hatten sie die Stadt zu ihrem Eigentum erklärt. Wir waren auf der Suche nach Angel’s Barbershop & Visitor Center. Wir hatten Glück, gerade vor der ganzen Horde ins Geschäft zu gelangen. In Ruhe gab uns die Verkäuferin einen Sonderstempel in unsere Pässe. Wir konnten gerade noch ein bisschen Hüte probieren, bevor der Laden gerammelt voll war. Margret spielte sich mit dem Gedanken, ihren Helmut einen Cowboy Hut zu kaufen. Da sie seine Hutgröße nicht wusste, rief sie ihre Schwester an, um Auskunft darüber zu erhalten. Bald darauf war der Hut eingetütet.

Während die Japaner wie wild in dem kleinen Laden einkauften, nützten wir die Gelegenheit für eine Fototour durch die Stadt. Natürlich waren viele der bunten Souvenierläden nachgestellt. Trotzdem war es lustig, etwas Zeit in der sogenannten „guten, alten Zeit“ zu verbringen. Peter hatte einen Traum von einem Cadilac gefunden, der nur zwei Fehler hatte: Er war pink und gehörte nicht ihm. Trotzdem ließ er sich damit ablichten.

Seligman auf der Route 66

Seligman auf der Route 66

Als wir uns wieder auf dem Weg machten, war der Bus mit den Japanern auch schon gestartet. Sie nahmen jedoch sofort die nächste Auffahrt auf die Autobahn. Wahrscheinlich hatten sie nur den Abstecher nach Seligman gemacht und glaubten so die ganze Route 66 gesehen zu haben. Wir wollten die Strecke voll auskosten, aber natürlich auch nicht die Gesamtlänge von 3.917 Kilometern, sondern nur eine Tagesstrecke von 340 Kilometern.

Vorerst lagen 25 Meilen nach Peach Springs vor uns. Dort wollten wir an der Rezeption der Hualapai Lodge unseren nächsten Stempel abholen. Das Hotel war sehr schön mit vielen Kürbissen für den nahenden Thanksgiving Day dekoriert. Wir nützten den Halt für einen Boxenstopp. Im kleinen Laden des Hotels kaufte ich mir einen Butterfinger als Stärkung. Margret kannte diese amerikanische Spezialität auch nicht und so war eine Kostprobe des etwas salzigen Erdnussbutter-Schokoladenriegels fällig. So schön das Hotel war, so herniedergekommen war die Kleinstadt. Einfach Gasgeben und Weg war die Divise.

Peach Springs

Peach Springs

Zu schnell durften wir allerdings nicht unterwegs sein mit unserem tollen Auto. Bisher hatten wir immer versucht, uns an die Geschwindigkeitsbeschränkungen zu halten und nicht mit der Polizei in Berührung zu kommen. Wie schnell sich das ändern könnte, war uns zu diesem Zeitpunkt noch nicht bewusst. Den ersten Teil unserer Tagestour war ich gefahren, dann sollte Margret ans Steuer und die Bergstrecke war Peter vorbehalten. So konnte jeder von sich behaupten, auf der Mutter aller Straßen gefahren zu sein.

Route 66

Route 66

Einige der ganz kleinen Dörfer wie Valle Vista, Valentine oder Winslow ließen wir links liegen. Ein besonders schöner General Store befindet sich in Hackberry – wohl eher so etwas wie ein Museum. Mit etwas Glück, sollten wir ihn finden. Doch leider war das Hinweisschild erst nach der Einfahrt aufgestellt worden. Für Margret kein Problem. In Sekundenschnelle hatte sie einen Platz zum Umkehren gefunden und schon fuhren wir in die Großstadt Hackberry ein. Auf jeden Fall sehenswert. Ein Esel begrüßte uns. Die Hütten waren am zusammen brechen und die ausgestellten Autos alle „Rostlauben“. Diesen Halt hatten wir eigentlich für unsere Kaffeepause reserviert. Kaffee hätte der Wirt noch gehabt, aber kein heißes Wasser für eine Tasse Tee. Margret und ich sind nämlich Teetrinker. Aber im XXS Laden fanden wir viele kleine Mitbringsel für unsere Lieben zu Hause.

General Store in Hackberry, Route 66

General Store in Hackberry, Route 66

Als wir schon einen Kilometer gefahren waren, fiel mir ein, dass ich vergessen hatte, unsere Pässe stempeln zu lassen. Wir waren gerade an der Stelle angekommen, wo Margret zuvor schon umgekehrt war. Da sie jetzt schon wusste, wie es funktionierte, drehten wir wieder um, ließen die Pässe stempeln und setzten unsere Fahrt nach Kingman, dem einzig größeren Ort an der Strecke, fort. Auf der ganzen Strecke waren wir fast alleine unterwegs gewesen. Hier gab es auf einmal wieder viel Verkehr und Kreuzungen mit Ampeln. Am Straßenrand stand sogar ein Polizeiauto. Margret fuhr vorbei. Hinter uns heulten die Sirenen. Wir fuhren weiter. Immer noch heulten die Sirenen und Margret sah im Rückspielgel, dass der Sheriffwagen uns scheinbar verfolgte.

Ich sagte ihr, dass sie auf die Seite fahren sollte. Über Lautsprecher ertönte, dass wir auf den Parkplatz des Hotels fahren sollten. Dort blieben wir stehen und warteten mit einem mulmigen Gefühl auf weitere Anweisungen. Als der Sheriff kam und auf die Scheibe klopfte, öffnete Margret das Fenster. Der Uniformierte verlangte die Wagenpapiere und ihren Führerschein, den sie in der Bauchtasche unter ihrem T-Shirt verstaut hatte. Er fragte uns, wieso wir nicht sofort die Spur gewechselt hatten, als wir ihn gesehen hatten. Wir sagten, dass wir nicht wussten, dass wir die Spur hätten wechseln sollen. Er fragte woher wir kämen. Unsere Antwort war Austria. Mit den Papieren ging er zu seinem Wagen und hielt in seinem Laptop wohl Ausschau, ob wir gesuchte Verbrecher seien. Wir warteten, was noch kommen würde.

Als er mit einem ausgefüllten Formular zurückkam, wussten wir, dass es nicht gut für uns aussah. Er fragte Margret: Weight? Er will wissen, wie viel Du wiegst. Will er Margret jetzt schlachten und per Lebendgewicht verkaufen? Height? Er will wissen, wie groß Du bist. Will er schon wissen, wie lang das Bett in der Zelle sein soll? Home adress? Deine Anschrift will er wissen. Will er Helmut schreiben, dass Du im Gefängnis bist? Letztendlich stellte sich heraus, dass Margret eine Verwarnung erhielt. Wir fragten den Sheriff dann noch, ob wir wohl am richtigen Weg zur Powerstation, unserem eigentlichen Ziel, wären. Geradeaus noch drei Kilometer und dann würden wir schon auf der linken Seite den Wasserturm mit der Werbung sehen. Dann fuhr er los.

Wir brauchten noch etwas Zeit, um uns vom Schrecken zu erholen. Margret musste ihre Papiere erst wieder im Bauchgurt verstauen. Hinter dem nächsten Imbiss stand das Auto mit dem Blaulicht wieder und lauerte schon auf sein nächstes Opfer. Wir fanden problemlos zur Powerstation. Dort gab es ein Museum und einen kleinen Shop. Natürlich holten wir uns wieder einen Stempel ab. Margret hatte auch ein Mail erhalten mit Helmut’s Hutgröße. Mit Lineal und einem Strick kontrollierten wir am gekauften Hut das Maß und beschlossen, dass er genau sitzen müsste.

Powerhouse, Kingman, Route 66

Powerhouse, Kingman, Route 66

Dass Margret jetzt nicht mehr weiterfahren wollte, war irgendwie verständlich. So übernahm Peter gleich das Steuer. Bevor wir wieder in die Wildnis fuhren, tankten wir das Auto ein letztes Mal voll. Wir standen kurz vor unserer letzten Etappe. Etwas umständlich gelangten wir zur Tankstelleneinfahrt. Wir besorgten Peter einen Kaffee und schon ging es weiter. Sobald wir Kingman verlassen hatten, kamen wir in eine gottverlassene Gegend.

Diese Teilstrecke der legendären Route 66 war auch ich noch nicht gefahren. Der mehrspurige Highway durch Kingman hatte sich in eine schmale, zum Teil steile und sehr kurvenreiche Straße verwandelt. Auf den kargen Böden wuchsen hauptsächlich Kakteen der verschiedensten Arten. Der Ort Cool Springs bestand anscheinend nur aus dem kleinen Gift Shop mit angeschlossenem Museum. Hier parkten viele Motorräder. Ich verstehe, dass diese Strecke ein Eldorado für Zweiradfahrer ist.

Route 66 zwischen Cool Springs und Oatman

Route 66 zwischen Cool Springs und Oatman

Dann tauchte ein Warnschild mit einem Esel auf. Auf den nächsten acht Meilen wurde vor Eseln gewarnt. Mit dem Sitgreaves Pass auf einer Seehöhe von 1.090 m hatten wir den höchsten Punkt der Aussichtsstraße erreicht. Von hier aus ging es in steilen Serpentinen durch die Black Mountains abwärts. Auf einer kleinen Kreuzung hatten sich ein paar Autos versammelt. Einige Menschen waren ausgestiegen und blickten zum Teil starr auf den Boden. Vor uns überquerte eine Klapperschlange die Straße. Margret hüpfte aus dem Auto, um ein Foto zu machen. Ich sagte ihr, dass sie die Türe sofort schließen solle, denn ich wollte nicht, dass sie sich in das Wageninnere verirrte.

Rattlesnake in Oatman

Rattlesnake in Oatman

Nicht genug, dass uns eine Klapperschlange über den Weg lief, kurz danach war unser Auto von Eseln umkreist. Wilde Esel, „Burros“ genannt, laufen in der Stadt Oatman frei umher. Sie stammen von Lasteseln ab, die von ihren Besitzern einst freigelassen wurden, nachdem sie nicht mehr gebraucht wurden. Die alte Goldgräberstadt Oatman war 1902 gegründet worden. Läge der Ort nicht an der vielbefahrenen Route 66, wäre er auch zur Geisterstadt geworden. Hier herrschte reges Treiben. Im Oatman Hotel, das unter Denkmalschutz steht, ließ ich wiederum unsere Pässe stempeln. Hier verbrachten die Schauspieler Carol Lombard und Clark Gable 1939 ihre Flitterwochen.

Oatman, Arizona an der Route 66

Oatman, Arizona an der Route 66

Nachdem ein Esel unser Auto anscheinend besonders „cool“ fand und es begann abzuschlecken, ergriffen wir die Flucht. Nach dem Trubel in Oatman war die Fahrt nach Bullhead City wieder sehr einsam. Dann wurde das Tal breiter. Es gab grüne Wiesen und viele bestellte Felder. In der Zivilisation angekommen, suchten wir nach einem Liquor Shop, den wir auch bald bei einer Tankstelle fanden. Kurz vor Bullhead City überqueren wir die Grenze zu Nevada und befanden uns somit wieder in dem Bundesstaat der vielen Laster. Laughlin, unser Tagesziel, ist eine Casino Stadt wie Las Vegas. Hier wollten wir uns nochmals dem Spiel hingeben und die Reisekasse etwas aufbessern.

Wir hatten wieder einen alten Freund an unserer Seite, als wir in die Stadt einfuhren, den Colorado River. Der bildete hier die Grenze zwischen den Bundesstaaten Arizona und Nevada. Unsere Suzie hatten wir heute vielfach kalt gestellt, weil wir auf historischen Routen unterwegs gewesen waren und den Highway gemieden hatten. Jetzt jedoch im Großstadtgetümmel waren wir wieder froh, sie als Begleitung zu haben.

Suzie

Suzie

Posted by FEgoesUSAwest 04:50 Archived in USA

Tag 10

Feuergefangen

snow 4 °C

Kaum hatte ich die Augen offen, sah ich zum Fenster raus. Es hatte Übernacht nicht geschneit. Die Straße glänzte jedoch. Es würde draußen wohl kalt und etwas eisig sein. Schnell hatten wir alle unser Morgenritual beendet. Da wir gut in der Zeit lagen und das Wetter noch schön war, entschlossen wir uns nochmals zum nur etwa sieben Kilometer entfernten Sunreise Aussichtspunkt zu fahren. Wir waren sogar so früh dran, dass die Mautstelle noch nicht besetzt war.

Viel Licht war im Bryce Canyon jedoch noch nicht. Allerdings war der Sonnenaufgang zwischen den Wolken recht schön. Da man hier soweit sehen konnte, konnten wir gut in der Ferne die herannahende Schlechtwetterfront sehen. Es wurde Zeit, dass wir den höchsten Punkt unserer Reise schleunigst verließen. Wir hatten immerhin eine Tagestour von 460 Kilometern vor uns, bevor wir den südlichsten Abbruch des Grand Canyons erreichen würden.

Nochmals kamen wir an Ruby’s Inn vorbei und überlegten kurz, ob wir nicht noch tanken sollten. Etwas später gab es in der kleinen Stadt Kanab noch eine Chance. Dort würde das Benzin wahrscheinlich wieder billiger sein als im Nationalpark und die Tankfüllung würde dann bis über den Grand Canyon reichen. Auf der 89 süd kamen wir wieder durch den Red Canyon. Auf der Hinfahrt hatten wir keine Zeit hier anzuhalten. Jetzt war der Himmel zwar bewölkt, aber dadurch leuchtete der Canyon noch röter.

Red Canyon

Red Canyon

Das folgende Tal – Kanab Creek - war wieder sehr fruchtbar. Im kleinen Fluss gab es anscheinend viele Fische, denn immer wieder sah man Schilder auf denen stand: „Fang sie selber, ich koche sie für Dich“. Auf den grünen Wiesen grasten verschiedene Rinderrassen. Besonders gefielen mir die Hochlandrinder mit ihrem dicken Fell. Meist hatten die Kühe auch noch ihre langen Hörner, was man bei uns in Europa fast nicht mehr sieht. In den USA wird ja auch hauptsächlich Rindfleisch gegessen.

Grasende Rinder auf der 89

Grasende Rinder auf der 89

In der Zwischenzeit hatte es zu regnen begonnen. Als ich einen Blick in den Rückspiegel wagte, sah man gar nichts, außer einer dichten Schneefront. Irgendein Alarm war auch im Wagen ertönt. Margret sagte, dass es die Warnanzeige für „null“ Grad Straßentemperatur sei. So reduzierte ich auch die Geschwindigkeit. Die Strecke, die vor uns lag, war lange und in 100 Kilometern konnte das Wetter schon wieder ganz anders aussehen. In Kanab hielten wir an der Tankstelle an. Der freundliche Tankwart empfahl uns, eine Seitenstraße durch den Coral Pink Sand Dunes State Park nach Page zu nehmen. Der kleine Umweg würde sich lohnen. Doch wir hatten noch so viele Kilometer vor uns und alles kam man einfach nicht mitnehmen.

An der Grenze zwischen dem Bundesstaat Utah und Arizona zwischen Kanab und Page dehnt sich eines der beeindruckendsten Naturdenkmäler der Welt aus „The Wave“. Die Wandererlaubnisse auf oder besser gesagt in dieser Welle werden verlost. Die Gegend ist so faszinierend, dass man alleine dort Wochen verbringen müsste. Leider hatten wir diese Zeit nicht. Auf einmal hatten die Wolken wieder Platz gemacht für den blauen Himmel. Die Landschaft sieht dann auch wieder ganz anders aus. Wir hatten die purpurroten Felswände hinter uns gelassen und gegen eine süße „Ildefonso“ Landschaft getauscht. Wir hatten ein Mini-„Painted Dessert“ erreicht. Hier wechselten sich dunkle mit hellen Gesteinsschichten ab. Den Abschluss bildete eine Schichte Kakao.

Zuckersüß auf dem Highway 89 south

Zuckersüß auf dem Highway 89 south

Kurz danach erreichten wir den Glen Canyon, der auch vom Colorado River durchflossen wird. Der Lake Powell Stausee entstand Mitte der 1960-iger Jahre durch die Aufstauung dieses Flusses an der Ostseite des Grand Canyons. Vor allem durch seine Nähe zu großen Städten entwickelte sich hier ein Naherholungsgebiet für Wassersportler. Immerhin beträgt die Küstenlinie des Sees 3.153 Kilometer, was länger ist als die gesamte Westküste der USA.

Glen Canyon Dam und Lake Powell

Glen Canyon Dam und Lake Powell

Bevor wir den Dam erreichten, überquerten wir die Grenze zwischen den Bundesstaaten Utah und Arizona. Auf dem Parkplatz beim Staudamm machten wir einen kurzen Stopp, um die schöne Aussicht zu genießen. Nachdem wir die Brücke über den Colorado überquerten, tauchte die Stadt Page auf, die am Ende des Sees liegt.

Brücke über den Colorado bei Page

Brücke über den Colorado bei Page

Hier machten wir eine späte Frühstückspause. Vor der Stadt gibt es immer Werbeschilder für die verschiedenen Hotels und Restaurants. Hier sah ich ein Schild für den Golden Coral, eine Restaurant Kette, die ich aus Florida kannte. Hier gab es ein „All you can eat Buffet“ für gutes Geld. Eigentlich fanden wir hier das, wovon wir immer schon geträumt hatten. Peter’s Augen leuchteten und er konnte es kaum erwarten das Buffet mit den herrlichsten Köstlichkeiten zu stürmen. Als es Mittag wurde, kamen immer mehr Menschenmassen. Gut, dass wir das Lokal schon wieder verließen.

Da das Wetter so schön war und wir ganz gut in der Zeit lagen, wollte ich einen Halt am Horseshoe Bend einlegen. Diese Sehenswürdigkeit hatte auch ich noch nie zu Gesicht bekommen. Etwa 2,5 Meilen nach Page auf der I-89 Richtung Grand Canyon sollten wir auf der rechten Seite einen Parkplatz finden. Tatsächlich sah ich schon von weitem, dass hier viele Autos parkten. Vom Parkplatz führte ein sandiger Wanderweg zum Gipfel eines kleinen Hügels. Peter trug ich schon im Auto auf, sich nicht ganz euphorisch auf den unbefestigten Canyonrand zu stürzen.

Horseshoe Bend

Horseshoe Bend

Nach einem kurzen Abstieg hatte man von der Abbruchkante aus den überwältigenden Blick in den Canyon auf die Schleife des grün-blau schimmernden Colorado. Ganz konnte ich die Aussicht nicht genießen, denn Peter turnte, wie ich vorhergesehen hatte, schon am Abbruch herum und konnte sich kaum beruhigen, ob der schönen Aussicht. Obwohl ich ein recht gutes Weitwinkelobjektiv hatte, war es fast unmöglich die ganze Pracht auf ein Bild zu bekommen. Viele Touristen lagen auf dem Bauch am Canyonrand, hielten die Kamera über den Abbruch und drückten auf den Auslöser. Soweit reichte mein Mut oder Übermut nicht. Trotzdem möchte ich Euch teilhaben lassen an der Schönheit dieser Gegend.

Horseshoe Bend

Horseshoe Bend

Bald schon kehrte ich der Flussschleife den Rücken und machte mich daran, den Hügel durch die Sanddünen zu erklimmen. Da in der Zwischenzeit die Sonne wieder schien und der Anstieg durch den Sand beschwerlich war, kam ich zum Schwitzen. Ich musste mir einen kleinen Vorsprung erarbeiten, denn Peter und Margret sind einfach die besseren Geher. Am Hügel trafen wir uns wieder und machten den Abstieg zum Parkplatz gemeinsam. Die kurze Wanderung hatte sich auf jeden Fall ausgezahlt.

Wenn das Wetter ganz toll ist, dann würde sich der Besuch des Antelope Canyon lohnen. Die sogenannten „Slot“canyons lassen das Herz eines jeden Fotografen höher schlagen. Der obere Teil ist leichter begehbar, als der untere. Man wird von den Navajos mit einem Jeep zum Eingang gebracht und auch durch das Naturschauspiel begleitet. Aber den Besuch dieses Naturwunders werden wir uns für ein anderes Mal aufheben.
Danach bewegten wir uns auf einen weiteren Höhepunkt unserer Reise zu – dem Grand Canyon. Auf unserem Weg dorthin kamen wir immer wieder an Verkaufsständen der Indianer vorbei. Einmal mussten wir auch kurz anhalten, um zu sehen, was sie so alles im Angebot hatten. Hauptsächlich boten sie Traumfänger in verschiedenen Größen und schönen Schmuck aus Türkisen und Korallen an. Natürlich wollten auch sie Geld verdienen und die Preise waren relativ hoch. Wir hielten kurz bei einer Tankstelle in Cameron, um unsere Scheiben zu säubern, damit wir die Aussicht im Grand Canyon besser genießen konnten.

An der Mautstelle bezahlten wir wieder US $ 25,00 Eintritt. Damit waren wir berechtigt eine Woche lang immer wieder in den Canyon einzufahren. Gerade dieses Gebiet zwischen dem Bryce und dem Grand Canyon beherbergt auch noch viele kleinere Naturdenkmäler, die sehr sehenswert sind. Wenn man Zeit hätte (z. B. schon in Pension wäre) und gerne wandert, dann könnte man in diesem Gebiet viel Zeit verbringen. Wir waren schon sehr dankbar, die Hauptsehenswürdigkeiten in der uns zur Verfügung stehenden Zeit besichtigen zu können.
Margret hatte die dritte Schicht des Fahrens übernommen. Im Nationalpark, der sich über eine Länge von 350 Kilometer erstreckt, gab es natürlich wieder sehr viele Aussichtspunkte. Den Westteil des Parks mit dem neuem Skywalk hatten wir ja bereits mit dem Hubschrauber überflogen. Jetzt waren wir vom Osten her in den südlichen Teil des Parks eingefahren. Der Grand Canyon ist etwa 450 Kilometer lang, zwischen 6 bis 30 Kilometer breit und bis zu 1.800 Meter tief. Es gibt auf dieser Länge auch keine Möglichkeit den Colorado zu überqueren. Im Westen gab es lange Zeit nur den Hoover Stau Dam – jetzt gibt es auch die Bypass-Brücke und im Osten die Brücke beim Glen Canyon Staudamm bei Page um trockenen Fußes den Fluss zu überqueren.

Desert View, Grand Canyon

Desert View, Grand Canyon

Als ersten Aussichtspunkt steuerten wird den Desert View an. Ein herrlicher Ausblick umrahmt vom blauen Himmel lag vor uns. Da das Gestein am Grund der Schlucht schon so hart ist, wächst der Canyon heute mehr in die Breite als in die Tiefe. Gerade an dieser Stelle hier sieht man schön, wie breit die Schlucht ist. Das Abendlicht ließ bereits lange Schatten über das Innere des Abgrunds fallen.

Da wir zum Sonnenuntergang in Grand Canyon Village sein wollten, trennten wir uns schweren Herzens vom wunderschönen Blick und fuhren weiter durch Wacholderwälder. Am Grandview Aussichtspunkt erwartete uns folgendes Hinweisschild: „ In keiner Sprache kann man die Schönheit und das Ausmaß eine der wundervollsten Produktionen der Natur beschreiben - den Grand Canyon muss man einfach gesehen haben.“

Grandview, Grand Canyon

Grandview, Grand Canyon

Im Schatten der steilen Felswände mäandrierte der Fluss wie ein silbernes Band, das vom Wind in Schleifen gelegt worden war. Die Felsen fingen die Röte der Abendsonne ein und strahlten eine eigentümliche Wärme aus, die auch uns gefangen nahm. Wieso wird einem das Abschiednehmen manchmal so schwer gemacht? Gut, dass der Grand Canyon Nationalpark schon 1979 in die Liste des UNESCO-Weltnaturerbes aufgenommen worden war. So wird er hoffentlich auch für unsere Nachkommen bewahrt werden.

Einige Kilometer mussten wir noch bis Grand Canyon Village zurücklegen. Seit ich zum letzten Mal dagewesen war, hatte sich viel verändert. Obwohl es drei riesengroße Parkplätze gab, war es schwer einen Parkplatz zu finden. Hinter dem Visitor Center lagen die Aussichtspunkte. Viele Menschen hatten sich bereits dort versammelt. Wir gingen auf den Canyon zu, der gerade Feuer fing. Erst jetzt bei meinem vierten Besuch im Canyon war es mir gegönnt, dieses Spektakel mitzuerleben.

Feuergefangen, Grand Canyon

Feuergefangen, Grand Canyon

Das tiefe Rot hielt mich gefangen. Aber auch alle anderen waren tief ergriffen von der Schönheit des Naturschauspiels. Und wieder hatte ich eine Eintragung mehr in meiner Sammlung von „schönen Augenblicken“.

Grand Canyon

Grand Canyon

Wir mussten dem Canyon den Rücken zukehren, aber nur um auf der gegenüberliegenden Seite den Sonnenuntergang betrachten zu können. Unser Hotel lag direkt am South Rim des Grand Canyons in Tusayan. Ich hatte bereits zwei Mal im Grand Canyon Squire Inn übernachtet und war jedes Mal sehr zufrieden gewesen. Aus dieses Mal sollte es nicht anders sein.

Wenn es nicht schon so spät gewesen wäre, hätten wir noch im IMAX Theatre, das visavis liegt, den sehr empfehlenswerten 3D-Film „Grand Canyon – the hidden secrets“ ansehen können. Nur hatte uns der Canyon in Natur gerade ein so großes Geheimnis verraten, dass es fast schade gewesen wäre, dies zu überlagern. So genossen wir unseren Apero, zogen uns um und gingen ins hauseigene Restaurant. Hier waren alle Tische schön gedeckt, sogar mit Tischtuch. Ein 3-Gang Menü mit Prime Rib als Hauptgang wurde serviert. Ein schmackhafter Abschluss einen wunderschönen Tages wurde von uns sehr genossen. (Trotz des Schildes, das uns gegenüber hing: „ Warnung: Das Trinken von Alkohol während der Schwangerschaft könnte zu Behinderungen des Kindes führen)

Posted by FEgoesUSAwest 02:42 Archived in USA

9. Tag

Bewegung auf dem Schachbrett

all seasons in one day 4 °C

Ab heute geht es dorthin, wo Fuchs und Henne sich gute Nacht sagen. Wir lernten die andere, ruhige Seite der USA kennen, die man nicht aus den Filmen kennt. Am Valet Parking Service übergab ich einem freundlichen Herrn unsere Bestätigung für die Abgabe eines Autos und wir hofften, dass wir dieses auch unbeschadet wieder zurück bekommen würden. Wir verluden unser Gepäck (ich glaube, dass es immer umfangreicher wird) und programmierten Suzie (Sie hatte ja jetzt drei Tage Urlaub gehabt und diesen an einem wunderschönen Ort, nämlich im Zimmersafe verbracht). Ich wollte vorerst auf der Interstate 15 north nach St. George, dem einzigen größeren Ort auf unserer Route, fahren. Dort wollten wir entscheiden, ob das Wetter gut genug wäre, um die Aussichtsstraße durch den Zion Nationalpark Richtung Bryce Canyon zu nehmen.

So verabschiedeten wir uns von den großen Themenresorts in Vegas, bogen um die Ecke ein und schon befanden wir uns auf der Autobahn. Bald nach der Stadt fing wieder die Halbwüste an. Das karge Leben wurde nur von den Schienen der Eisenbahn durchbrochen, auf denen jedoch in kurzen Abständen elendslange Züge verkehrten. Kilometerweit war das Land flach. An den Bergen, die man in weiter Ferne sah, stießen Wolken an und ließen ihren Inhalt abregnen. Dazwischen mischten sich Sonnenstrahlen und das Schauspiel mutete fast unwirklich an.

Nach etwa 150 Kilometern erreichten wir die Grenze zwischen den Bundesstaaten Nevada und Arizona und damit auch die Berge. Der Highway führte mitten durch eine Gebirgskette. Es gab keine Tunnels – für die Straße wurden einfach Schneisen durch das Gestein gesprengt. Einmal leuchteten die Felsen weiß, einmal rosa, orange oder dunkelrot. Viele der Berge hatten keine Gipfel und sahen so aus wie der Tafelberg in Südafrika. Obwohl wir an Seehöhe gewannen, wurden die Felder immer grüner. Die Bäume trugen noch Laub und es sah eher frühlingshaft aus. Immer wieder gab es kleinere und größere Bauernhöfe. Auf den Feldern grasten hauptsächlich Rinderherden.

Auf der I15 von Vegas nach Zion NP

Auf der I15 von Vegas nach Zion NP

Nur kurz war unsere Fahrt durch den Bundesstaat Arizona gewesen. Wir überquerten die Grenze nach Utha und nach etwa zwei Stunden Fahrt hatten wir St. George erreicht. Wir fanden ein nettes Lokal mit Blick auf den Mormonentempel, wo wir frühstücken konnten. Da der Himmel in der Richtung, in der wir hin wollten, blau war, entschlossen wir uns trotz der bedrohlichen Wolkenbank auf der anderen Seite, den Highway zu verlassen und die Aussichtsstraße zu nehmen. Sofort wurde es wieder gebirgiger und die Straße kurviger. Bizarre Felsformationen reihten sich wie die Glieder einer Kette in tennisplatzrot entlang der Straße. Plötzlich übernahm auch die Straße die rote Farbe. Wir hatten die Mautstelle am Eingang des Zion Nationalparks erreicht. Der Eintritt kostete US $ 25,00 für eine Woche. Da wir am Nationalfeiertag keinen Eintritt ins Death Valley hatten bezahlen müssen, würde es uns billiger kommen, die Einzeleintritte zu bezahlen, anstatt die Jahreskarte „America the beautiful“ zu erwerben. So müsste jeder von uns einmal die Kosten für einen Parkteintritt übernehmen.

Zion Nationalpark

Zion Nationalpark

Ich liebe die Farben- und Formenvielfalt in diesem Park. Zion ist ein altes hebräisches Wort und bedeutet so viel wie Zufluchtsort oder Heiligtum. Die Mormonen zogen auf ihren Weg nach Utah hier durch und dachten das „gelobte Land“ gefunden zu haben. Auf unserer Tour durch die Canyons und Nationalparks im Westen der USA würden wir aber auch immer wieder auf die Spuren der Ureinwohner dieses großen Landes stoßen – auf Indianer verschiedener Stämme. Paiute und Anasazi Indianer nutzen das Gebiet als Jagdgrund. Der aus braunem bis orangeroten Sandstein bestehende Zion Nationalpark verleitete uns dazu, oft stehen zu bleiben und auf Fotojagd zu gehen.

Zion Nationalpark

Zion Nationalpark

Obwohl es leicht zu nieseln begann, verlor der Canyon die Faszination nicht. Immer wieder hielten am Straßenrand Autos an. An einigen, für uns interessanten Plätzen, versuchten auch wir immer wieder einen Parkplatz zu ergattern, was gar nicht leicht war. Wie voll muss es hier erst in der Hochsaison sein.

Zion Nationalpark

Zion Nationalpark

Als die Straßenfarbe wieder von rot auf schwarz wechselte, wussten wir, dass wir den Zion Nationalpark verlassen hatten.

Zion Nationalpark Parkeingang

Zion Nationalpark Parkeingang

Auf dem Weg zum Bryce Canyon durchquert man zwangsläufig den Red Canyon im Dixie National Forest. Immerhin hat dieser Bundesforst ein Ausmaß von 8.000 km². Für mich ist der folgende kleine „Red Canyon“ wegen seiner strahlend purpurroten Farbe einer der schönsten Schluchten überhaupt. Die eisenoxidhaltigen Felsen gaben diesem Canyon seinen Namen. Der Scenic Byway 12 durch den Canyon ist sehr kurvenreich und führt durch zwei Felsbögen, die von Menschenhand geschaffen wurden.

Red Canyon

Red Canyon

Sehr zum Leidwesen von Peter gab es keinen Fotostopp im Red Canyon. Wenn es die Wetterlage und das Tageslicht noch zuließe, würde ich lieber die Zeit im Bryce Canyon nützen. Ich fürchtete, dass es am nächsten Tag schlechtes Wetter geben würde. Da der Bryce Canyon zum Teil auf einer Höhe von 3.000 m liegt, würde das Schneefall bedeuten und ich wollte nicht hier oben für einige Tage eingeschneit sein. In der Ferne sah man schon die Ausläufer des bizarren Canyons, tiefverhangen mit Wolken.

Auf dem Weg zum Bryce Canyon

Auf dem Weg zum Bryce Canyon

Die Fahrt in den Bryce Canyon dauerte eine scheinbare Ewigkeit. Man hat ihn schon für Kilometer vor sich und man glaubt, dass er scheinbar nie näher kommen würde. Doch als wir die Mautstelle erreicht hatten, hatte sich das Wetter gebessert und sogar die Sonne ließ sich blicken. Wir hatten noch circa zwei Stunden Tageslicht vor uns. Der Nationalpark entstand, um die farbigen Felspyramiden, den sogenannten „Hoodoos“ an der Abbruchkante des Paunsaugunt-Plateaus zu schützen. Durch den Park verläuft eine Einbahnstraße, an deren Beginn der Sunset Point liegt. Da müssten wir also zu dieser Tageszeit noch gutes Licht haben.

Sunset Point, Bryce Canyon

Sunset Point, Bryce Canyon

Natürlich war der Anblick sehr beeindruckend – überhaupt für jemanden, wie Margret, die den Canyon noch nie gesehen hatte. Peter’s letzter Besuch ist schon lange her, meiner erst acht Jahre. Aber immer wieder bin ich überwältigt von der Schönheit der Natur. Die bizarren Formen entstanden dadurch, dass sich die Erdplatte hier abrupt erhob und das Wasser abfloss. Dadurch wurde das weiche Sandgestein ausgeschwemmt und übrig blieben die wunderschönen „Schachfiguren“, wie ich sie nenne.

Hoodoos im Bryce Canyon

Hoodoos im Bryce Canyon

Da das Wetter und das Licht noch so schön waren, entschlossen wir uns, einen weiteren Aussichtspunkt aufzusuchen, den Bryce Point in einer Seehöhe von 2.529 m. Dort wurden wir vom Schnee erwartet. Zum ersten Mal auf dieser Reise waren wir froh über die mitgebrachten Winterstiefel und die warmen Jacken. Aber der Blick auf das große, natürliche Amphitheater ließ es uns warm ums Herz werden. Immerhin hat man hier einen Weitblick von bis zu 160 Kilometern.

Bryce Point

Bryce Point

Auf unserem Weg zum Ende der Einbahnstraße fuhren wir durch Waldgebiet. Teilweise hatten die Bäume eine schwarze Rinde. Vor etwa fünf Jahren hatte es hier einen Flächenbrand gegeben und dies waren die Überreste davon. 1875 wurde Ebenezer Bryce, ein Mormone, hier her geschickt, um an der Erschließung des Gebietes als Zimmermann mitzuwirken. Er bezeichnete das Naturwunder als „a hell of a place to lose a cow“. Besonders steil und unwirtlich war es am Aussichtspunkt “Natural Bridges”. Wir empfanden dies wahrscheinlich so, da die natürliche Brücke schon im Schatten lag.

Natural Bridges

Natural Bridges

Am Rainbow Point, dem Ende der Parkstraße, erreichten wir den höchsten Punkt unserer Reise. Auf 2.778 m Seehöhe war es sehr frisch. Es hinderte uns trotzdem nicht daran, auszusteigen und die wunderschöne Aussicht zu genießen. Viele Wanderwege führen durch die Schluchten. Mit Margret beschlossen wir in der Pension zurückzukehren und uns hier einige Tage für solche Aktivitäten Zeit zu nehmen.

Bryce Canyon

Bryce Canyon

Es gab noch viele schöne Aussichtspunkte. Peter wäre am liebsten bei allen stehengeblieben. Aber das Wetter hatte sich verschlechtert und die Dämmerung war über das Land hereingebrochen. Wir wollten noch beim letzten Funken Tageslicht den Ausgang des Parks erreichen. Im Park wohnt viel Wild und überall wird durch kleinere und größere Verkehrsschilder auf Wildwechsel hingewiesen. Wir hatten sogar Glück und konnten einige Hirsche in der Nähe des Straßenrandes entdecken.

Unser Hotel lag nur etwa 5 Kilometer von der Mautstelle entfernt. Da ich bereits drei Mal im Ruby’s Inn übernachtet hatte, kannte ich mich schon aus. Ich fragte die Dame an der Rezeption, ob wir nicht ein Zimmer in der Nähe des Hallenbades haben könnten. Da es nicht Hochsaison war, stimmte der Manager einem kostenlosen Upgrade zu. Unsere Zimmer lagen dann direkt gegenüber der Eingangstür zum Hallenbad. Wir hatten also für den verbleibenden Abend ein dicht gedrängtes Programm.

Vorerst zogen wir einige Runden im Becken und dann genossen wir das warme Wasser im „Suppentopf“. Das war eine Wohltat nach den kühlen Temperaturen im Nationalpark. Dann zogen wir uns warm an, denn heute war Waschtag. Das Hotel hatte einen eigenen Waschsalon. Zur Halbzeit der Reise ist es notwendig, den Koffer und die mitgebrachte Kleidung etwas in Ordnung zu bringen. So muss man nicht so viel mitschleppen. Jeder packte seine Dreckwäsche in einen Sack. Ich bereitete noch für jeden einen Aperitif vor und los ging es über riesige Eisplatten zum Waschsalon.

Die Trommeln waren riesengroß. So sortierten wir vorerst unsere Wäsche und luden eine mit dunkler und eine mit heller Wäsche. Etwa 30 Minuten würde der Waschgang brauchen. Margret benötigte noch einige Ansichtskarten und konnte sie während dessen im nahegelegenen Hotelshop besorgen. Ich hatte mein Netbook mit und konnte gleich die Bilder des Tages herunterladen und beschriften. Peter hing herum – wie immer – und genoss seinen Apero. Nach dem Waschen wurde ein Trockner befüllt. Margret sagte, dass sie noch nie so lange in eine Maschine hineingesehen hatte. Schnell hatten wir die Wäsche dann zusammengelegt und das meiste konnte schon wieder im Koffer verstaut werden.

In der Zwischenzeit hatte sich auch unser Magen gemeldet. Wir durften uns keine Zeit mehr lassen und sofort ins Restaurant gehen, denn um 21:00 Uhr war Küchenschluss und weit und breit gab es sonst keine Möglichkeit etwas zu essen. Margret und ich teilten uns eine Portion Rippalen und bedienten uns dazu am Salatbuffet. Peter hatte ein „All you can eat“ vom Salat- und Suppenbuffet. Wir waren auch tatsächlich die letzten Gäste und das Personal wartete darauf Dienstschluss zu machen.

Das Essen und Trinken waren gut, der Bauch voll und auf der Almhütte gab es leider keinen Hüttenzauber. Ich würde davon träumen, dass es Übernacht nicht schneien würde.

Budweiser XXL

Budweiser XXL

Posted by FEgoesUSAwest 02:41 Archived in USA

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