A Travellerspoint blog

6. Tag

Im Tal des Todes

sunny 17 °C

Unser Körper hat sich noch immer nicht ganz an die Westküstenzeit angepasst. Wir wachten relativ früh auf. War aber auch gut so. Peter machte seine Morgengymnastik und Margret und ich waren schon fertig. So bleib uns etwas Zeit, durch die Anlage zu spazieren. Die Furnace Creek Ranch ist ein riesiges Anwesen auf einer künstlich angelegten Oase mitten in der Wüste. Der Golfplatz, der tiefgrün und von kahlen Wüstenbergen eingerahmt ist, lag vor der Terrassentür unseres Zimmers. Er ist übrigens der einzige auf der Welt, der unter dem Meeresspiegel liegt.

Golfplaz Furnace Creek Ranch

Golfplaz Furnace Creek Ranch

Auf der anderen Seite unseres Hotels lag der Reitstall. Wenn man über eine kleine Brücke auf der dritten Seite des Hotels ging, kam man zum Kinderspielplatz gefolgt vom Beachvolleyballplatz, Tennisplatz und dem Pool. Alles, was das Herz begehrt lag hier vor der Haustüre. Jetzt herrschten angenehme Temperaturen, aber im Sommer kann das Thermometer schon auf über 40 Grad klettern. Die heißeste je gemessene Temperatur betrug hier am 10. Juli 1913 56,7 Grad Celsius. Da wir schon unterwegs waren, konnten wir auch gleich vom General Store etwas für das Frühstück mitnehmen – für Peter einen Apfel und einen guten Kaffee und für uns ein Sandwich mit Roast Beef.

Furnace Creek Ranch, Oase im Death Valley

Furnace Creek Ranch, Oase im Death Valley

In Schaukelstühlen auf der Terrasse nahmen wir dann unser Breakfast ein. Wir konnten nicht allzu früh starten, denn das Postamt öffnet erst um 8:00 Uhr. Es ist immer recht schwierig in einer der größeren Städte das Postamt zu finden oder die Öffnungszeiten waren gerade so, dass es zu war, als wir ankamen. So nahmen wir hier die Gelegenheit war, gleich für alle Karten, die wir schreiben würden, Marken zu kaufen. Margret gab der Beamtin eine größere Bestellung auf und so musste sie die vierzig Marken erst aus dem Depot holen. Margret vermisste ihre Arbeit schon so sehr, dass sie die Marken klebte und auch gleich abstempelte, sehr zur Freude der Bediensteten.

Wir fuhren dann nochmals zum Zabriskie Point. Jetzt waren die Steindünen in ein schönes Morgenlicht getaucht. Peter und Margret mussten das Gebilde etwas erwandern. Wer wohl diese Schönheit hier geschaffen hat? Danke dafür. Während der Hochsaison reißt die Kette von Touristen, die auf den Aussichtshügel pilgern, den ganzen Tag über nicht ab. Wir hatten das große Glück, die skurrilen Gebilde fast alleine zu betrachten. Der Manly Beacon hat die Form eines Haifischzahns und kann sogar bestiegen werden.

Zabriskie Point, Death Valley

Zabriskie Point, Death Valley

Dann fuhren wir zum Hotel zurück, von wo aus die Straße durch das zweite Tal, das den Nationalpark durchzieht, führt. Nach 9 Kilometern waren wir an der Abzweigung zum Artist Drive angekommen. Was ich mich erinnerte konnte, mussten wir hier einer Bergstraße, die als Einbahnstraße geführt wird, ins Hinterland folgen. Das Wetter war wieder traumhaft schön. Das Gestein der kahlen Berge war bunt gefärbt, je nachdem, welches Mineral es im Laufe der Jahrhunderte durchflossen hatte – Eisenerz färbte rot, rosa und gelb, Mangan purpur bis violett und Kupfer grün – eben alles, was die Farbpalette eines großen Künstlers hergibt. Immer wieder hielten wir an, um ein Foto zu machen, weil bestimmt hier die schönste Stelle sei. Dabei fuhr man um die Biegung und noch Schöneres tat sich auf. Da man nicht auf den Gegenverkehr achten musste und auch hinter uns kein Auto nachkam, konnten wir direkt auf der Straße halten und sogar ein Foto von einem vorüberhuschenden Coyoten machen.

Artist Drive, Death Valley

Artist Drive, Death Valley

Nachdem wir 15 Kilometer lang in einem halbkreisförmigen Bogen gefahren waren, gelangten wir wieder auf die Hauptstraße durch den Park. Nur kurz blieben wir auf der asphaltierten Straße um dann über eine rumpelige Schotterpiste zum Devils Golf Course zu fahren. Hier sieht man am deutlichsten, wie die Erde aufbricht, wenn sie völlig ausgetrocknet ist und die Salze an die Erdoberfläche gelangen.

Devils Golf Course, Death Valley

Devils Golf Course, Death Valley

Im Tal des Todes fallen im Schnitt circa 33 Millimeter Niederschlag pro Jahr. Das Death Valley entstand vor etwa 23 Millionen Jahren. Das Gebiet war einst von Meeren bedeckt. Durch das Heben und Falten der nordamerikanischen Platte floss das Wasser immer wieder ab und neue Täler füllten sich damit. Durch Wetterveränderungen und mit Hilfe der unbarmherzigen Sonne verdunstete das Wasser vor ca. 5.000 Jahren bis nur noch die heutigen Salzkrusten übrigblieben. Die weißen Felder, die wir sahen, waren also nicht von Schnee bedeckt, sondern durchgehende Salzkrusten. Badwater, das mitten in einer solchen Salzwüste liegt, ist mit 85,5 m unter dem Meeresspiegel der tiefste Punkt der USA. Der höchste Punkt der USA ist der in Alaska gelegene 6.194 m hohe Mount Mc Kinley. Hier gibt es eine kleine, aber ungenießbare Wasserquelle, die dem Ort ihrem Namen gab.

Bad Waters, tiefste Stelle der USA

Bad Waters, tiefste Stelle der USA

Es war sehr beeindruckend hinter dem Schild Badwater Basin zu stehen und auf die Tafel auf dem gegenüberliegenden Felsen zu schauen, der den Meeresspiegel markiert. So viel Zeit musste auch noch sein, um einen kleinen Spaziergang über das weiße Salz zu machen. Gutes Schuhwerk ist von Vorteil, denn es kann ganz schön rutschig sein. Natürlich bleibt das Salz auch am Schuh kleben und Salzränder im Auto sind unvermeidbar. Schön war der Rückweg, denn man konnte sehen, wie sich die Berge im klaren Tümpel der Quelle spiegeln.

Als wir 1998 diese Stelle besuchten, war es wirklich nur ein Tümpel. Heute wandert man über Holzstege, um das Naturjuwel zu schützen. Früher ließ man sein Fahrzeug auch einfach am Straßenrand stehen. Heute steht ein gut ausgebauter Parkplatz zur Verfügung. Nachdem wir unsere Schuhe so gut wie möglich abgeputzt hatten, steigen wir in das Auto ein und fuhren weiter Richtung Parkausgang. Obwohl die Gegend so einsam und unwirtlich ist, begegneten uns auf der Straße Coyoten. Anscheinend werden sie von den vielen hier durchkommenden Touristen gefüttert und wagen sich daher an den Straßenrand. Wie kann sonst ein Lebewesen hier nur überleben?

Obwohl die Berge immer wieder ihre Farben wechselten und es schon immer mehr Vegetation gab, waren wir trotzdem froh, den Park verlassen zu können. Shoshone war der nächste Ort. Hier wollten wir eine späte Mittagspause machen. Laut Ortstafel hatte das Kaff 10 Einwohner und liegt auf einer Seehöhe von 1,57 m. In der Crowbar war ich schon beim letzten Besuch in dieser Gegend. Ich hoffte, dass sie noch genauso urig wäre. Und tatsächlich – alles noch beim Alten. Unsere Coke wurde in alten Einmachgläsern serviert. Man zahlt eine und bekommt so viel Nachschlag, wie man will. Das Essen war köstlich und die Portionen so groß, dass ich mir mit Margret leicht das Clubsandwich mit Pommes teilen konnte. Peter’s Chef Salad war auch riesig. Endlich ging auch ein großer Wunsch von mir in Erfüllung: Essen am Tresen im Diner, wie im Film!

Crowbar, Shoshone

Crowbar, Shoshone

Nach dem Essen gingen wir noch dorthin, wo Cowgirl draufstand und Peter ging für kleine Cowboys. Denn wir würden wieder eine Backroad nehmen und uns für eine Stunde von der Zivilisation verabschieden. Auf der 178 West, dem Charles Brown Highway, überquerten wir dann die Grenze zwischen California und Nevada, dem Staat, in dem alle Laster erlaubt seien. Der Jusha Tree begleitete uns ein Stück des Weges und sein sattes Grün tat dem Auge wohl.

In Pahrump machten wir noch einmal Halt. Dort gab es sehr billiges Benzin. Wer weiß, wie hoch die Preise in der Stadt wieder sein würden. Ich musste auch Margret in die Tankstelle hinein holen. Hier herrschen einfach wirklich andere Sitten. Sie war erstaunt, als sie die ganzen Spielautomaten sah. Da Las Vegas in einem geschützten Becken, umgeben von Bergen liegt, kann man die Stadt schon kilometerweit sehen. Ich freute mich schon auf das lustige Treiben. Allerdings wollte Margret nicht auf den mehrspurigen Highway in die Stadt einfahren. So übernahm ich wieder das Steuer und sie bediente unsere Suzie. Die Gegend hatte sich ganz schön geändert. Vor acht Jahren gab es noch keine Vorstadt. Heute reihten sich zahlreiche Reihenhaussiedlungen an schöne Einfamilenhäuser. Anscheinend haben sich die Bediensteten der vielen Casinos eine eigene Wohnstadt gebaut.

Das Monte Carlo, in dem wir drei Nächte gebucht hatten, sah ich schon von Weitem. Natürlich auch die anderen berühmten Casinos. Da kommt man aus dem Staunen nicht mehr raus. Wir fuhren wieder vor dem Haupteingang des Hotels vor, wie es sich für noble Gäste gehört und ließen das Auto parken. Die Reihe an der Rezeption war mittellang. Hier kann 24 Stunden am Tag eingecheckt werden. Schnell hatten wir die Schlüssel für unsere zwei Zimmer mit Durchgangstüre. Zur Begrüßung gab es einen Apero. Aber dann ging es gleich los mit der Erkundung des Hotels. Das Monte Carlo ist überschaubar. Zwölf Lifte liegen zwischen den Flügeln mit 2.841 Zimmern. Das Hotel beherbergt also die Einwohner einer Kleinstadt.

Hotel Monte Carlo, Las Vegas

Hotel Monte Carlo, Las Vegas

Natürlich gab es eine große Anzahl an Spielautomaten, an die man vorbei musste, um zum Ausgang zu gelangen. Der Eine oder Andere bleibt schon hier hängen mit seinem Koffer, bevor er überhaupt zur Rezeption gelangt. Da es draußen schon dunkel war, wollten wir ein bisschen das Lichterspektakel ansehen. Wir hatten Glück und konnten gleich mal den tanzenden Brunner vor dem Belagio bewundern. Die Wasser-Lichter-Show findet zur vollen und halben Stunde am großen Brunnen vor dem schönsten Hotel von Las Vegas statt.

Tanzender Brunner vor dem Belagio, Las Vegas

Tanzender Brunner vor dem Belagio, Las Vegas

Wir machten noch eine große Runde durch die Stadt, bevor wir ein passendes Lokal zum Abendessen gefunden hatten. Die großen, günstigen Buffets gibt es nicht mehr in Las Vegas. Anscheinend lassen die Spieler zu wenig Geld in der Stadt. Gegenüber unserem Hotel fanden wir eine Bude, wo wir einen Hubschrauberrundflug in den Grand Canyon buchen konnten. Den wollten wir nicht versäumen. Für den Nachmittagsflug waren noch Plätze frei. Wir würden dann den Sonnenuntergang erleben und das Lichterspiel an Strip. Margret und ich waren sofort begeistert. Peter wollte nicht mitkommen. Mit Kreditkarte zahlten wir US$ 70,00 an. Der Rest würde bei Antritt der Reise fällig. Etwas worauf wir uns freuen konnten. Danach konnten wir uns an den Lichtern fast nicht sattsehen, aber irgendwann entschlossen wir uns doch, ins Hotel zurückzukehren und uns zu Bett zu legen.

Posted by FEgoesUSAwest 02:37 Archived in USA

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