A Travellerspoint blog

3. Tag

Spectacular Sight

sunny 18 °C

Heute steht die Befahrung einer der tollsten Küstenstraßen der Welt auf dem Programm - der 756 km lange Highway I zwischen San Francisco und Los Angeles. Die zweispurig ausgebaute Straße windet sich streckenweise in engen Haarnadelkurven über tiefe Canyons und gibt immer wieder spektakuläre Blicke auf das offene Meer frei. Dieses Stück Amerikas kannte ich noch nicht und freute mich besonders darauf.

Nach dem Verzehr unseres selbstgemachten Frühstücks im Hotel nahmen wir unser Gepäck und gingen zur Rezeption, wo ich die Parkgebühr bezahlte. Vom Chef des Parkplatzes erhielten wir dann unser Auto unversehrt zurück. Margret setzte unsere Suzie wieder in Betrieb. Der Parkplatzwächter erklärte mir, wie ich am schnellsten vom Hotel aus zur 101 South gelangen könnte, die uns dann zum legendären Highway 1 bringen würde. Wir folgten den Anweisungen unseres Navigationsgerätes auf der sechs-spurigen Autobahn so gut wir konnten. Viel Verkehr in der Nähe der Großstädte ist üblich. Auf der Gegenfahrbahn war jedoch noch mehr los, da in den frühen Morgenstunden alle in die Stadt hineinfahren wollen.

Im Süden der Bucht von San Francisco erreicht man das legendäre Silicon Valley, die „High-Tech-Hauptstadt des Landes". Dieses 30 km lange und 15 km breite Tal beherbergt noch heute mehr Computerfirmen auf vergleichbarer Fläche als irgendwo sonst auf der Welt. Die Garage in Palo Alto, in der William Hewlett und David Packard in den 30er Jahren ihre ersten Patente austüftelten, steht heute unter Denkmalschutz. Wir umfuhren diese Stadt ebenso wie Santa Cruz und überquerten auf der 156 West die Monterey Peninsula.

Kaum hatten wir das Ballungszentrum verlassen, veränderte sich die Landschaft. Große Felder voller Gemüse (Salat, Kraut, Artischocken) taten sich neben der Autobahn auf. Endlich erreichten wir den Highway 1 South und erhaschten damit auch die ersten Ausblicke auf den wilden und fast immer kühlen Pazifik. Teilweise hinter Sanddünen versteckt, lag das tiefblaue Meer. Was will man noch?

Sanddünen bei Monterey

Sanddünen bei Monterey

Monterey ist einer der größten Orte an diesem Küstenstreifen. Hier befindet sich das größte Meerwasseraquarium der USA und hier beginnt auch der atemberaubende 17-Miles-Drive. In dieser Kleinstadt hofften wir auch ein schönes Lokal zu finden, wo wir frühstücken könnten, denn unser Magen meldete sich. Zu Hause wäre es gerade 12:00 Uhr – Mittagszeit – kein Wunder also. Da es aber auch hier Nachsaison ist, waren nicht so viele Lokale geöffnet. Auf dem Gelände der Old Fisherman’s Wharf fanden wir einen kitschigen Diner, wie aus einem Film. Hier dürfte das Essen gut sein, denn der Laden platze aus allen Nähten. Die freundliche Dame am Empfang sagte mir, dass sie in etwa einer halben Stunde einen Tisch für uns hätte. War uns eigentlich auch ganz recht. Wir waren ja schon wieder über zwei Stunden gefahren und ein kleiner Spaziergang im Monterey Yacht Club würde uns gut tun.

Yachtclub Monterey Bay

Yachtclub Monterey Bay

Hier gab es zwar keine ganz großen Luxusyachten, aber die Anzahl an wunderschönen Segelbooten war enorm. Unzählige Leute in Neoprenanzügen warteten am Strand auf ihren Surflehrer. Der Pazifik ist ein eher rauer Knabe und die Wellen des wilden Wassers werden hier von Jung und Alt zum Wellenreiten genutzt. Im anderen Teil der Bucht hörte man die Rufe von Seehunden, die hier ihre Heimat haben. Früher als gedacht erhielten wir einen Tisch im Lokal. Die Tische im Außenbereich standen zwar alle in der Sonne, aber die leichte Brise vom Meer her lud nicht dazu ein, draußen zu sitzen. Wenn wir schon direkt am Meer saßen, entschlossen wir uns, etwas Fischiges zu essen – Omelette mit Ziegenkäse, Lachs und Spargel. Es war wirklich köstlich!

Ab hier übernahm Peter das Steuer. Ich wusste, dass der 17-Miles-Drive irgendwo in Monterey beginnen sollte. Da es dort keinen größeren Ort gibt, konnten wir Suzie auch nicht darauf programmieren. Als ich das Schild sah, war es auch schon zu spät, Peter zum Abzweigen zu bewegen. Außerdem wurde Peter schon ganz nervös, weil auf dem Display unseres Autos eine Warnlampe leuchtete. Also suchten wir eine Tankstelle, um herauszufinden, was los war. Auch Margret, die selbst einen Passat fährt, konnte mit der Meldung nichts anfangen. Die Tankstelle, an der wir anhielten, war nur mit einer Dame an der Kasse besetzt, die keine Ahnung von Autos hatte. So fuhren wir zur nächsten. Auf dem Weg dorthin fiel mir ein, dass dieselbe Warnung auch mal beim Dienstwagen aufleuchtete, als ich mit ihm unterwegs war. Also ließen wir bei der nächsten Tankstelle den Reifendruck überprüfen. Der Tankwart empfahl uns jedoch eine benachbarte Werkstätte aufzusuchen, was wir auch taten. Der Mechaniker dort überprüfte nochmals den Druck und das Warnlicht leuchtete weiter bis ans sichere Ende unserer Reise.

Ich sagte Peter, dass er nochmals in den Ort zurückfahren sollte, damit ich das Schild suchen konnte. Suzie wollte uns durch aufgeregte Zurufe zum Umkehren zwingen. Doch da tauchte auch schon die Abzweigung auf. Diese Aussichtsstraße ist eine der wenigen in den USA für die man Maut zahlen muss. Aber um in den Genuss dieser schönen Landschaft zu kommen, zahlten wir gerne US $ 10,00. Man wird im Einbahn-System rund um die ganze Halbinsel geführt, die zum Großteil aus aneinandergereihte Golfplätze und Luxusvillen besteht. Ich glaube, dass man fast nirgends wo auf der Welt, direkt am Strand Golf spielen kann.

Golfplatz am Strand mit Villen, 17-Miles-Drive

Golfplatz am Strand mit Villen, 17-Miles-Drive

Der Rest der Halbinsel bestand aus naturbelassenen Stränden und Wäldern. Eine Bucht war schöner als die andere. Kein Wunder, dass sich hier die reichsten der Reichen niedergelassen haben. Die Mitgliedsgebühren in diesen Golfclubs zählen zu den höchsten der Welt.

17-Miles-Drive

17-Miles-Drive

Jedoch mussten wir diesen schönen Ort verlassen, denn eine weite Strecke mit noch sehr vielen schönen Orten lag vor uns. So viel Schönheit und ich konnte sie nicht festhalten. Schon seit dem ersten Tag wollte mein Fotoapparat nicht so richtig funktionieren. Jetzt kann ich überhaupt nicht mehr abdrucken. Es ist fast wie eine Strafe für mich. Aber ich versuchte es einfach als einen Wink von oben zu verstehen, mich zu erholen.

Die Küste war sehr abwechslungsreich. Mal führte die Straße entlang von Steilklippen, mal grasten Kühe auf flachen, grünen Weiden, die bis an den Strand reichten. Wir mussten auch über etliche hohe Brücken fahren, um tiefe Canyons überqueren zu können. Die 86 m hohe Bixby Bridge ist die höchste Einzelbogenbrücke der Welt. Den Ort Big Sur, in dem es scheinbar nur eine Tankstelle und ein Hotel gibt hatten wir auch bald durchfahren.

Küste entlang Highway 1

Küste entlang Highway 1

Kurz bevor wir nach etwa 300 Kilometern unser Etappenziel in Cambria erreichten, tauchte auf einem Hügel Hearst Castle auf. Das in den Jahren 1922 bis 1950 gebaute Schloss des Medienzars William Randolph Hearst kostete Schätzungen zu Folge etwa 30 Millionen Dollar. Die Mischung aus Kunst und Kitsch könnte heute für geschätzte 300 bis 400 Millionen Dollar verkauft werden. Das Anwesen diente als Vorbild des Schlosses Xanadu im Film Citizen Kane von Orson Welles. Von hier aus sollte man den Sonnenuntergang gut betrachten können.

Wir zogen es allerdings vor, den Seeelefanten am Strand im Abendlicht zuzusehen. So viele hatte ich zuvor eigentlich nur auf Kangaroo Island in Australien gesehen. Hier im San Simeon State Park gingen sie aber genauso liebevoll miteinander um. Viele küssten sich und spielten miteinander.

Seaelefanten im San Simeon State Park

Seaelefanten im San Simeon State Park

Als wir unser Hotel suchten, fing es schon an dämmrig zu werden. Das Hotelschild war durch ein Werbeplakat für den örtlichen Weihnachtsmarkt überdeckt und so konnten wir erst nach einem kleinen Ausritt in die Pampa (Schotterweg durch den Wald) und einen zweiten Versuch die Lodge finden. Ein kleines Apartment konnten wir für eine Nacht unser eigen nennen. Wir entschlossen uns im gemütlichen Restaurant des Hotels zu essen, was sich als sehr gute Idee herausstellte. Viel Holz und Blumentapeten ließen uns vergessen, dass wir eigentlich sehr weit von zu Hause weg waren. Europäisches Flair breitete sich aus. Die Besitzer waren wohl mal vor vielen Jahren aus Deutschland ausgewandert. Der Koch konnte ebenfalls haubenmäßig kochen.

In unserem geräumigen Wohnzimmer mit offenem Kamin ließen wir den Abend bei einem Gläschen ausklingen.

Für alle zu Hause gebliebenen:

Für das Postkartenschreiben wird nicht viel Zeit bleiben. Deshalb auf diesem Wege herzliche Grüße an alle.

Posted by FEgoesUSAwest 02:33 Archived in USA

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