A Travellerspoint blog

Tag 11

Auf der legendären Route 66

sunny 17 °C

Eigentlich war es geplant, am Morgen nochmals in den Grand Canyon Nationalpark einzufahren. Das Erlebnis des brennenden Canyons könnte jedoch nicht mehr getoppt werden und wir beschlossen daher, die gewonnene Zeit für andere Sehenswürdigkeiten zu verwenden.

Wer glaubt, dass wir bisher nur durch Hintertupfing gefahren sind, hat sich getäuscht. Jetzt werden die Städte noch kleiner und der Highway noch verlassener. Kurz nach dem Hotel waren zwei Kreisverkehre – für USA etwas ganz Seltenes. Auf der 190 fuhren wir Richtung Süden bis wir kurz vor Williams auf ein Hinweisschild „Historic Route 66“ stießen. Genau diese Straße suchten wir. Die legendäre „Route 66“ – die Mutter aller Straßen - war die Verbindung zwischen Chicago und Los Angeles mit einer Gesamtlänge von 2.448 Meilen (3.917 km). Es gibt sie seit 1926. Allerdings ist nicht mehr viel von dieser ursprünglichen Strecke vorhanden. Eines der letzten Originalstücke finden wir hier zwischen Williams - Seligman und Kingman.

Historic Route 66, Williams

Historic Route 66, Williams

Williams ist ein kleines, beschauliches Städtchen, das wohl hauptsächlich vom Tourismus rund um die Route 66 lebt. Schon am Ortseingang wird man von einem Schild „Williams Arizona, the best of Route 66“ empfangen. Hier ist auch der Bahnhof der Grand Canyon Railroad. Ich sah, dass es ein Visitor Center gab. Hier sollte es dann auch Prospekte über die Strecke geben. Margret und Peter folgten mir in das Gebäude. Dem Ranger fiel auf, dass wir Deutsch sprachen. Er war in Mannheim stationiert gewesen, bevor er in den Irak musste. Von dort kam er als Invalide nach Hause und hatte großes Glück diesen Job zu finden, zumal er noch um die Ecke geboren worden war.

Wir kauften ein paar Postkarten und er gab mir drei „Route 66 Pässe“. Damit konnten wir uns in jeder kleineren Stadt entlang der Route einen Stempel holen und als Andenken aufbewahren. Darin fanden wir auch eine Landkarte. Somit wussten wir, wohin uns unser weiterer Weg führen würde.

Die Häuser in dieser Kleinstadt waren alle renoviert worden. Der Holzplankengehsteig war wieder errichtet worden und man hatte fast das Gefühl, Teil einer Filmkulisse zu sein. Wieder ins Auto eingestiegen, folgten wir den Schildern. In einem Loop wurden wir durch die gesamte Stadt geführt und dann auf den Highway geleitet. Aber schon kurz vor der nächsten Ausfahrt sahen wir das nächste Schild „To historic Route 66“ und so verließen wir wieder die Autobahn. Im Verlauf des Tages sollte es uns noch einige Male so gehen.

Die alte Straße führte entlang der Eisenbahnlinie. Immer wieder wurden wir von längeren und kürzeren Zügen begleitet, die sogar zwei Container aufeinander geladen hatten. Das trockene Steppengras leuchtete goldig in der Sonne und bildete einen schönen Kontrast zum blauen Himmel. Die weißen Schäfchenwolken vervollständigten das kitschige Postkartenambiente. Nicht nur Kühe grasten hier, sondern auch eine Art von Kudus.

Steppengrass auf der Route 66 bei Seligman

Steppengrass auf der Route 66 bei Seligman

Als wir in Seligman, der nächsten Stempelstation, ankamen, hielt gerade ein Reisebus. Es schien uns, als ob viele Tausende Japaner ausgestiegen wären, denn in Windeseile hatten sie die Stadt zu ihrem Eigentum erklärt. Wir waren auf der Suche nach Angel’s Barbershop & Visitor Center. Wir hatten Glück, gerade vor der ganzen Horde ins Geschäft zu gelangen. In Ruhe gab uns die Verkäuferin einen Sonderstempel in unsere Pässe. Wir konnten gerade noch ein bisschen Hüte probieren, bevor der Laden gerammelt voll war. Margret spielte sich mit dem Gedanken, ihren Helmut einen Cowboy Hut zu kaufen. Da sie seine Hutgröße nicht wusste, rief sie ihre Schwester an, um Auskunft darüber zu erhalten. Bald darauf war der Hut eingetütet.

Während die Japaner wie wild in dem kleinen Laden einkauften, nützten wir die Gelegenheit für eine Fototour durch die Stadt. Natürlich waren viele der bunten Souvenierläden nachgestellt. Trotzdem war es lustig, etwas Zeit in der sogenannten „guten, alten Zeit“ zu verbringen. Peter hatte einen Traum von einem Cadilac gefunden, der nur zwei Fehler hatte: Er war pink und gehörte nicht ihm. Trotzdem ließ er sich damit ablichten.

Seligman auf der Route 66

Seligman auf der Route 66

Als wir uns wieder auf dem Weg machten, war der Bus mit den Japanern auch schon gestartet. Sie nahmen jedoch sofort die nächste Auffahrt auf die Autobahn. Wahrscheinlich hatten sie nur den Abstecher nach Seligman gemacht und glaubten so die ganze Route 66 gesehen zu haben. Wir wollten die Strecke voll auskosten, aber natürlich auch nicht die Gesamtlänge von 3.917 Kilometern, sondern nur eine Tagesstrecke von 340 Kilometern.

Vorerst lagen 25 Meilen nach Peach Springs vor uns. Dort wollten wir an der Rezeption der Hualapai Lodge unseren nächsten Stempel abholen. Das Hotel war sehr schön mit vielen Kürbissen für den nahenden Thanksgiving Day dekoriert. Wir nützten den Halt für einen Boxenstopp. Im kleinen Laden des Hotels kaufte ich mir einen Butterfinger als Stärkung. Margret kannte diese amerikanische Spezialität auch nicht und so war eine Kostprobe des etwas salzigen Erdnussbutter-Schokoladenriegels fällig. So schön das Hotel war, so herniedergekommen war die Kleinstadt. Einfach Gasgeben und Weg war die Divise.

Peach Springs

Peach Springs

Zu schnell durften wir allerdings nicht unterwegs sein mit unserem tollen Auto. Bisher hatten wir immer versucht, uns an die Geschwindigkeitsbeschränkungen zu halten und nicht mit der Polizei in Berührung zu kommen. Wie schnell sich das ändern könnte, war uns zu diesem Zeitpunkt noch nicht bewusst. Den ersten Teil unserer Tagestour war ich gefahren, dann sollte Margret ans Steuer und die Bergstrecke war Peter vorbehalten. So konnte jeder von sich behaupten, auf der Mutter aller Straßen gefahren zu sein.

Route 66

Route 66

Einige der ganz kleinen Dörfer wie Valle Vista, Valentine oder Winslow ließen wir links liegen. Ein besonders schöner General Store befindet sich in Hackberry – wohl eher so etwas wie ein Museum. Mit etwas Glück, sollten wir ihn finden. Doch leider war das Hinweisschild erst nach der Einfahrt aufgestellt worden. Für Margret kein Problem. In Sekundenschnelle hatte sie einen Platz zum Umkehren gefunden und schon fuhren wir in die Großstadt Hackberry ein. Auf jeden Fall sehenswert. Ein Esel begrüßte uns. Die Hütten waren am zusammen brechen und die ausgestellten Autos alle „Rostlauben“. Diesen Halt hatten wir eigentlich für unsere Kaffeepause reserviert. Kaffee hätte der Wirt noch gehabt, aber kein heißes Wasser für eine Tasse Tee. Margret und ich sind nämlich Teetrinker. Aber im XXS Laden fanden wir viele kleine Mitbringsel für unsere Lieben zu Hause.

General Store in Hackberry, Route 66

General Store in Hackberry, Route 66

Als wir schon einen Kilometer gefahren waren, fiel mir ein, dass ich vergessen hatte, unsere Pässe stempeln zu lassen. Wir waren gerade an der Stelle angekommen, wo Margret zuvor schon umgekehrt war. Da sie jetzt schon wusste, wie es funktionierte, drehten wir wieder um, ließen die Pässe stempeln und setzten unsere Fahrt nach Kingman, dem einzig größeren Ort an der Strecke, fort. Auf der ganzen Strecke waren wir fast alleine unterwegs gewesen. Hier gab es auf einmal wieder viel Verkehr und Kreuzungen mit Ampeln. Am Straßenrand stand sogar ein Polizeiauto. Margret fuhr vorbei. Hinter uns heulten die Sirenen. Wir fuhren weiter. Immer noch heulten die Sirenen und Margret sah im Rückspielgel, dass der Sheriffwagen uns scheinbar verfolgte.

Ich sagte ihr, dass sie auf die Seite fahren sollte. Über Lautsprecher ertönte, dass wir auf den Parkplatz des Hotels fahren sollten. Dort blieben wir stehen und warteten mit einem mulmigen Gefühl auf weitere Anweisungen. Als der Sheriff kam und auf die Scheibe klopfte, öffnete Margret das Fenster. Der Uniformierte verlangte die Wagenpapiere und ihren Führerschein, den sie in der Bauchtasche unter ihrem T-Shirt verstaut hatte. Er fragte uns, wieso wir nicht sofort die Spur gewechselt hatten, als wir ihn gesehen hatten. Wir sagten, dass wir nicht wussten, dass wir die Spur hätten wechseln sollen. Er fragte woher wir kämen. Unsere Antwort war Austria. Mit den Papieren ging er zu seinem Wagen und hielt in seinem Laptop wohl Ausschau, ob wir gesuchte Verbrecher seien. Wir warteten, was noch kommen würde.

Als er mit einem ausgefüllten Formular zurückkam, wussten wir, dass es nicht gut für uns aussah. Er fragte Margret: Weight? Er will wissen, wie viel Du wiegst. Will er Margret jetzt schlachten und per Lebendgewicht verkaufen? Height? Er will wissen, wie groß Du bist. Will er schon wissen, wie lang das Bett in der Zelle sein soll? Home adress? Deine Anschrift will er wissen. Will er Helmut schreiben, dass Du im Gefängnis bist? Letztendlich stellte sich heraus, dass Margret eine Verwarnung erhielt. Wir fragten den Sheriff dann noch, ob wir wohl am richtigen Weg zur Powerstation, unserem eigentlichen Ziel, wären. Geradeaus noch drei Kilometer und dann würden wir schon auf der linken Seite den Wasserturm mit der Werbung sehen. Dann fuhr er los.

Wir brauchten noch etwas Zeit, um uns vom Schrecken zu erholen. Margret musste ihre Papiere erst wieder im Bauchgurt verstauen. Hinter dem nächsten Imbiss stand das Auto mit dem Blaulicht wieder und lauerte schon auf sein nächstes Opfer. Wir fanden problemlos zur Powerstation. Dort gab es ein Museum und einen kleinen Shop. Natürlich holten wir uns wieder einen Stempel ab. Margret hatte auch ein Mail erhalten mit Helmut’s Hutgröße. Mit Lineal und einem Strick kontrollierten wir am gekauften Hut das Maß und beschlossen, dass er genau sitzen müsste.

Powerhouse, Kingman, Route 66

Powerhouse, Kingman, Route 66

Dass Margret jetzt nicht mehr weiterfahren wollte, war irgendwie verständlich. So übernahm Peter gleich das Steuer. Bevor wir wieder in die Wildnis fuhren, tankten wir das Auto ein letztes Mal voll. Wir standen kurz vor unserer letzten Etappe. Etwas umständlich gelangten wir zur Tankstelleneinfahrt. Wir besorgten Peter einen Kaffee und schon ging es weiter. Sobald wir Kingman verlassen hatten, kamen wir in eine gottverlassene Gegend.

Diese Teilstrecke der legendären Route 66 war auch ich noch nicht gefahren. Der mehrspurige Highway durch Kingman hatte sich in eine schmale, zum Teil steile und sehr kurvenreiche Straße verwandelt. Auf den kargen Böden wuchsen hauptsächlich Kakteen der verschiedensten Arten. Der Ort Cool Springs bestand anscheinend nur aus dem kleinen Gift Shop mit angeschlossenem Museum. Hier parkten viele Motorräder. Ich verstehe, dass diese Strecke ein Eldorado für Zweiradfahrer ist.

Route 66 zwischen Cool Springs und Oatman

Route 66 zwischen Cool Springs und Oatman

Dann tauchte ein Warnschild mit einem Esel auf. Auf den nächsten acht Meilen wurde vor Eseln gewarnt. Mit dem Sitgreaves Pass auf einer Seehöhe von 1.090 m hatten wir den höchsten Punkt der Aussichtsstraße erreicht. Von hier aus ging es in steilen Serpentinen durch die Black Mountains abwärts. Auf einer kleinen Kreuzung hatten sich ein paar Autos versammelt. Einige Menschen waren ausgestiegen und blickten zum Teil starr auf den Boden. Vor uns überquerte eine Klapperschlange die Straße. Margret hüpfte aus dem Auto, um ein Foto zu machen. Ich sagte ihr, dass sie die Türe sofort schließen solle, denn ich wollte nicht, dass sie sich in das Wageninnere verirrte.

Rattlesnake in Oatman

Rattlesnake in Oatman

Nicht genug, dass uns eine Klapperschlange über den Weg lief, kurz danach war unser Auto von Eseln umkreist. Wilde Esel, „Burros“ genannt, laufen in der Stadt Oatman frei umher. Sie stammen von Lasteseln ab, die von ihren Besitzern einst freigelassen wurden, nachdem sie nicht mehr gebraucht wurden. Die alte Goldgräberstadt Oatman war 1902 gegründet worden. Läge der Ort nicht an der vielbefahrenen Route 66, wäre er auch zur Geisterstadt geworden. Hier herrschte reges Treiben. Im Oatman Hotel, das unter Denkmalschutz steht, ließ ich wiederum unsere Pässe stempeln. Hier verbrachten die Schauspieler Carol Lombard und Clark Gable 1939 ihre Flitterwochen.

Oatman, Arizona an der Route 66

Oatman, Arizona an der Route 66

Nachdem ein Esel unser Auto anscheinend besonders „cool“ fand und es begann abzuschlecken, ergriffen wir die Flucht. Nach dem Trubel in Oatman war die Fahrt nach Bullhead City wieder sehr einsam. Dann wurde das Tal breiter. Es gab grüne Wiesen und viele bestellte Felder. In der Zivilisation angekommen, suchten wir nach einem Liquor Shop, den wir auch bald bei einer Tankstelle fanden. Kurz vor Bullhead City überqueren wir die Grenze zu Nevada und befanden uns somit wieder in dem Bundesstaat der vielen Laster. Laughlin, unser Tagesziel, ist eine Casino Stadt wie Las Vegas. Hier wollten wir uns nochmals dem Spiel hingeben und die Reisekasse etwas aufbessern.

Wir hatten wieder einen alten Freund an unserer Seite, als wir in die Stadt einfuhren, den Colorado River. Der bildete hier die Grenze zwischen den Bundesstaaten Arizona und Nevada. Unsere Suzie hatten wir heute vielfach kalt gestellt, weil wir auf historischen Routen unterwegs gewesen waren und den Highway gemieden hatten. Jetzt jedoch im Großstadtgetümmel waren wir wieder froh, sie als Begleitung zu haben.

Suzie

Suzie

Posted by FEgoesUSAwest 04:50 Archived in USA

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