A Travellerspoint blog

Tag 16

Weihnachtsstimmung in New York

overcast 10 °C

Gegenüber unserem Hotel gab es einen kleinen Laden, wo man gut frühstücken konnte. Auch hier in New York ist das Frühstück im Übernachtungspreis selten enthalten. Frisch gestärkt, könnten wir wieder die Welt zerreißen. Wenn wir schon in New York City sind, sollten wir einen Blick auf eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten, die Statue of Liberty, werfen. Dazu mussten wir nur zur Penn Station, uns in die Subway Linie E setzen und zur Endstation, dem ehemaligen World Trade Center fahren. Dort befindet sich eine der wohl größten Baustellen der Welt. Die beiden 417 Meter hohen Zwillingstürme des WTC wurden mittlerweile bis auf die Fundamente abgetragen. Das 6,47 ha große Gelände, heute Ground Zero genannt, dient als Gedenkstätte für die 2.602 Menschen, die Opfer der Anschläge vom 11. September 2001 wurden.

Baustelle Ground Zero

Baustelle Ground Zero

Derzeit werden auf diesem Gelände mehrere Wolkenkratzer errichtet. Kernstück des Gebäudekomplexes wird das neue One World Trade Center sein, dessen Höhe 541,3 Meter betragen soll. Somit wird es das höchste Gebäude der Stadt und der USA sein, sowie eines der höchsten der Welt. Unzählige Bauarbeiter arbeiten hier in schwindelerregender Höhe. Das Gebäude soll ungefähr 3,8 Milliarden US$ kosten und im Herbst 2013 bezugsfertig sein.

Von hier aus führt normaler Weise eine U-Bahn zum Battery Park. Leider ist seit Hurricane Sandy nichts mehr normal. Die U-Bahn Schächte waren zum Teil noch überschwemmt und daher nicht freigegeben. Aber der Spaziergang dorthin würde uns nicht schaden. Vom Battery Park aus legt die Fähre zur Freiheitsstatue ab. Mitten im Hudson River verläuft die Grenze zwischen den Bundesstaaten New York und New Jersey. Leider war unser Aufenthalt in NYC zu kurz, um dorthin fahren zu können. Die Statue of Liberty war 1880 ein Geschenk des französischen Volkes anlässlich des 100-sten Gedenktages der Amerikanischen Unabhängigkeit. Ellis Island liegt daneben und diente von 1892 bis 1954 als Einwanderungszentrum. Auch meine Vorfahren wanderten über Ellis Island nach Amerika ein.

Statue of Liberty und Ellis Island von der Promenade aus

Statue of Liberty und Ellis Island von der Promenade aus

Die Promenade im Südteil Manhattans ist sehr schön angelegt. Es ist eine beliebte Wohngegend. Hier liegt auch das Finanzzentrum der USA, die Wallstreet. In diesem Teil der Stadt wurden viele Keller durch Sandy überschwemmt. Viele Archive und die Haustechnikzentren, die in den Kellergeschoßen untergebracht waren, wurden mit Schlamm überflutet. Deshalb sind viele Firmen von der Wallstreet nach Jersey City übersiedelt und überlegen sich auch dort zu bleiben.

New York City Skyline

New York City Skyline

Wir stiegen beim WTC wieder in die U-Bahn Uptown ein. An der 57th Street Ecke 5th Avenue stiegen wir nach kurzer Fahrt wieder aus. Die 5th Avenue ist eine der Haupteinkaufsstraßen im Herzen Manhattans. Der Straßenzug war schon immer ein Zeichen für Reichtum und Ansehen. Gerade in der Weihnachtszeit sollte man nicht versäumen, dort einen Schaufensterbummel zu machten. Sogar die Gebäude sind wie Weihnachtsgeschenke verpackt.

Weihnachtdekoration 5th Avenue, NYC

Weihnachtdekoration 5th Avenue, NYC

Am Ende der 5th Avenue liegt gegenüber des Central Parks das legendäre Plaza Hotel. Hier spielte der Film „Kevin allein in New York“. Wenn man schon in der Gegend ist, sollte man einen Blick ins Hotelinnere werfen. Die Toiletten, die im Kellergeschoß untergebracht sind, sind frei zugänglich. Es zahlt sich auf jeden Fall aus, dort ein wenig Zeit für einen Boxenstopp einzuplanen. Die Feinkostabteilung lädt ein, ein bisschen zu verweilen.

Ich hatte allerdings geplant, unsere Mittagspause im Central Park zu verbringen, wie es viele New Yorker machen. Vor dem Eingang zur 341 ha großen Grünanlage stehen die Fiaker und warten darauf, mit Ihren Gästen eine Kutschenfahrt durch den Park zu machen. Immerhin gibt es 93,5 Kilometer Fußwege durch den Park. Er wird die „grüne Lunge New Yorks“ genannt – kein Wunder, dass ihn circa 25 Millionen Menschen im Jahr besuchen. Wenn man ihn betritt, taucht man in eine ganz andere Welt ein. Man lässt den Lärm und den Trubel der Großstadt hinter sich. Für mich war es besonders schön, da er in herbstliche Farben getaucht war. An einer Würstchenbude kauften wir uns einen Hotdog. Auf einer Bank im Sonnenschein genossen wir diese Spezialität.

Herbstlicher Central Park, NYC

Herbstlicher Central Park, NYC

Immer wieder traf man auf Stellen im Park, die einem bekannt vorkamen. Unzählige Filmszenen wurden hier gedreht. Auf dem Teich kann man im Sommer Ruderbootfahren und im Winter gibt es einen Eislaufplatz. Für 7 US$ kann man sich Schlittschuhe leihen. Der Eintritt für Erwachsene beträgt 11 US$. Das Angebot wurde gut angenommen. Viele Schlittschuhläufer tummelten sich bei eher warmen Temperaturen am Eis. Wir hatten nur eine kleine Runde am südlichsten Ende des Parks gedreht. Trotzdem bekamen wir einen kleinen Eindruck vom Naherholungsgebiet der New Yorker.

Eislaufen im Central Park, NYC

Eislaufen im Central Park, NYC

Als wir die 5th Avenue überqueren wollten, mussten wir feststellen, wieder in der Welt des Verkehrs angekommen zu sein. Die Ecke Fifth und Park South ist eine sehr frequentierte Stelle der Stadt. Hier gibt es nicht nur einen Zebrastreifen, der die Straße gerade quert, sondern auch einen, der diagonal von einer Ecke zur anderen führt. Im Eckhaus ist das wohl größte Spielzeuggeschäft der Stadt, wenn nicht der Welt, untergebracht – FAO Schwarz. Herr Fredrick August Otto Schwarz eröffnete 1870 einen Marktstand mit Spielzeug. Heute wird man vom Spielzeugsoldaten „Bobby“ am Eingang erwartet. Da es Black Friday war, war die Schlange vor dem Geschäft recht lang, aber schon bald konnten wir das Geschäft betreten, von dem jedes Kind nur träumen kann. Neben Unmengen von Stofftieren gibt es hier wohl jedes Spielzeug, das man sich vorstellen kann. Wegen der günstigen Rabatte, die man heute bekam, verlass wohl fast jeder schwer bepackt das Geschäft.

Ein weiteres großes Einkaufszentrum, das man nicht versäumen sollte, ist Bloomingdales. Bloomingdales und Macy’s stehen immer im Wettkampf um die schönste Weihnachtsdekoration. Für mich hat Macy’s gewonnen. Auch hier gibt es einen Victoria Secret Laden. Die schönsten und funkelendsten Auslagen hat jedoch das berühmte Juweliergeschäft Tiffany’s, das neben dem Trump Tower liegt. Ich war fasziniert von einer Blume, deren Blütenstände ein wahrer Prachtring waren. Je nach Lichtverhältnis öffnete oder schloss sich die Blüte. Wir gingen hinein. Peter hatte seine Kreditkarte mit – mal sehen, ob er sie auch verwendet?

Auslage bei Tiffany’s

Auslage bei Tiffany’s

Wir lagen noch immer gut in der Zeit. Ich hatte mich ja für heute um 15:00 Uhr mit Susie, meiner Freundin aus Vancouver, verabredet, die zufällig zur selben Zeit mit ihrem Mann Cliff auf Einkaufstour in der Stadt war. So konnten wir noch gemütlich die 5th Avenue raufgehen. Das Rockefeller Center liegt genau gegenüber von St. Patrick’s Cathedral, der größten neugotischen Kathedrale der USA. Wir warfen einen kurzen Blick in den unter Renovierung stehenden Dom.

Die wohl bekannteste Sehenswürdigkeit zur Weihnachtszeit in New York ist der Christbaum am Rockefeller Center. Der Baum wird mit 30.000 bunten Lichtern geschmückt und mit einem Swarovsky Stern gekrönt und ist mit einer Höhe von über 20 m einer der größten der USA. Bekannt ist unter anderem auch die Prometheus-Statue im Vordergrund des Gebäudes. Im Winter wird der Platz davor zu einem Eislaufplatz umgewandelt. Leider wurde der Baum erst zwei Tage nach unserem Abflug feierlich erleuchtet. Der Blick vom „Top of the Rock“, dem 70-igsten Stockwerk eines aus insgesamt 21 Hochhäusern bestehenden Gebäudekomplexes, auf das nächtliche New York soll ebenso überwältigend sein, wie der Blick vom Empire State Building.

Christbaum vor dem Rockefeller Center

Christbaum vor dem Rockefeller Center

Nach so viel Laufen wäre etwas zu Trinken gut. Außerdem wäre es gar nicht schlecht, sich hinsetzen zu können und etwas auszuruhen. Im Food Court im Untergeschoss des RFC haben wir dann ein nettes Cafe gefunden. Die Radio City Music Hall befindet sich auch auf dem Gelände des Rockefeller Centers. Sie wurde im Dezember 1932 fertiggestellt und war damals das größte Theater der Welt. Ich hatte mir erlaubt, für die dort stattfindende Aufführung der Weihnachtsshow der Rockettes Karten zu besorgen. Die Tickets für die 16 Uhr Vorstellung musste ich am „Will Call-Schalter“ abholen. Dort wollten wir uns mit Susie treffen, die auch mit ihrem Mann die Show besuchen würde.

Endlich sollte ein großer Traum von mir in Erfüllung gehen. Als wir Kinder waren, fuhren Aunt Irene und Cousin Ethel schon immer in der Weihnachtszeit nach New York, um dort einzukaufen und eine Show zu besuchen. Immer wenn sie über die Show erzählten, wechselten sie die Sprache von Englisch auf Ungarisch, was wir Kinder nicht verstehen konnten. So wusste ich nie, wie die Show war. Jetzt, nach über 40 Jahren, war ich dran, die Show anzusehen. Ich werde allerdings nicht so gemein sein und euch in Ungarisch berichten, wie sie war.

Um 15:00 Uhr oder besser gesagt um 3 p.m. fanden wir uns vor dem Will Call Schalter ein. Ich hatte die Karten über Internet bestellt und mit Kreditkarte bezahlt. Mit meinem Ausdruck hoffte ich, die Karten auch abholen zu können. Ganz schnell hatte ich sie in Händen. Als ich aus dem Gebäude herauskam, sah ich auch schon Cliff, der seine Karte abholte. Groß war die Wiedersehensfreude. Immerhin hatte ich Susie 2004 zum letzten Mal gesehen. Ich stellte sie sofort Margret und Peter vor. Danach konnten wir auch schon in den Theatersaal, der 5.933 Personen fasst. Seit 85 Jahren sind die Vorstellungen ausverkauft – fünf Mal am Tag, sieben Mal die Woche während der Weihnachtszeit.

Die Showtanzgruppe „The Rockettes“, die 1925 gegründet wurde, besteht aus 36 TänzerInnen und gilt als eine der besten Showtanzgruppen der Welt. Sie haben ihren eigenen Tanzstil, ein Gemisch aus Moderne und Klassik, entwickelt. Für die 210 Aufführungen während der Weihnachtszeit wird sechs Stunden pro Tag sechs Mal die Woche trainiert. Bis 1987 war es nicht möglich für Schwarze, der Truppe beizutreten. Heuer jedoch spielte eine Afro-Amerikanerin sogar die Hauptrolle.

Christmas Spectacular „The Rockettes“ in RCM

Christmas Spectacular „The Rockettes“ in RCM

Schon am Eingang bekamen wir eine 3-D-Brille. Die würden wir während der Vorstellung öfter brauchen. Das Orchester spielte live. Die flotten Melodien waren mitreisend und die Tanzeinlagen perfekt einstudiert. Alles mutete etwas kitschig an – eben typisch das, was man sich unter einer amerikanischen Show vorstellt. Santa Claus zog mit seinem Schlitten, gezogen von den als Renntieren verkleideten Showgirls ein. Die leuchtenden Geweihe wiesen ihnen den Weg. Die ganze Geschichte drehte sich um ein kleines Mädchen, das sich ein Computerspiel wünschte, das schon lange ausverkauft war. Santa wollte sie ihrer Mutter wieder etwas näher bringen und nahm sie in seinem Schlitten auf eine gigantische 3-D-Schlittenfahrt mit. Die Päckchen, die Santa auf seinem Weg verteilte, flogen einem direkt zu, sodass man meinte, sie auffangen zu können.

Die bekannteste Nummer ist die „Parade der Holzsoldaten“. Immer wieder bildeten die Soldaten verschiedene Figuren, bis sie zum Schluss in einer Reihe stehend, umfielen.

Holzsoldaten in der Weihnachtsshow

Holzsoldaten in der Weihnachtsshow

Im vorgefahrenen New Yorker Sightseeing Bus zogen sich die Tänzerinnen um und auf dem nachgebauten Teich vom Central Park führte ein Eistanzpaar ihre Kunststücke auf. Die im weihnachtlichen rot und grün gekleideten Tänzerinnen schwangen ihre Beine bis auf Augenhöhe hoch, sowie es kein anderes Ensemble kann. Der lebende Weihnachtsbaum bestehend aus glitzernden Showgirls hatte es den Männern besonders angetan.

Weihnachtsbaum

Weihnachtsbaum

Den Abschluss bildete dann die Erzählung der Weihnachtsgeschichte. Auf jeden Fall fühlte ich mich in meine Kindheit versetzt und um etliche Jahre jünger. Es war wirklich ein sehenswertes Spektakel, eine gelungene Mischung aus Musik und Tanz traumhaft unterstützt durch 3-D-Technik. Wer in der Weihnachtszeit in New York ist, sollte auf keinen Fall die Vorstellung versäumen und auf jeden Fall früh genug Karten bestellen.

Weihnachtsgeschichte

Weihnachtsgeschichte

Eigentlich schade, dass schon aus war. Ich hätte noch lange so sitzen und träumen können. Ich glaube, dass es den anderen auch so erging. Da es unser Abschlussabend in den Staaten war, wollten wir noch einmal richtig gut essen gehen. Susie und Cliff würden uns begleiten. Rund um das Rockefeller Center waren Massen von Menschen. Die einen kamen aus der Show, die anderen wollten zur nächsten. In dieser Gegend würden wir in keinem Restaurant einen Tisch für Fünf bekommen. So spazierten wir weiter Richtung Times Square. Hier war sogar eine Tribüne aufgebaut, auf der man Platz nehmen konnte, um die verschiedenen Leuchtreklamen genauer zu betrachten. Wir fragten in einigen Restaurants um einen Tisch. Immer wieder erhielten wir dieselbe Antwort: etwa eine Stunde Wartezeit.

Menschenmassen am Times Square

Menschenmassen am Times Square

So entschlossen wir uns, bis zu unserem Hotel zu gehen und dort in unserem „Stammpub“ etwas zu essen. Im Stout’s war alles voll. Die nette Dame am Empfang empfahl uns, beim Nachbarn reinzuschauen. Auch im Feile würde es schwer sein, einen Platz zu finden, da dieses Lokal allen Sportliebhabern Großbildfernseher anbot, um die Spiele aller möglichen Sportarten live anzusehen. In der Galerie war noch ein Tisch frei. Zwar zog es dort, wenn die Klimaanlage in Betrieb war, aber keiner von uns wollte weiter auf die Suche gehen. Dafür hatten wir gleich die Getränke am Tisch und kurz später folgte das Essen, das genauso gut war, als beim Nachbarn. Zum Abschluss wollte ich nochmals ein gutes Steak essen. Die Portionen waren typisch Amerikanisch: riesengroß! Mit Susie und Cliff hatten wir viel Spaß und so wurde der schöne Tag von einem lustigen Abend gekrönt.

Als wir das Lokal verließen, hatte es zu regnen begonnen. Wir hatten Glück, denn unser Hotel lag gegenüber. Die Zeit des Abschiednehmens war gekommen. Susie und Cliff begleiteten uns noch ins Hotel. Dort gab es feste Umarmungen. Wann wir uns wieder sehen würden, war die große Frage. Beide sind mir sehr ans Herz gewachsen und es ist schade, dass wir so weit von einander entfernt wohnen. Cliff nahm seine Susie untern Arm und schon waren sie weg Richtung Subway. Sie hatten etwa eine halbe Stunde Fahrt in ihr Hotel.

We thank Susie and Cliff for a wonderful afternoon and evening which we could spend together. Your company was great and we really enjoyed. What fun we had! Thank you for an excellent meal. Hope it won’t take too long until we meet again!

Abschied von Susie und Cliff

Abschied von Susie und Cliff

Es war zwar schon spät, aber bei Weitem noch zu früh, um schlafen zu gehen. Wir begaben uns nochmals in unsere Stammkneipe. Am nächsten Morgen mussten wir nicht so früh aufstehen. So genossen wir die große Auswahl an Getränken, die die Bar uns bot. Lustig war es noch, die Spiele anzusehen, die im Fernsehen liefen. Manche Fans applaudierten laut, wenn ihre Mannschaft einen Korb oder ein Tor schoss, die anderen ließen den Kopf hängen, wenn ihr Team in Rückstand geriet. Irgendwann begaben wir uns in unsere Bettenburg, betteten unsere Häupter zur Ruhe und träumten bereits von einer Wiederkehr in das Land der Steaks, Burgers, Whiskys und der Biere.

Posted by FEgoesUSAwest 02:50 Archived in USA

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