A Travellerspoint blog

Tag 15

Thanksgiving

overcast 7 °C

Happy Thanksgiving Day. Das ist der wohl traditionellste Feiertag der USA. Heute gibt es in der Stadt, die niemals schläft, die große Thanksgivings Day Parade. Sie beginnt immer auf der Westseite des Central Parks und führt entlang der 6th Avenue zum Herald Square, wo das große Kaufhaus Macy’s liegt.

Unser Hotel lag genau an der 34th Street, wo die Ehrentribühne vor dem Haupteingang zum Kaufhaus aufgebaut worden war. Der Umzug startet jedes Jahr am Central Park um 9:00 Uhr. Der Marsch durch die Stadt dauert circa eine bis drei Stunden. Da unser Zug nach Middletown erst um 10:20 Uhr vom Bahnhof gegenüber dem Hotel abfahren würde, konnten wir noch in Ruhe einen Teil der Parade ansehen. Wir hatten Glück, einen Platz in der ersten Reihe vor den Absperrungen zu ergattern. So hatten wir eine relativ gute Sicht auf das turbulente Geschehen. Natürlich gab es auch ein großes Aufgebot an Polizei (NYPD live) und anderen Sicherheitskräften. Uns gegenüber sah man, auf einem Kran sitzend, einen Kameramann. Die Parade wird seit 1947 vom NBC live übertragen.

Macy’s Thanksgiving Day Parade

Macy’s Thanksgiving Day Parade

Vorne weg marschierten einige Musikkapellen in bunten Gewändern. Natürlich durften auch die legendären Cheerleaders nicht fehlen. Bei den ersten Paraden wurden Tiere vom New Yorker Zoo ausgeliehen, um beim Umzug mitzugehen. Mittlerweile wurden die Tiere durch riesige, mit Helium gefüllte Ballone ersetzt, die jedes Jahr von Goodyear hergestellt werden. Macy’s Sterne, Kermit der Frosch und große Kürbisse zogen an uns vorbei. Natürlich durfte auch ein überdimensionaler Truthahn nicht fehlen. Den Schluss- und gleichzeitig Höhepunkt bildet die Ankunft eines großen Schlittens gezogen von Renntieren. Santa Claus zieht in die Stadt ein.

Macy’s Thanksgiving Day Parade

Macy’s Thanksgiving Day Parade

Seinen Einzug konnten wir jedoch nicht abwarten, denn eine beängstigend große Menschenmenge stand hinter uns und versperrte uns sozusagen den Zugang zum Bahnhof. So zwängten wir uns durch die Massen, um in noch gedrängteres Gebiet zu gelangen. Allein der Stadtteil Manhattan, in dem wir uns befanden, hat circa zwei Millionen Einwohner. Laut Fernsehbericht am Abend sind circa zusätzliche drei Millionen Besucher in diesen Teil der Stadt gekommen, um die Parade anzusehen. Da es auch Thanksgiving Day war, war auch sonst noch alles, was steigen kann, unterwegs zu Freunden, Bekannten und Verwandten, um mit ihnen „Erntedank“ zu feiern.

Wir hatten unsere Fahrkarten schon am Vorabend gekauft. Heute waren die Schlangen vor den Schaltern so lange, dass wir unseren Zug wahrscheinlich versäumt hätten. Leider konnten wir den Bahnsteig nicht finden, von dem aus der Zug von New Jersey Transit abfahren sollte. Die Bahnstrecke nach Middletown war erst am Montag dieser Woche wieder provisorisch eröffnet worden – eine Folgeerscheinung des Hurricanes Sandy. Leider fiel der Zug, mit dem wir fahren sollten aus. Wir mussten den nächsten nehmen. Ich rief Lawrence mit meinem Handy an, um ihn mitzuteilen, dass wir erst Mittag ankommen würden. Es würde uns ja am Bahnhof abholen.

Es war ein komisches Gefühl, am Bahnhof zu sein und keine Geleise zu sehen. Wir befanden uns mit Hunderten anderen Reisenden in einem Warteraum, von dem aus viele verschlossene Türen führten. Neben mir stand eine junge Frau mit einem Kinderwagen. Sie sah auch nervös auf die Anzeigetafel und sprach laut vor sich hin. Da hörte ich, dass sie zur Großmutter nach Middletown fahren wollte. Da fragte ich sie sofort, ob sie wusste, von welchem Gleis der Zug abfahren würde. Ihre Antwort war: „Normalerweise von Gleis 11, aber seit Sandy ist nichts mehr sicher.“ So warteten wir gemeinsam. Auf einmal schien auf der Anzeigetafel Zug Richtung Sandy Hook fährt Gleis 11 los auf. Da bewegten sich anscheinend alle auf die einzige offene Tür zu. Hinter der Tür befanden sich die Stiegen zu den tieferliegenden Geleisen. Ich half der Frau, den Kinderwagen über die Stiege nach unten tragen.

Wir stiegen in den Zug ein und fanden noch Sitzplätze. Die Sitze waren so eng bei einander, dass sich unsere Knie berührten. Peter gegenüber nahm eine fesche dunkelhäutige Dame Platz. Leider kam kurz darauf ihr Mann, um ihr zu sagen, dass er zwei Sitzplätze gefunden hatte. Dann nahm eine Blondine Platz. Ihr Freund legte seine schwere Tortenschachtel auf unsere Orchideen, die wir für Marie besorgt hatten. Nachdem ich ihn gebeten hatte, sie woanders hin zu legen, tat er es sogleich. Ungefähr vierzehn Stationen mussten wir fahren. Immer wieder stiegen Leute ein und aus und eigentlich wurde der Zug nie leerer.

New Jersey Transit von Penn Station nach Middletown

New Jersey Transit von Penn Station nach Middletown

Fast alle Passagiere hatten entweder Blumen oder Kuchenschachteln bei sich. Thanksgiving war ein richtiges Familienfest. Vom Zug aus konnten wir sehen, dass in den Siedlungen viele Autos vor den Häusern standen. Die Verwandtschaft war zu Besuch. Bald hatten wir Newark Penn Station erreicht. Somit wusste ich, dass ich meinen Geburtsbundesstaat erreicht hatte. Nächste Haltestelle war Newark Liberty International Airport. Gut zu wissen, dass die Verbindung von New York City aus hierher so gut ist. Viele Flüge von Europa aus, werden nämlich nach Newark angeboten. Also wäre von hier aus Manhattan auch in 30 Minuten zu erreichen. Danach kam schon Elizabeth. Hier hatte früher die Taufpatin meines Bruders gewohnt. Einige Male waren wir bei ihr zu Besuch gewesen.

New Brunswick, New Jersey

New Brunswick, New Jersey



Dann fuhr der Zug sehr langsam. Die Bahnstrecke führte für längere Zeit über Sumpfgebiet und schließlich über Wasser. Hier war die Strecke bis vor kurzem noch unterbrochen gewesen. Lawrence hatte erzählt, dass viele Fische mit dem Hochwasser hier angespült worden waren und die Flut dann für die Fische zu spät gekommen war, um mit dieser wieder in tiefere Gewässer zu gelangen. Tausende Fische waren mit Sandy hier verendet. Nur gut, dass nicht Hochsommer war, sonst würde es noch bestialisch stinken.

Nach etwa einer Stunde Fahrt erreichten wir Middletown. Der große Amerikaner mit den weißen Haaren wartete schon auf uns. Lawrence begrüßte uns alle recht herzlich. Ein fröhliches „Happy Thanksgiving Day“ durfte natürlich auch nicht fehlen. Für eine kleine Stadtrundfahrt durch die 66.500 Einwohner zählende Kleinstadt war noch Zeit. Claire hatte mir mal erzählt, dass sie alle beneiden würden, weil sie in dieser Stadt lebte, nicht etwa weil sie drei Mal zur lebenswertesten Kleinstadt gewählt wurde, sondern weil sie Geburtsort von Jon Bon Jovi ist.

Als wir den „Driveway“ runterfuhren, sahen wir, dass gerade ein Auto einparkte. Claire war auch schon mit ihrem Gatten angekommen. Auch sie hatte eine Torte und einen Spinatauflauf – eben ihren Beitrag zum Festtagsmahl – im Handgepäck. Marie kam uns schon mit der Schürze entgegen. Die Wiedersehensfreude war groß. Auch Aunt Gloria war schon da. Man sah ihr ihre neunzig Jahre nicht an. Gleich wurde uns das Haus gezeigt. Die Raumaufteilung und der Einrichtungsstil sind schon sehr verschieden zu dem, was wir in Europa kennen. In der großen Wohnküche zurückgekehrt, wurde uns gleich etwas zu trinken angeboten. Die Tür ging auf und Maura mit ihrem Gatten war angekommen. Auch sie brachte Päckchen mit. Jetzt war meine „amerikanische Familie“ komplett.

Aperitif in der Küche

Aperitif in der Küche

I would like to say thank you again to Marie and her Family for inviting all of us to their Thanksgiving Day Party. It was so nice to be part of the lovely family. Hopefully we will spend a lot of nice hours together in future.

Zum Aperitif wurde rohes Gemüse mit einem Dip gereicht. Verschiedene Käsesorten und selbstgebackenes Kürbisbrot wurden auch kredenzt. Der Duft des Truthahns stieg uns schon alle in die Nase. Das Püree aus Süßkartoffeln leuchtete orange. Marie hatte frische Carnberries gekauft und sie zu einem Preißelbeerkompott verarbeitet. Claire schob noch ihren Spinatauflauf in den Ofen und schon bald konnte zu Tisch gebeten werden.

Turkey on Thanksgiving Day

Turkey on Thanksgiving Day

Nachdem Lawrence den Truthahn zerlegt hatte, nahmen wir alle, an den für uns vorgesehenen Sesseln, Platz. Auf der einen Seite waren die Linkshänder aufgereiht, auf der anderen Seite die Rechtshänder. So behinderte niemand niemanden beim Essen. Wein und „Applecider“ waren eingeschenkt. Lawrence lass die Erntedankgeschichte vor. Marie hatte ihn aufgetragen, sich kurz zu halten. Danach wurde ein Gebet gesprochen. Auf den Tellern vor uns lag eine Schokolade. Die Rückseite war mit einem Buchstaben versehen. Ich hatte ein „M“. Dies bedeutete, dass ich eine Erinnerung (auf Englisch Memory) an ein Thanksgiving Day Erlebnis preisgeben sollte. Ich konnte mich gut an die Feste meiner Kindheit erinnern. Wenn wir bei Aunt Irene Thanksgiving gefeiert hatten, durften wir nicht beim Abwasch helfen. Zu diesem Fest wurde immer das gute Porzellan verwendet. Da hatte sie wohl Angst, dass jemand etwas kaputtmachen könnte.

So kam jeder während des Essens an die Reihe je nach Buchstaben etwas zu erzählen. Margret und Peter hatten ein „P“ auf ihrer Schoko. P war für Prayer. Margret sagte mit ein paar englischen Wörtern „Danke“, was großen Eindruck hinterließ. Überhaupt war es toll, wie die Verständigung funktionierte. Wahrscheinlich war der Heilige Geist auf uns hernieder gekommen. Das Essen war auf jeden Fall haubenmäßig, der Tisch liebevoll dekoriert und die Gesellschaft sehr nett. Wir aßen alle bis wir fast platzten.

Thanksgiving Day in Redbank

Thanksgiving Day in Redbank

Es war direkt eine Wohltat, aufzustehen und beim Abräumen zu helfen. Auch in der Küche halfen alle bei der Spurenbeseitigung. Marie zeigte uns danach noch im Wohnzimmer die Hochzeitsalben ihrer Töchter. Auch diese waren anders, als wir sie kennen. Danach wurde noch zum Nachtisch geladen. Pumpkin Pie (Kürbistorte) war neben vielen anderen Kuchen die Spezialität des Tages. Marie hatte sowohl den Teig als auch die Füllung selbst gemacht. Bald danach musste sich Claire und Maura schon verabschieden, denn sie mussten am nächsten Tag arbeiten. Claire würde noch Aunt Gloria nach Hause bringen.

Meine amerikanische Familie

Meine amerikanische Familie

Lawrence warf noch einen Blick ins Internet, wann der nächste Zug nach New York City fahren würde. Draußen war es schon finster geworden. Ich hatte mich hier richtig zu Hause gefühlt. Nicht weit weg von hier in New Brunswick wurde ich geboren. Wenn die Bahnstrecke vollständig in Betrieb gewesen und die Züge nach Fahrplan verkehrt wären, dann wäre ich auch dorthin gefahren und hätte das Grab meines Vaters besucht. Doch so war ich froh, dass uns dieser Besuch möglich war.

Zu schnell war die Zeit vergangen. Lawrence und Marie brachten uns zum Bahnhof. Wieder war es so, dass der vorgesehene Zug ausfiel und wir auf den nächsten warten mussten. Am Bahnsteig war es ganz schön kalt und wir waren froh, als der Zug endlich kam. Die Waggons waren jetzt nicht mehr so voll. Viele Besucher würden über Nacht bei ihren Verwandten bleiben. Als wir wieder in der City ankamen, gingen wir sofort ins Hotel. Da es noch nicht so spät war, zogen wir nur unsere dicken Winterjacken an und gingen sofort wieder los. Jede Minute unseres kurzen Aufenthaltes in der Stadt, die niemals schläft, war kostbar. Deshalb auch ein gut gemeinter Rat: Nehmt lieber ein billiges Hotel, das eine gute Lage hat, als ein teures, bei dem man weite Wege hat. Viel Zeit verbringt man so wie so nicht im Zimmer!

Da das Empire State Building „just around the corner“ lag, entschlossen wir uns dorthin zu gehen. In der Hoffnung, dass heute die Schlange vor dem Ticketschalter kurz sein würde, betraten wir das Gebäude, das weihnachtlich geschmückt war. Tatsächlich hatten wir Glück. Schnell hatten wir die Sicherheitskontrollen, die denen am Flughafen ähnelten, hinter uns gelassen. Wir kauften um US $ 25 ein Ticket zur Aussichtsplattform im 102-ten Stockwerk. Der Boy winkte uns gleich durch in den Lift zur Etage 86. Dort wird man durch ein Geschäft gelotst. Auch ein Fotograf stand mit seiner Kamera schon bereit, um ein Foto zu schießen. Dann erst konnten wir in den zweiten Lift einsteigen, der uns zur Aussichtsplattform brachte.

Weihnachtsdeko im Empire State Building

Weihnachtsdeko im Empire State Building

Oben erwartete uns ein Lichtermeer und es wurde uns jetzt erst bewusst, wie groß die Stadt wirklich war. Es ist ein beeindruckendes Schauspiel in der Dunkelheit hier hochzufahren. Nur wer Höhenangst hat, muss etwas von der Brüstung wegbleiben. Heute ist die Aussichtsplattform vergittert. Früher kam es immer wieder vor, dass sich Selbstmordkandidaten von dem Geländer in 373 m Höhe in die Tiefe stürzten. Das Wahrzeichen der Stadt diente auch als Kulisse für verschiedene Filme wie King Kong oder Schlaflos in Seattle. An klaren Tagen beträgt die Sicht circa 80 Kilometer.

Blick auf NYC mit Chrysler Tower vom Empire State Building aus

Blick auf NYC mit Chrysler Tower vom Empire State Building aus

Die Lichter spiegelten sich in den beiden Flüssen, die die Insel Manhattan umschließen – dem Hudson River im Westen und dem East River im Osten. Richtung Süden sahen wir auch die beleuchtete Freiheitsstatue. Manche Wolkenkratzer sind so hoch, dass man ihr Aussehen nie vergisst. Die Kuppel des 319 Meter hohen Chyrsler Gebäudes ist aus nichtrostendem Stahl gefertigt. Der Wolkenkratzer am Times Square mit der Uhr am Globus ist auch bekannt aus den Sendungen zu Silvester. Von hier aus rast die Kugel 60 Sekunden vor dem Jahreswechsel mit einem Countdown zu Boden. Da die Stadt am Reisbrett entstanden ist, sind alle Straßenzüge gerade, nur der Broadway führt schräg durch die Stadt.

New York City

New York City

Auch als wir wieder den Lift nach unten nahmen, brauchten wir keine Minute zu warten. Auf Straßenniveau angekommen, merkten wir, dass es schon fast Mitternacht war. Gegenüber lag das Victoria Secret Geschäft. Überall standen schon Schlagen von Menschen, die Schnäppchen am „Black Friday“ einkaufen wollten. Der Parfumduft zog uns ins Geschäft. Da es am heutigen Tag bis zu 70 Prozent Rabatt gab, entschlossen wir uns, auch davon Gebrauch zu machen. Zu sehr günstigen Preisen kauften auch wir im Geschäft der Engel ein.

Denn schönen Abend wollten wir eigentlich im Pub ausklingen lassen. Doch nachdem wir unseren Scheidebecher geleert und ins Hotel gehen wollten, sahen wir, dass alle Geschäfte schon offen hatten. Nochmals mussten wir diese verrückte Gelegenheit nutzen, und noch einige Einkäufe weit nach Mitternacht tätigen. Als wir dann in unserem Hotelzimmer ankamen, fielen wir nur noch müde ins Bett.

Posted by FEgoesUSAwest 02:49 Archived in USA

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