A Travellerspoint blog

Tag 14

Big Apple

sunny 10 °C

Die Nacht war kurz gewesen. Wir hatten am Vorabend schon alles gepackt und mussten eigentlich nur noch unser Zahnputzzeug im Koffer verstauen und diesen mit einem Gurt sichern. Leise schlichen wir durch die Gänge. Doch der Bodenbelag war so hart, dass man die Rollen unserer Koffer sicher im ganzen Haus hören musste. Es war kurz nach halb vier. Der Shuttlebus des Hacienda Hotels stand schon vor der Tür. Im Viertelstundentakt fährt er 24 Stunden lang seine Runden zum Airport und retour. Deshalb steigen hier auch viele Flugbegleiter und Piloten der verschiedensten Fluggesellschaften ab.

Es dauerte nicht mal zehn Minuten und wir standen schon vor dem Schalter der United Airlines und versuchten einzuchecken. Leider funktionierte unser Selbsteincheck am Monitor nicht, so dass wir wieder jemand vom Bodenpersonal um Hilfe bitten mussten. Aber so soll wohl die Zukunft aussehen. Da wir von der Ostküste über Land an die Westküste fliegen würden, betrug die voraussichtliche Flugzeit etwas mehr als fünfeinhalb Stunden. Von New York aus dauert der Flug nach Frankfurt auch nur knapp acht Stunden.

Pünktlich um 14:28 Uhr landeten wir am Flughafen John F. Kennedy in New York City. Der Zeitunterschied zur Heimat betrug somit nur mehr sechs Stunden. Heimat? Eigentlich war ich gerade in meiner Heimat gelandet, denn eine Stunde Bahnfahrt südlich von NYC bin ich aufgewachsen. Deshalb war ich auch zuvor schon etliche Male im Big Apple gewesen – nur eben nie alleine. Ich war leicht nervös. Im Internet hatte ich schon Erkundigungen eingeholt, wie man in die City gelangt. Lawrence hatte uns mal von JFK abgeholt. Ich wusste, dass ein zwölfspuriger Highway vom Flughafen aus durch die Stadt führt.

Vom Terminal gab es den AirTrain bis zur Jamica Station. Von dort aus gibt es zwei Möglichkeiten: Long Island Railroad oder Subway. Der Zug würde ohne in vielen Stationen anzuhalten direkt nach Penn Station gehen. Das Hotel, das ich ausgesucht hatte, lag genau gegenüber. Laut Internet bezahlt man für die Fahrt mit dem AirTrain bis Jamica Station US$ 5,00. Zuerst müsse man sich jedoch eine Metro Card kaufen. Mit dieser ist man erst berechtigt eine Fahrkarte zu kaufen. Gut, dass vor den Automaten hilfsbereites Bahnpersonal stand. Bevor ich die Prozedur noch zwei Mal wiederholte, bat ich die Dame gleich drei Fahrkarten über meine Kreditkarte (Übrigens in den USA kommt man ohne Plastikgeld nicht sehr weit) auszudrucken. Dann begaben wir uns an den Bahnsteig der Long Island Railroad. Die Gleisnummer konnte uns keiner sagen, denn wegen dem Hurican Sandy gab es noch immer Umleitungen und Verspätungen im Fahrplan.

Der Zug mit der Aufschrift Penn Station kam bald. Die Ansagen über Lautsprecher waren in einem für mich gewohnten Amerikanisch. Eigentlich war ich sehr froh, wieder Mal zu Hause zu sein. Heute war auch der 45-igste Todestag meines Vaters und ich war ganz in der Nähe seines Grabes. Auch das tat gut. Nach knapp dreißig Minuten erhaschte ich schon den ersten Blick auf das Empire State Building und kurz danach hielt der Zug an der Endstation Penn Station. Der Bahnhof ist auch gleichzeitig U-Bahnhof und natürlich, wie alles in USA, riesengroß. Quizfrage war, welcher Ausgang ist der richtige? Unser Hotel läge genau gegenüber dem Bahnhof – aber wo? Also mussten wir einfach einen Versuch starten. Erste Rolltreppe hoch, kein Hotel, aber das große Kaufhaus Macy’s. Auch das liegt laut Beschreibung genau visavis unseres Hotels. Also gingen wir ums Eck und tatsächlich standen wir dann vor dem 22 Stockwerke hohen Hotel.

Empfangshalle Hotel Pennslyvania, New York City

Empfangshalle Hotel Pennslyvania, New York City

Durch die Drehtüre gelangten wir ins Innere. Alles war schon Weihnachtlich geschmückt. Die Hotelhalle war sehr einladend mit verschiedenfärbigem Marmor ausgelegt. Die Bediensteten an der Rezeption waren sehr nett. Bald schon hatte ich den Schlüssel zu unserer 40 m²Suite. Mit einem der zwölf Lifte fuhren wir in den 14. Stock. Dort joggten wir endlos lange verschiedene Gänge entlang von eingedellten Kerkertüren begleitet, bis wir endlich an unserem Zimmer (eines von 1.700) angelangt waren. Tatsächlich passte der Schlüssel und wir betraten ein Zimmer mit vier Betten, zwei Fernsehern und viel Platz für Peter für seine morgendlichen Turnübungen. Ein kleines Badezimmer war auch vorhanden.

Hotelzimmer Hotel New York

Hotelzimmer Hotel New York

Eigentlich waren wir müde. Wir waren schon so früh aufgestanden, aber durch die Zeitverschiebung war es gerade mal fünf Uhr. Ein Apero würde unsere müden Geister wieder zum Leben erwecken und dann nichts wie raus und die Stadt, die niemals schläft, entdecken. Unsere Winterjacken würden hier einen guten Dienst erweisen, denn den Temperaturunterschied zur Westküste verspürten wir schon, als wir die Straße vom Bahnhof zum Hotel überquert hatten. Eigentlich knurrte auch unser Magen. Im Flugzeug hatte es nicht wirklich etwas zu essen gegeben. Also Fotoapparat, Geld und Handy in den Innentaschen unserer Jacken verstauen und dann ab die Post.

Hotel New York mit dem ersten Blick auf das Empire State Building

Hotel New York mit dem ersten Blick auf das Empire State Building

Wir nahmen den Haupteingang und gingen vorerst nochmals zum Bahnhof, um uns zu erkundigen, wann ein Zug nach Redbank führe, wo wir am nächsten Tag zum Truthahnessen eingeladen waren. Der Schalterbeamte sagte mir, dass um elf Uhr ein Zug gehen würde. Ich kaufte auch gleich die Fahrkarten und rief Lawrence an, dass er uns um die Mittagszeit am Bahnhof abholen könne. Wir freuten uns schon sehr darauf.

Als wir das Bahnhofsgebäude verließen, sahen wir sogleich die Spitze des einstmals höchsten Gebäudes der Welt vor uns. So konnten wir uns immer orientieren und wussten, dass das Hotel dann gleich ums Eck sein müsste. Gegenüber unserem Hotel gab es einige Pubs. Wir schauten uns dort die Speisekarten an. Nach dem doch langen Flug tat das Gehen gut. Außerdem trieb uns die Neugier weiter. Die Straßen rund um das Kaufhaus Macy’s waren schon alle gesperrt. Am folgenden Tag würde die Thanksgiving’s Day Parade stattfinden. So konnten wir fast ungehindert auf der Mitten Straße gehen.

Macy's

Macy's

Die Auslagen bei Macy’s sind besonders schön dekoriert. In jeder Auslage spielte sich eine kleine Weihnachtsgeschichte ab. Viele der Figuren bewegten sich und fasziniert stand Jung und Alt vor den großen Scheiben – eine kleine Wunderwelt.

Macy’s Auslagendeko mit den alten Holzrolltreppen

Macy’s Auslagendeko mit den alten Holzrolltreppen

Aber auch die Weihnachtsdekoration im Geschäft ließ uns stauen. Eine so große Auswahl an Krawatten hatten wir noch nie gesehen. Fein sortiert nach Farben lagen die Hemden da. Sehenswert sind natürlich auch die knatternden alten Holzrolltreppen, die einen heute noch von einem zum andern Stockwerk befördern. Aber der heutige Tag war gar nicht zum Shoppen vorgesehen, sondern nur um etwas von der vorweihnachtlichen Stimmung in der Stadt einzufangen. Nach dem Thanksgiving Day würden die restlichen Kürbisse und Truthennen verschwinden und es dann vollends Weihnachten werden.

Einer der vielen Ausgänge brachte uns nach draußen. Wir hatten den Beginn des Broadways erreicht. Die Geschäftsstraße ist die älteste und mit mehr als 25 Kilometer längste Nord-Süd-Durchquerung der Insel Manhattan. Hier befinden sich auch alle bekannten Theater. Wir wurden jedoch gefangengenommen von verschiedenen Düften, die in unsere Nase stiegen. Wir standen vor dem Victoria Secret Geschäft. Peter war von der Ausstellungsart der Reizwäsche sehr angetan. Engel in Dessous. Rosa Tannengirlanden zogen durch das Geschäft. Natürlich wollten auch wir etwas von den tollen Düften mit nach Hause nehmen.

Victoria Secret, New York City

Victoria Secret, New York City

Aber eigentlich erschlugen uns die Düfte, den unsere Mägen waren leer. Es musste Abhilfe geschaffen werden. Bis zurück zum Hotel war es ein Stück Weg und wir entschieden uns einfach in einem der Pubs gegenüber dem Hotel Platz zu nehmen, damit wir nach dem Essen nicht mehr so weit nach Hause hätten. Das Tagesgericht im Feile klang gut. Ich entschied mich für eine Pizza und ein Glas Wein. Das Essen war ausgezeichnet, der Preis für eine Millionenstadt angemessen. Danach gab es noch einen Scheidebecher und dann fielen wir fix und fertig in unsere Betten.

Posted by FEgoesUSAwest 02:48 Archived in USA

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