A Travellerspoint blog

Tag 13

Stadtrundfahrt im Cadilac

sunny 21 °C

In Margret’s Aufzeichnungen, die auch immer spärlicher wurden, fand ich nur noch „Tagwache 7:30 Uhr“ – „Treffpunkt 9:00 Uhr“. Wir waren schon ein gut eingespieltes Team, das wenig Zeit im Bad braucht. Frühstücken würden wir im Hotel, denn wir hatten keine Ahnung, wie lange unsere Tour durch LA dauern würde. Den netten Herrn an der Rezeption bat ich, für mich bei der Touragency anzurufen. Dort meldete sich dann ein etwas schwul klingender Mann. Er hätte im Hotel bereits gestern Abend Nachricht hinterlassen, dass wir um 9:00 Uhr vor dem Hotel abgeholt werden würden. Ein rotes Cadillac Cabrio, Baujahr 1966, würde vorfahren und uns abholen. Das Wetter sollte so schön sein, dass wir mit offenem Verdeck fahren könnten.

Die Anspannung stieg. Wir nahmen das Frühstück im Eiltempo zu uns. Danach holte ich im Zimmer noch Sonnenbrillen, dünne Jacken und Kopftücher, sowie Peter ein Cappy. Margret besorgte noch einige Wasserflaschen für uns, denn viele Pausenstopps würden wir unterwegs nicht machen. Und dann war es endlich soweit! Ein roter Cadillac mit offenem Verdeck, gelenkt von einem älteren Herrn fuhr vor. Zuerst mussten wir schnell ein Foto machen. Luc öffnete die Türen und wir stiegen in den geräumigen Innenraum ein. Auf roten Ledersitzen nahmen wir Platz.

Mit dem Cadillac durch Los Angeles

Mit dem Cadillac durch Los Angeles

Luc’s vorläufiger Plan für den Tag sah so aus, dass wir nur auf den kleineren Straßen durch die Stadt der Engel fahren würden. Auf dem Programm standen Downtown LA, das Hollywood Zeichen, das Chinesische Viertel, das Kodak Theater, wo die Oscars verliehen werden, Sunset Strip, die Villen der Berühmten in Beverly Hills und der Rodeo Drive. Unsere Tour begann vom Hotel aus, das am Sepulveda Boulevard lag. Diese Straße sei circa 69 km lang und durchquere die Stadt in Nord-Süd-Richtung, wobei sie mit einer Unterführung unter die beiden Landebahnen des Flughafens führe, erklärte unser Fahrer. Aber schon bald verließen wir die zehnspurige Straße und gelangten ans Meer.

Die großen Villen mit Meerblick wurden hier vom Flughafenbetreiber aufgekauft und abgerissen. Die Beschwerden wegen des Fluglärms waren zu groß gewesen. Der weiße Sandstrand war leer. Obwohl es angenehm warm war und wir in Tüchern gehüllt im offenen Cabrio unterwegs waren, war es für die Bewohner der Stadt Winter. Nur vereinzelt sah man Spaziergänger am Strand. Wir befanden uns in Marina del Rey, einem Ort am Pazifik. Das gesamte Gebiet gehört dem Staat. Hier wurden Wohnungen mit günstigem Mietzins gebaut. LA ist ja die Stadt der Reichen und der Künstler und so ist es für den einfachen Bürger schwer, sich das Leben hier leisten zu können. Im künstlich angelegten Hafen wurden Anlegeplätze für 5.300 Boote geschaffen. Hier befindet sich auch die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers, welche für die Vergabe von Internet-Domains zuständig ist.

Von hier aus gelangten wir in den Stadtteil Venice, der bekannt ist für seine Venedig nachempfundenen Kanäle. Mit dem Cadillac konnten wir natürlich über viele der noch erhaltenen oder wieder instand gesetzten kleinen Brücken über die Kanäle fahren. Zur Zeit ist es wieder „in“ in den kleinen Häusern entlang der Kanäle zu wohnen. Viele Künstler haben sich auch hier in den Straßen mit venezianischen Namen (wie Rialto) angesiedelt. In den Straßen hinter den Grachten gibt es auch bescheidenere Häuschen. Hier wohnt auch unser Fahrer Luc. Der gebürtige Italiener wuchs in Frankreich auf, bevor seine Eltern mit ihm nach USA auswanderten. Er studierte in Paris, kehrte dann aber wieder in die USA zurück. Er lebt in diesem Teil der Stadt mit seiner Frau und seinen zwei, fast erwachsenen Kindern.

Kanäle durch Venice

Kanäle durch Venice

In den Straßen sind viele Butiken, kleine Cafes und Restaurants. Auf den Terrassen kann man schon per Zufall einen Blick auf manchen Promi erhaschen. Bekannt ist auch der Bauernmarkt, der 1987 gegründet wurde und jeden Freitag Vormittag stattfindet. Der 4,5 km lange Venice Beach ist ein Badeparadies. Die Stadt Los Angeles betreut 50 km Strand und 110 km Küste zwischen San Pedro im Süden und Malibu im Norden der Stadt. 120 ganzjahres Baywatch Boys und 600 saisonale Rettungsschwimmer sind für die Sicherheit am Strand verantwortlich.

Über den Rodeo Drive gelangten wir in den Stadtteil Beverly Hills. Der weihnachtlich geschmückte Rodeo Drive ist eine durch einen Grünstreifen geteilte und zum Teil von Palmen gesäumte vierspurige Einkaufsstraße, auf der fast alle internationalen Luxus-Marken mit hochpreisiger Ware ihre Geschäfte haben.

Rodeo Drive, Los Angeles

Rodeo Drive, Los Angeles

Beverly Hills liegt auf hügeligem Gelände und beherbergt vor allem elegante Villen mit prachtvollen Gärten. Die Straßen sind von Palmen und exotischen Bäumen gesäumt, wie dem Jacaranda-Baum. Vor allem mit Beginn der Nationalsozialistischen Zeit emigrierten viele Künstler von Europa hierher. Auch heute noch haben alle Schauspieler mit Rang und Namen hier ihre eleganten Häuser. Hohe Zäune und Hecken gehören dazu.

Straße mit Blick auf Hollywood Schild in Beverly Hills

Straße mit Blick auf Hollywood Schild in Beverly Hills

Hier befindet sich aber auch die Paramount Pictures Corporation. Auf diesem Filmgelände sind seit 1912 so berühmte Filme wie Der Pate, Star Trek, Spiel mir das Lied vom Tod oder Titanic entstanden. Leider hatten wir nicht so viel Zeit, dass wir einen Rundgang durch die Studios machen konnten. Ich hatte das 1998 einmal gemacht und wir hatten sehr viel Spaß dabei. Beverly Hills ist aber auch der Stadtteil in dem man viele Fitness Studios und Kliniken für Schönheitsoperationen sieht.

Paramount Pictures, Los Angeles

Paramount Pictures, Los Angeles

Schön langsam erreichten wir dann Hollywood. Wir fuhren den berühmten Sunset Boulevard hinauf. Luc sagte uns, von wo aus wir den schönsten Blick auf das „Hollywood Sign“ haben würden und wo wir den Walk of Fame fänden. Er fragte mich nach meiner Handynummer. Er speicherte sie und rief mich an. Er könnte hier nirgends parken und würde uns deshalb an der Ecke rauslassen. Wir könnten uns eine Stunde Zeit lassen und ihn dann anrufen, damit er uns abholen könne.

Schnell sprangen wir aus unserem Cadillac. Wir überquerten die Straße und standen vor dem Grauman’s Chinese Theater. Seit 1927 haben sich hier mehr als 200 Stars mit ihren Hand- und Schuhabdrücken sowie ihren Autogrammen in Bodenplatten aus Beton verewigt. Ich wollte natürlich die Abdrücke meiner Namenskollegin Marilyn Monroe suchen. Ich fand sie dann auch gleich neben der Unterschrift von Sophia Loren.

Abdrücke von Marilyn Monroe am Walk of Fame

Abdrücke von Marilyn Monroe am Walk of Fame

Der Walk of Fame ist eigentlich nichts anderes als der Gehsteig zu beiden Seiten des Hollywood Boulevard, der sich über 18 Häuserblöcke erstreckt. Die Sterne bestehen aus altrosafarbenem Terrazzo und sind mit Messing umrahmt. Auf dem Stern stehen der Name des Künstlers und die Gruppe (Film, Fernsehen, Musik, Radio, Theater), in der er geehrt wurde. Zur Zeit gibt es etwa 2.500 Sterne. Es gibt strenge Aufnahmekriterien. Daneben ist an den Hollywood Historic Trust eine Bewerbungsgebühr von 30.000 $US zu entrichten.

Sterne am Walk of Fame

Sterne am Walk of Fame

Dann befolgten wir Luc’s Rat und fuhren mit der Rolltreppe im Einkaufszentrum nach oben. Von hier aus hatten wir tatsächlich einen sehr guten Blick auf das Hollywood Zeichen. Lauter kleine Prinzessinnen mit den Schleifen ihres Bundesstaates kamen uns entgegen. Anscheinend war gerade eine Misswahl der Jüngsten im Gange. Ein riesiger Weihnachtsbaum schmückte den großen Eingangsbereich. Der Ausblick auf die Hügel, die die Stadt umrahmen, war sehr schön. Danach suchten wir nach einem stillen Örtchen, bevor wir Luc anriefen.

Hoolywood Zeichen

Hoolywood Zeichen

Als wir zum verabredeten Treffpunkt kamen, sahen wir eine Strechlimosine. Der Fahrer ließ uns einen Blick hineinwerfen. Es sah Innen zwar toll aus, aber die Aussicht war bei Weitem nicht so gut, als vom offenen Cabrio aus. Jetzt wurden wieder die Sitze gewechselt. Ich saß Vorne und Peter mit Margret hinten. Luc hatte sich schon die ganze Zeit gewundert, wieso ich so gut Amerikanisch sprach. Ich erzählte ihn ein bisschen aus meinem Leben und meiner Beziehung zu Marilyn Monroe. Er sagte mir dann sogleich, dass er eine kleine Überraschung für mich hätte. Eines der Spagio Lokale von Herrn Puck liege leider nicht auf unserer Strecke. Herr Puck hätte eine junge Freundin, sowie Arnie. „Sind eigentlich alle Österreicher gleich?“, lautete seine Frage dann. Der hatte eine gute Meinung von uns.

Ab dem Sunset Boulevard waren die Straßen wieder von Palmen gesäumt – ein eindeutiges Zeichen dafür, dass wir wieder nach Beverly Hills zurückgekehrt waren. Auch der Banyan Tree ist ein dort häufig vorkommender Baum. Nicht nur in diesem Stadtteil, sondern auch in den folgenden wie Brentwood und Bel Air war Villa an Villa gereiht. Natürlich standen auch die passenden Autos vor der Tür. Wir kamen an der Villa von Paris Hilton’s Großeltern ebenso vorbei wie an der Villa von Brat Pitt. Natürlich durfte auch die Playboy Mansion mit seinen 22 Schlafzimmern von Hugh Hefner nicht fehlen. Wir sahen auch das Tor, vor dem Daniela Katzenberger auf Einlass gewartet hatte. Luc erzählte uns, dass er auch eine der Gewinnerinnen von Deutschlands Top Models durch die Stadt chauffiert hatte.

Tor zur Playboy Villa von Hugh Hefner

Tor zur Playboy Villa von Hugh Hefner

Wir sahen auch die Stiege auf der viele Prominente, unter anderem auch die blonde Daniela, trainiert hatte. Die Gegend wurde wieder hügeliger. Die Gärten größer. Hier leben Promis geschützt unter sich. Eine Mitgliedschaft im Bel Air Country Club soll rund US$ 150.000,00 kosten.

Villa in Bel Air

Villa in Bel Air

Luc machte dann noch einen kleinen Umweg, um mir in Brentwood Village das einzige Haus zu zeigen, das Marilyn Monroe je in ihrem Leben besessen hatte. Das Anwesen mit einer Wohnfläche von 240 m² und etwas mehr als 2.000 m² Grund stand 2010 für umgerechnet 3 Millionen Euro zum Verkauf. Leider ist das Haus hinter einer hohen Mauer versteckt .

Danach erreichten wir wieder Santa Monica und so wusste ich, dass wir nicht mehr weit vom Hotel entfernt waren. Auf der Küstenstraße fuhren wir Richtung Flughafen. Wir kamen an einer kleinen Infobude vorbei. Luc sagte uns, dass hier die legendäre Route 66 enden würde. Es wäre schön gewesen, noch etwas Zeit am Santa Monica Peer zu verbringen. Dort könnte man sich gut ein Rad mieten und dem Strand entlang fahren. Leider war es etwas zu weit von unserem Hotel entfernt.

Gold’s Gym Los Angeles

Gold’s Gym Los Angeles

Zum Schluss unserer Rundfahrt fuhren wir noch an Gold’s Gym vorbei, wo die Kariere von Arnold Schwarzenegger begonnen hatte. Bodybuilding wurde hier zu seiner großen Leidenschaft. Wir freuten uns wieder heil im Hotel angekommen zu sein. Ich hatte Luc erzählt, dass es Peter’s großer Traum war, mit so einem Cadillac zu fahren. So jetzt, bevor er sich von uns verabschiedete, ließ er Peter hinter dem Steuer Platz nehmen. Der strahlte natürlich wie ein neuer Schilling und erhöhte das geplante Trinkgeld.

Wir holten uns im gegenüberliegenden Einkaufszentrum etwas zu Essen und Trinken, zogen im Zimmer unsere Badekostüme an und begaben uns zum Pool, wo wir den restlichen Nachmittag mit Entspannung pur verbringen wollten. Das Schwimmen tat gut und das warme Wasser der Jacussi war sehr wohltuend. Kaum zu glauben, dass das Hotel einen so schönen Hinterhof mit Pool mitten in der Stadt haben konnte.

Als es begann finster zu werden, zogen wir uns auf unsere Zimmer zurück. Margret und ich beschlossen, nochmals ein bisschen durch das Lebensmittelgeschäft zu bummeln, wo es alles anscheinend nur in Großpackungen zu kaufen gab. In der Finsternis sah man vom Fenster unseres Hotelzimmers aus die Flugzeuge aufgefädelt wie eine Lichterkette am Himmel auf die Landung warten. Um 3:10 Uhr würde Tagwache sein. Um 3:45 Uhr sollte uns der Flughafenshuttlebus zum Airport bringen, der in etwa 10 Minuten zu erreichen sein sollte.

Unsere flüssigen Vorräte mussten wir noch vernichten und so wurde es eines unserer interessantesten Abende.

Posted by FEgoesUSAwest 02:47 Archived in USA

Email this entryFacebookStumbleUpon

Table of contents