A Travellerspoint blog

Tag 12

Kein Glück im Spiel

sunny 20 °C

Der heutige Tag diente eigentlich nur der schnellen Rückkehr nach Los Angeles. Immerhin lagen 464 Kilometer vor uns. Zum Großteil führte die Strecke allerdings über die Autobahn. Je schneller wir in LA sind, desto mehr haben wir dort Zeit noch etwas zu unternehmen.

Wir waren ja mittlerweile schon alte Hasen, was Auschecken und Auto am Valet Parking abholen betrifft. Auch Suzie konnte schon ganz schön flott von uns zum Leben erweckt werden. Nur dass Suzie uns diesmal über einen historischen Highway schickte, war uns ganz neu. Anscheinend war dies die kürzeste Strecke. Die Felder neben dem Veterans Memorial Highway wurden gerade von Traktoren bestellt. Zum Teil wurde die frische Saat gerade von riesigen Wasserrädern bewässert. Es sah fast aus wie bei uns im Frühling.

Bestellte Felder in Nevada

Bestellte Felder in Nevada

Grün war allerdings nur dort, wo künstlich bewässert wurde, sonst waren wir noch immer in der Mojave Wüste unterwegs. Die Interstate 40 West führte wieder parallel zur Bahnlinie. Laut Suzie würden wir so gegen 11:30 Uhr in Barstow sein, wenn wir ständig die vorgeschriebenen 70 Meilen fahren würden. Eigentlich waren nur LKWs unterwegs und die störten nicht sehr. Wo es leicht bergauf ging, war für sie eine eigene Fahrspur vorgesehen, die sie nicht verlassen durften.

Auf der I40 von Laughlin nach Los Angeles

Auf der I40 von Laughlin nach Los Angeles

Peter hatte heute die Frühschicht übernommen. Im kleinen Ort Ludlow, der auf halber Strecke zwischen Laughlin und Barstow lag, war eigentlich unsere Frühstückspause vorgesehen. Leider übersah Peter die Ausfahrt und unsere Mägen mussten weitere 50 Meilen auf feste Nahrung warten. Überhaupt war Peter an diesem Tag sehr müde und so übernahm Margret das Steuer. Gut, dass wir drei Autofahrer waren, so konnten wir uns beim Fahren und Navi bedienen immer wieder abwechseln.

In Barstow kannten wir uns mittlerweile schon aus. Beim Restaurant am Truckstopp machten wir unsere Frühstückspause. Eier mit Speck, Orangensaft und Pancakes mit Ahornsirup machten mich glücklich und da es schon fast Mittag war, schmeckte Margret der Burger auch. Ich fragte die nette Kellnerin, ob es in der Nähe einen Supermarkt gäbe, denn ich wollte meine Lebensmittel jetzt schon besorgen. In den vor uns liegenden Großstädten würden die Einkaufsmärkte am Stadtrand liegen und die Waren sicher um einiges teurer sein.

In dieser Stadt würde es zu kompliziert sein, den Weg dorthin zu finden. Aber in der nächsten kleinen Stadt würden die Geschäfte direkt an der Autobahnabfahrt liegen. Margret startete die Reise, aber die nächste Stadt hatte mehrere Abfahrten. So fuhren wir immer die Abfahrt runter, schauten kurz links und rechts, ob es Geschäfte gab und fuhren sonst gleich wieder auf die Autobahn auf. Beim dritten Versuch schließlich waren wir im Schlaraffenland gelandet.

Das Geschäft war ähnlich groß wie unsere Metro und hatte fast nur XXL-Packungen auf Lager. Ich benötigte noch Pancake-Mix für unser Weihnachtsfrühstück, verschiedene Jello-Sorten und Salatdressings. Die Kartoffelschäler aus USA sind noch immer die besten. Aber auch sonst war es ein Erlebnis für Margret, die erstmals im US-Shopping Center war. Ihre Aussage: „Jetzt weiß ich endlich wieso die Amis so große Kühlschränke haben“, war überaus treffend. Milch und Orangensaft werden noch immer per Gallone (fast vier Liter) verkauft.

Da wir bereits den 19. November schrieben, waren alle dabei ihre Einkäufe für das Thanksgiving Fest zu erledigen. In fast jedem Einkaufswagen sah man einen Truthahn, Süßkartoffeln und Preiselbeeren. Viele schwankten noch zwischen fertiger Kürbisfüllung für den Pumkinpie und frischem Kürbis. Groß war auch die Auswahl an bunten Torten. Margret beschloss Servietten und Tischschmuck für ihre bevorstehende Adventfeier hier zu kaufen. Ebenso fand sie kleine Geschenke für den Nikolaussack. Sicher würden sich die Beschenkten über die fremdartigen Süßigkeiten freuen. Zu guter Letzt fanden wir auch noch die Pumkin-Kerze, die Margret für eine Verwandte mitbringen sollte. So hatten wir alle unsere Einkäufe erledigt. Die Säcke wurden im Kofferraum verstaut.

Bunte Torten bei unserer Einkaufstour

Bunte Torten bei unserer Einkaufstour

Noch ein kleines Stück des Weges musste Margret fahren. Sie achtete streng auf ihre Geschwindigkeit, denn nochmals würde sie sicher nicht mit einer Verwarnung davonkommen. Hier gab es sogar eine besondere Eilspur für Autos mit mehr als zwei Personen. Der Verkehr wurde immer dichter und vor uns tauchten schon die „Beverly Hills“ auf. Auf einem Parkplatz übernahm ich wieder das Steuer und Margret die Navigation. Vor uns lag die schwierigste Etappe unserer Reise. Es war früher Nachmittag. Die Rushhour hatte noch nicht begonnen. Deshalb entschied ich, dass Auto bereits jetzt zu retournieren. Unser Hotel lag ganz in der Nähe des Flughafens und hatte einen Abholdienst. Der Flughafen ist in jeder Großstadt gut angeschrieben. So würden wir hoffentlich keine Probleme haben, dorthin zu gelangen.

Ich konnte am Navi den Airport nicht finden, sondern nur eine Airport Avenue. Hoffentlich war die Eingabe richtig. Sicher gab es in LA nicht nur einen Airport, sondern mehrere. Ich wusste nur, dass der internationale im Südwesten der Millionenstadt liegt. Schon bald hatten wir die Stadtgrenze erreicht. Die Autobahn wurde sechsspurig und immer wieder wurden Abbiegespuren hinzugefügt. Das Verkehrsaufkommen war gewaltig. Ich musste mich sehr konzentrieren und es gab keine Minute zum Ausrasten. Der Stau bewegte sich mit einer stetigen Geschwindigkeit von fast 100 kmh Richtig Stadt. Überholt wird von Links und Rechts. Bei jedem Blick in Rück- und Seitenspiegel sah man Autos aus allen Richtungen kommen. Nur gut, dass Margret es schaffte, mit vorausschauendem Blick auf das Navi mich immer wieder auf die richtige Spur zu losten.

Wir hatten Los Angeles um uns. Sogar das Hollywood Schild konnte man in den Bergen sehen. Nach anstrengenden 75 Minuten waren wir auf schmäleren Straßen (3-spurig) bereits im Stadtzentrum unterwegs. Peter war ruhig geworden und ich sah ihm im Rückspiegel nur immer wieder den Kopf schütteln. Komisch, dass wir nie ein Schild mit einem Flugzeug zu Gesicht bekommen haben, obwohl wir laut Suzie nicht mehr weit von unserem angepeilten Ziel sein konnten. Deshalb blieb ich auch an einer Tankstelle stehen. Ich erkundigte mich dort nach dem Flughafen, um zu hören, dass er um die Ecke läge. Die Verschnaufpause tat mir gut. Wir versuchten nochmals Suzie auf Flughafen neu zu programmieren –und tatsächlich konnte auch sie ihn jetzt finden.

Als ich um die Ecke bog, sah ich ein kleines Schild mit einem Flugzeug. Schon bald tauchten die Namen der verschiedenen Mietwagenfirmen auf. Eines der ersten war Alamo. Dorthin mussten wir. Ich bog ab und Suzie schlug Alarm. So leid es uns um sie tat, aber wir mussten sie einfach abwürgen. Sie hatte uns aber ausgezeichnete Dienste geleistet. Mir fiel ein großer Stein vom Herzen, als ich der Dame von Alamo den Schlüssel zu einem unversehrten Auto wieder geben konnte. Ich sagte ihr, dass wir mit dem Auto sehr zufrieden waren. Eins jedoch hatte uns zu Beginn der Reise großes Kopfzerbrechen bereitet, nämlich der Reifendruck. Diese Warnanzeige war während der ganzen Fahrt nie mehr verschwunden. Dies sollte in Ordnung gebracht werden, bevor die nächsten Mieter wieder mit demselben Problem konfrontiert werden würden.
Nach elf Tagen und 3.500 waren wir heil in Los Angeles angekommen. Jetzt musste das Auto nur noch ausgeräumt werden. Es hatte sich mehr angesammelt als gedacht. Unterwegs hatten wir Schuhe, Jacken und sonstiges immer nur in den Kofferraum geworfen – groß genug war er ja. Die Zeit war allerdings gekommen, alles wieder in unseren Koffern unterzubringen und dabei kein Übergepäck zu erzeugen. Aufgepackt wie die Zigeuner stiegen wir in einen Bus ein, der uns zum Terminal am Flughafen LAX brachte.

Flughafen Los Angeles

Flughafen Los Angeles

Der Los Angeles International Airport ist immerhin der drittgrößte der USA und der sechstgrößte weltweit. Der Flughafen besteht aus acht Terminals, jedes viel größer als der Klagenfurter Flughafen. Das X-förmige Gebäude in der Mitte der Terminals soll ein UFO darstellen, das auf allen vier Armen gelandet ist. Darauf konnte ich mich noch erinnern. Wir stiegen am Terminal der United Airways aus. Mit dieser Fluggesellschaft würden wir dann in etwa 36 Stunden nach New York fliegen. Hier am Terminal gab es ein Hoteltelefon. Schnell hatte ich an der Rezeption des Hacienda Hotels angerufen. Der freundliche Herr sagte mir, dass wir am Meeting Point vor dem Flughafengebäude in etwa 15 Minuten abgeholt werden würden.

Sofort konnten wir unsere Zimmer beziehen. Leider war der Lift gerade im Umbau. So mussten wir den Lastenlift nehmen. Die Fahrt war etwas abenteuerlich. Wie immer eilte sofort jemand, um Eis für unseren Begrüßungstrunk zu holen. Wir hatten auch nichts mehr, um unseren Whisky aufzugießen. Peter versuchte sich am Automaten, aber der hatte ebenso großes Glück als ich am Eisautomaten. Einen Stock tiefer fand ich einen funktionierenden und kam dann mit einem Kübel Eis ins Zimmer zurück. Peter opferte den Inhalt seiner Las Vegas Sonderflaschen. Er würde sie leer zur Schau stellen müssen.

Von unserem Zimmer aus konnte man fast auf den Airport sehen. Allerdings war der Lärm von der am Hotel vorbeiführenden achtspurigen Hauptstraße viel lauter, als der Fluglärm. Wie an einer Kette aufgefädelt reihten sich die Flugzeuge zur Landung am Himmel auf. In der Nacht sah es aus, als ob der Himmel für Weihnachten mit langen Lichterketten geschmückt worden wäre. Als es dunkel geworden war, überquerten wir beim Fußgängerübergang die starkbefahrene Straße. Auf der anderen Seite war vor 14 Jahren ein ganz tolles Steaklokal gewesen. Ob es das noch gibt? Tatsächlich gab es das Sizzlers noch. Wir konnten dort köstlich schmausen.

Sepulveda Boulevard, Los Angeles

Sepulveda Boulevard, Los Angeles

An der Tankstelle an der Ecke gab es einen Laden, der 24 Stunden pro Tag offen hatte. Dort deckten wir uns noch mit Getränken ein. Als wir ins Hotel zurückkehrten, versuchte ich nochmals Karla telefonisch zu erreichen. Sie ist eine ehemalige Nachbarin, die nach USA ausgewandert ist. Leider war ständig besetzt oder ich machte einfach etwas falsch. Auch konnte ich das Büro der Cadillac Tour nicht erreichen. Dort sollte ich die Tour 24 Stunden vorher bestätigen. Hoffentlich würde das morgen klappen!

Margret’s Bier war im Eiseimerpapierkorb gut eingekühlt. Unser Rotwein hingegen hatte Zimmertemperatur. Der Abend wurde lustig und ausgelassen – eben fast „hollywoodreif“.

Posted by FEgoesUSAwest 02:46 Archived in USA

Email this entryFacebookStumbleUpon

Table of contents