A Travellerspoint blog

Tag 10

Feuergefangen

snow 4 °C

Kaum hatte ich die Augen offen, sah ich zum Fenster raus. Es hatte Übernacht nicht geschneit. Die Straße glänzte jedoch. Es würde draußen wohl kalt und etwas eisig sein. Schnell hatten wir alle unser Morgenritual beendet. Da wir gut in der Zeit lagen und das Wetter noch schön war, entschlossen wir uns nochmals zum nur etwa sieben Kilometer entfernten Sunreise Aussichtspunkt zu fahren. Wir waren sogar so früh dran, dass die Mautstelle noch nicht besetzt war.

Viel Licht war im Bryce Canyon jedoch noch nicht. Allerdings war der Sonnenaufgang zwischen den Wolken recht schön. Da man hier soweit sehen konnte, konnten wir gut in der Ferne die herannahende Schlechtwetterfront sehen. Es wurde Zeit, dass wir den höchsten Punkt unserer Reise schleunigst verließen. Wir hatten immerhin eine Tagestour von 460 Kilometern vor uns, bevor wir den südlichsten Abbruch des Grand Canyons erreichen würden.

Nochmals kamen wir an Ruby’s Inn vorbei und überlegten kurz, ob wir nicht noch tanken sollten. Etwas später gab es in der kleinen Stadt Kanab noch eine Chance. Dort würde das Benzin wahrscheinlich wieder billiger sein als im Nationalpark und die Tankfüllung würde dann bis über den Grand Canyon reichen. Auf der 89 süd kamen wir wieder durch den Red Canyon. Auf der Hinfahrt hatten wir keine Zeit hier anzuhalten. Jetzt war der Himmel zwar bewölkt, aber dadurch leuchtete der Canyon noch röter.

Red Canyon

Red Canyon

Das folgende Tal – Kanab Creek - war wieder sehr fruchtbar. Im kleinen Fluss gab es anscheinend viele Fische, denn immer wieder sah man Schilder auf denen stand: „Fang sie selber, ich koche sie für Dich“. Auf den grünen Wiesen grasten verschiedene Rinderrassen. Besonders gefielen mir die Hochlandrinder mit ihrem dicken Fell. Meist hatten die Kühe auch noch ihre langen Hörner, was man bei uns in Europa fast nicht mehr sieht. In den USA wird ja auch hauptsächlich Rindfleisch gegessen.

Grasende Rinder auf der 89

Grasende Rinder auf der 89

In der Zwischenzeit hatte es zu regnen begonnen. Als ich einen Blick in den Rückspiegel wagte, sah man gar nichts, außer einer dichten Schneefront. Irgendein Alarm war auch im Wagen ertönt. Margret sagte, dass es die Warnanzeige für „null“ Grad Straßentemperatur sei. So reduzierte ich auch die Geschwindigkeit. Die Strecke, die vor uns lag, war lange und in 100 Kilometern konnte das Wetter schon wieder ganz anders aussehen. In Kanab hielten wir an der Tankstelle an. Der freundliche Tankwart empfahl uns, eine Seitenstraße durch den Coral Pink Sand Dunes State Park nach Page zu nehmen. Der kleine Umweg würde sich lohnen. Doch wir hatten noch so viele Kilometer vor uns und alles kam man einfach nicht mitnehmen.

An der Grenze zwischen dem Bundesstaat Utah und Arizona zwischen Kanab und Page dehnt sich eines der beeindruckendsten Naturdenkmäler der Welt aus „The Wave“. Die Wandererlaubnisse auf oder besser gesagt in dieser Welle werden verlost. Die Gegend ist so faszinierend, dass man alleine dort Wochen verbringen müsste. Leider hatten wir diese Zeit nicht. Auf einmal hatten die Wolken wieder Platz gemacht für den blauen Himmel. Die Landschaft sieht dann auch wieder ganz anders aus. Wir hatten die purpurroten Felswände hinter uns gelassen und gegen eine süße „Ildefonso“ Landschaft getauscht. Wir hatten ein Mini-„Painted Dessert“ erreicht. Hier wechselten sich dunkle mit hellen Gesteinsschichten ab. Den Abschluss bildete eine Schichte Kakao.

Zuckersüß auf dem Highway 89 south

Zuckersüß auf dem Highway 89 south

Kurz danach erreichten wir den Glen Canyon, der auch vom Colorado River durchflossen wird. Der Lake Powell Stausee entstand Mitte der 1960-iger Jahre durch die Aufstauung dieses Flusses an der Ostseite des Grand Canyons. Vor allem durch seine Nähe zu großen Städten entwickelte sich hier ein Naherholungsgebiet für Wassersportler. Immerhin beträgt die Küstenlinie des Sees 3.153 Kilometer, was länger ist als die gesamte Westküste der USA.

Glen Canyon Dam und Lake Powell

Glen Canyon Dam und Lake Powell

Bevor wir den Dam erreichten, überquerten wir die Grenze zwischen den Bundesstaaten Utah und Arizona. Auf dem Parkplatz beim Staudamm machten wir einen kurzen Stopp, um die schöne Aussicht zu genießen. Nachdem wir die Brücke über den Colorado überquerten, tauchte die Stadt Page auf, die am Ende des Sees liegt.

Brücke über den Colorado bei Page

Brücke über den Colorado bei Page

Hier machten wir eine späte Frühstückspause. Vor der Stadt gibt es immer Werbeschilder für die verschiedenen Hotels und Restaurants. Hier sah ich ein Schild für den Golden Coral, eine Restaurant Kette, die ich aus Florida kannte. Hier gab es ein „All you can eat Buffet“ für gutes Geld. Eigentlich fanden wir hier das, wovon wir immer schon geträumt hatten. Peter’s Augen leuchteten und er konnte es kaum erwarten das Buffet mit den herrlichsten Köstlichkeiten zu stürmen. Als es Mittag wurde, kamen immer mehr Menschenmassen. Gut, dass wir das Lokal schon wieder verließen.

Da das Wetter so schön war und wir ganz gut in der Zeit lagen, wollte ich einen Halt am Horseshoe Bend einlegen. Diese Sehenswürdigkeit hatte auch ich noch nie zu Gesicht bekommen. Etwa 2,5 Meilen nach Page auf der I-89 Richtung Grand Canyon sollten wir auf der rechten Seite einen Parkplatz finden. Tatsächlich sah ich schon von weitem, dass hier viele Autos parkten. Vom Parkplatz führte ein sandiger Wanderweg zum Gipfel eines kleinen Hügels. Peter trug ich schon im Auto auf, sich nicht ganz euphorisch auf den unbefestigten Canyonrand zu stürzen.

Horseshoe Bend

Horseshoe Bend

Nach einem kurzen Abstieg hatte man von der Abbruchkante aus den überwältigenden Blick in den Canyon auf die Schleife des grün-blau schimmernden Colorado. Ganz konnte ich die Aussicht nicht genießen, denn Peter turnte, wie ich vorhergesehen hatte, schon am Abbruch herum und konnte sich kaum beruhigen, ob der schönen Aussicht. Obwohl ich ein recht gutes Weitwinkelobjektiv hatte, war es fast unmöglich die ganze Pracht auf ein Bild zu bekommen. Viele Touristen lagen auf dem Bauch am Canyonrand, hielten die Kamera über den Abbruch und drückten auf den Auslöser. Soweit reichte mein Mut oder Übermut nicht. Trotzdem möchte ich Euch teilhaben lassen an der Schönheit dieser Gegend.

Horseshoe Bend

Horseshoe Bend

Bald schon kehrte ich der Flussschleife den Rücken und machte mich daran, den Hügel durch die Sanddünen zu erklimmen. Da in der Zwischenzeit die Sonne wieder schien und der Anstieg durch den Sand beschwerlich war, kam ich zum Schwitzen. Ich musste mir einen kleinen Vorsprung erarbeiten, denn Peter und Margret sind einfach die besseren Geher. Am Hügel trafen wir uns wieder und machten den Abstieg zum Parkplatz gemeinsam. Die kurze Wanderung hatte sich auf jeden Fall ausgezahlt.

Wenn das Wetter ganz toll ist, dann würde sich der Besuch des Antelope Canyon lohnen. Die sogenannten „Slot“canyons lassen das Herz eines jeden Fotografen höher schlagen. Der obere Teil ist leichter begehbar, als der untere. Man wird von den Navajos mit einem Jeep zum Eingang gebracht und auch durch das Naturschauspiel begleitet. Aber den Besuch dieses Naturwunders werden wir uns für ein anderes Mal aufheben.
Danach bewegten wir uns auf einen weiteren Höhepunkt unserer Reise zu – dem Grand Canyon. Auf unserem Weg dorthin kamen wir immer wieder an Verkaufsständen der Indianer vorbei. Einmal mussten wir auch kurz anhalten, um zu sehen, was sie so alles im Angebot hatten. Hauptsächlich boten sie Traumfänger in verschiedenen Größen und schönen Schmuck aus Türkisen und Korallen an. Natürlich wollten auch sie Geld verdienen und die Preise waren relativ hoch. Wir hielten kurz bei einer Tankstelle in Cameron, um unsere Scheiben zu säubern, damit wir die Aussicht im Grand Canyon besser genießen konnten.

An der Mautstelle bezahlten wir wieder US $ 25,00 Eintritt. Damit waren wir berechtigt eine Woche lang immer wieder in den Canyon einzufahren. Gerade dieses Gebiet zwischen dem Bryce und dem Grand Canyon beherbergt auch noch viele kleinere Naturdenkmäler, die sehr sehenswert sind. Wenn man Zeit hätte (z. B. schon in Pension wäre) und gerne wandert, dann könnte man in diesem Gebiet viel Zeit verbringen. Wir waren schon sehr dankbar, die Hauptsehenswürdigkeiten in der uns zur Verfügung stehenden Zeit besichtigen zu können.
Margret hatte die dritte Schicht des Fahrens übernommen. Im Nationalpark, der sich über eine Länge von 350 Kilometer erstreckt, gab es natürlich wieder sehr viele Aussichtspunkte. Den Westteil des Parks mit dem neuem Skywalk hatten wir ja bereits mit dem Hubschrauber überflogen. Jetzt waren wir vom Osten her in den südlichen Teil des Parks eingefahren. Der Grand Canyon ist etwa 450 Kilometer lang, zwischen 6 bis 30 Kilometer breit und bis zu 1.800 Meter tief. Es gibt auf dieser Länge auch keine Möglichkeit den Colorado zu überqueren. Im Westen gab es lange Zeit nur den Hoover Stau Dam – jetzt gibt es auch die Bypass-Brücke und im Osten die Brücke beim Glen Canyon Staudamm bei Page um trockenen Fußes den Fluss zu überqueren.

Desert View, Grand Canyon

Desert View, Grand Canyon

Als ersten Aussichtspunkt steuerten wird den Desert View an. Ein herrlicher Ausblick umrahmt vom blauen Himmel lag vor uns. Da das Gestein am Grund der Schlucht schon so hart ist, wächst der Canyon heute mehr in die Breite als in die Tiefe. Gerade an dieser Stelle hier sieht man schön, wie breit die Schlucht ist. Das Abendlicht ließ bereits lange Schatten über das Innere des Abgrunds fallen.

Da wir zum Sonnenuntergang in Grand Canyon Village sein wollten, trennten wir uns schweren Herzens vom wunderschönen Blick und fuhren weiter durch Wacholderwälder. Am Grandview Aussichtspunkt erwartete uns folgendes Hinweisschild: „ In keiner Sprache kann man die Schönheit und das Ausmaß eine der wundervollsten Produktionen der Natur beschreiben - den Grand Canyon muss man einfach gesehen haben.“

Grandview, Grand Canyon

Grandview, Grand Canyon

Im Schatten der steilen Felswände mäandrierte der Fluss wie ein silbernes Band, das vom Wind in Schleifen gelegt worden war. Die Felsen fingen die Röte der Abendsonne ein und strahlten eine eigentümliche Wärme aus, die auch uns gefangen nahm. Wieso wird einem das Abschiednehmen manchmal so schwer gemacht? Gut, dass der Grand Canyon Nationalpark schon 1979 in die Liste des UNESCO-Weltnaturerbes aufgenommen worden war. So wird er hoffentlich auch für unsere Nachkommen bewahrt werden.

Einige Kilometer mussten wir noch bis Grand Canyon Village zurücklegen. Seit ich zum letzten Mal dagewesen war, hatte sich viel verändert. Obwohl es drei riesengroße Parkplätze gab, war es schwer einen Parkplatz zu finden. Hinter dem Visitor Center lagen die Aussichtspunkte. Viele Menschen hatten sich bereits dort versammelt. Wir gingen auf den Canyon zu, der gerade Feuer fing. Erst jetzt bei meinem vierten Besuch im Canyon war es mir gegönnt, dieses Spektakel mitzuerleben.

Feuergefangen, Grand Canyon

Feuergefangen, Grand Canyon

Das tiefe Rot hielt mich gefangen. Aber auch alle anderen waren tief ergriffen von der Schönheit des Naturschauspiels. Und wieder hatte ich eine Eintragung mehr in meiner Sammlung von „schönen Augenblicken“.

Grand Canyon

Grand Canyon

Wir mussten dem Canyon den Rücken zukehren, aber nur um auf der gegenüberliegenden Seite den Sonnenuntergang betrachten zu können. Unser Hotel lag direkt am South Rim des Grand Canyons in Tusayan. Ich hatte bereits zwei Mal im Grand Canyon Squire Inn übernachtet und war jedes Mal sehr zufrieden gewesen. Aus dieses Mal sollte es nicht anders sein.

Wenn es nicht schon so spät gewesen wäre, hätten wir noch im IMAX Theatre, das visavis liegt, den sehr empfehlenswerten 3D-Film „Grand Canyon – the hidden secrets“ ansehen können. Nur hatte uns der Canyon in Natur gerade ein so großes Geheimnis verraten, dass es fast schade gewesen wäre, dies zu überlagern. So genossen wir unseren Apero, zogen uns um und gingen ins hauseigene Restaurant. Hier waren alle Tische schön gedeckt, sogar mit Tischtuch. Ein 3-Gang Menü mit Prime Rib als Hauptgang wurde serviert. Ein schmackhafter Abschluss einen wunderschönen Tages wurde von uns sehr genossen. (Trotz des Schildes, das uns gegenüber hing: „ Warnung: Das Trinken von Alkohol während der Schwangerschaft könnte zu Behinderungen des Kindes führen)

Posted by FEgoesUSAwest 02:42 Archived in USA

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