A Travellerspoint blog

9. Tag

Bewegung auf dem Schachbrett

all seasons in one day 4 °C

Ab heute geht es dorthin, wo Fuchs und Henne sich gute Nacht sagen. Wir lernten die andere, ruhige Seite der USA kennen, die man nicht aus den Filmen kennt. Am Valet Parking Service übergab ich einem freundlichen Herrn unsere Bestätigung für die Abgabe eines Autos und wir hofften, dass wir dieses auch unbeschadet wieder zurück bekommen würden. Wir verluden unser Gepäck (ich glaube, dass es immer umfangreicher wird) und programmierten Suzie (Sie hatte ja jetzt drei Tage Urlaub gehabt und diesen an einem wunderschönen Ort, nämlich im Zimmersafe verbracht). Ich wollte vorerst auf der Interstate 15 north nach St. George, dem einzigen größeren Ort auf unserer Route, fahren. Dort wollten wir entscheiden, ob das Wetter gut genug wäre, um die Aussichtsstraße durch den Zion Nationalpark Richtung Bryce Canyon zu nehmen.

So verabschiedeten wir uns von den großen Themenresorts in Vegas, bogen um die Ecke ein und schon befanden wir uns auf der Autobahn. Bald nach der Stadt fing wieder die Halbwüste an. Das karge Leben wurde nur von den Schienen der Eisenbahn durchbrochen, auf denen jedoch in kurzen Abständen elendslange Züge verkehrten. Kilometerweit war das Land flach. An den Bergen, die man in weiter Ferne sah, stießen Wolken an und ließen ihren Inhalt abregnen. Dazwischen mischten sich Sonnenstrahlen und das Schauspiel mutete fast unwirklich an.

Nach etwa 150 Kilometern erreichten wir die Grenze zwischen den Bundesstaaten Nevada und Arizona und damit auch die Berge. Der Highway führte mitten durch eine Gebirgskette. Es gab keine Tunnels – für die Straße wurden einfach Schneisen durch das Gestein gesprengt. Einmal leuchteten die Felsen weiß, einmal rosa, orange oder dunkelrot. Viele der Berge hatten keine Gipfel und sahen so aus wie der Tafelberg in Südafrika. Obwohl wir an Seehöhe gewannen, wurden die Felder immer grüner. Die Bäume trugen noch Laub und es sah eher frühlingshaft aus. Immer wieder gab es kleinere und größere Bauernhöfe. Auf den Feldern grasten hauptsächlich Rinderherden.

Auf der I15 von Vegas nach Zion NP

Auf der I15 von Vegas nach Zion NP

Nur kurz war unsere Fahrt durch den Bundesstaat Arizona gewesen. Wir überquerten die Grenze nach Utha und nach etwa zwei Stunden Fahrt hatten wir St. George erreicht. Wir fanden ein nettes Lokal mit Blick auf den Mormonentempel, wo wir frühstücken konnten. Da der Himmel in der Richtung, in der wir hin wollten, blau war, entschlossen wir uns trotz der bedrohlichen Wolkenbank auf der anderen Seite, den Highway zu verlassen und die Aussichtsstraße zu nehmen. Sofort wurde es wieder gebirgiger und die Straße kurviger. Bizarre Felsformationen reihten sich wie die Glieder einer Kette in tennisplatzrot entlang der Straße. Plötzlich übernahm auch die Straße die rote Farbe. Wir hatten die Mautstelle am Eingang des Zion Nationalparks erreicht. Der Eintritt kostete US $ 25,00 für eine Woche. Da wir am Nationalfeiertag keinen Eintritt ins Death Valley hatten bezahlen müssen, würde es uns billiger kommen, die Einzeleintritte zu bezahlen, anstatt die Jahreskarte „America the beautiful“ zu erwerben. So müsste jeder von uns einmal die Kosten für einen Parkteintritt übernehmen.

Zion Nationalpark

Zion Nationalpark

Ich liebe die Farben- und Formenvielfalt in diesem Park. Zion ist ein altes hebräisches Wort und bedeutet so viel wie Zufluchtsort oder Heiligtum. Die Mormonen zogen auf ihren Weg nach Utah hier durch und dachten das „gelobte Land“ gefunden zu haben. Auf unserer Tour durch die Canyons und Nationalparks im Westen der USA würden wir aber auch immer wieder auf die Spuren der Ureinwohner dieses großen Landes stoßen – auf Indianer verschiedener Stämme. Paiute und Anasazi Indianer nutzen das Gebiet als Jagdgrund. Der aus braunem bis orangeroten Sandstein bestehende Zion Nationalpark verleitete uns dazu, oft stehen zu bleiben und auf Fotojagd zu gehen.

Zion Nationalpark

Zion Nationalpark

Obwohl es leicht zu nieseln begann, verlor der Canyon die Faszination nicht. Immer wieder hielten am Straßenrand Autos an. An einigen, für uns interessanten Plätzen, versuchten auch wir immer wieder einen Parkplatz zu ergattern, was gar nicht leicht war. Wie voll muss es hier erst in der Hochsaison sein.

Zion Nationalpark

Zion Nationalpark

Als die Straßenfarbe wieder von rot auf schwarz wechselte, wussten wir, dass wir den Zion Nationalpark verlassen hatten.

Zion Nationalpark Parkeingang

Zion Nationalpark Parkeingang

Auf dem Weg zum Bryce Canyon durchquert man zwangsläufig den Red Canyon im Dixie National Forest. Immerhin hat dieser Bundesforst ein Ausmaß von 8.000 km². Für mich ist der folgende kleine „Red Canyon“ wegen seiner strahlend purpurroten Farbe einer der schönsten Schluchten überhaupt. Die eisenoxidhaltigen Felsen gaben diesem Canyon seinen Namen. Der Scenic Byway 12 durch den Canyon ist sehr kurvenreich und führt durch zwei Felsbögen, die von Menschenhand geschaffen wurden.

Red Canyon

Red Canyon

Sehr zum Leidwesen von Peter gab es keinen Fotostopp im Red Canyon. Wenn es die Wetterlage und das Tageslicht noch zuließe, würde ich lieber die Zeit im Bryce Canyon nützen. Ich fürchtete, dass es am nächsten Tag schlechtes Wetter geben würde. Da der Bryce Canyon zum Teil auf einer Höhe von 3.000 m liegt, würde das Schneefall bedeuten und ich wollte nicht hier oben für einige Tage eingeschneit sein. In der Ferne sah man schon die Ausläufer des bizarren Canyons, tiefverhangen mit Wolken.

Auf dem Weg zum Bryce Canyon

Auf dem Weg zum Bryce Canyon

Die Fahrt in den Bryce Canyon dauerte eine scheinbare Ewigkeit. Man hat ihn schon für Kilometer vor sich und man glaubt, dass er scheinbar nie näher kommen würde. Doch als wir die Mautstelle erreicht hatten, hatte sich das Wetter gebessert und sogar die Sonne ließ sich blicken. Wir hatten noch circa zwei Stunden Tageslicht vor uns. Der Nationalpark entstand, um die farbigen Felspyramiden, den sogenannten „Hoodoos“ an der Abbruchkante des Paunsaugunt-Plateaus zu schützen. Durch den Park verläuft eine Einbahnstraße, an deren Beginn der Sunset Point liegt. Da müssten wir also zu dieser Tageszeit noch gutes Licht haben.

Sunset Point, Bryce Canyon

Sunset Point, Bryce Canyon

Natürlich war der Anblick sehr beeindruckend – überhaupt für jemanden, wie Margret, die den Canyon noch nie gesehen hatte. Peter’s letzter Besuch ist schon lange her, meiner erst acht Jahre. Aber immer wieder bin ich überwältigt von der Schönheit der Natur. Die bizarren Formen entstanden dadurch, dass sich die Erdplatte hier abrupt erhob und das Wasser abfloss. Dadurch wurde das weiche Sandgestein ausgeschwemmt und übrig blieben die wunderschönen „Schachfiguren“, wie ich sie nenne.

Hoodoos im Bryce Canyon

Hoodoos im Bryce Canyon

Da das Wetter und das Licht noch so schön waren, entschlossen wir uns, einen weiteren Aussichtspunkt aufzusuchen, den Bryce Point in einer Seehöhe von 2.529 m. Dort wurden wir vom Schnee erwartet. Zum ersten Mal auf dieser Reise waren wir froh über die mitgebrachten Winterstiefel und die warmen Jacken. Aber der Blick auf das große, natürliche Amphitheater ließ es uns warm ums Herz werden. Immerhin hat man hier einen Weitblick von bis zu 160 Kilometern.

Bryce Point

Bryce Point

Auf unserem Weg zum Ende der Einbahnstraße fuhren wir durch Waldgebiet. Teilweise hatten die Bäume eine schwarze Rinde. Vor etwa fünf Jahren hatte es hier einen Flächenbrand gegeben und dies waren die Überreste davon. 1875 wurde Ebenezer Bryce, ein Mormone, hier her geschickt, um an der Erschließung des Gebietes als Zimmermann mitzuwirken. Er bezeichnete das Naturwunder als „a hell of a place to lose a cow“. Besonders steil und unwirtlich war es am Aussichtspunkt “Natural Bridges”. Wir empfanden dies wahrscheinlich so, da die natürliche Brücke schon im Schatten lag.

Natural Bridges

Natural Bridges

Am Rainbow Point, dem Ende der Parkstraße, erreichten wir den höchsten Punkt unserer Reise. Auf 2.778 m Seehöhe war es sehr frisch. Es hinderte uns trotzdem nicht daran, auszusteigen und die wunderschöne Aussicht zu genießen. Viele Wanderwege führen durch die Schluchten. Mit Margret beschlossen wir in der Pension zurückzukehren und uns hier einige Tage für solche Aktivitäten Zeit zu nehmen.

Bryce Canyon

Bryce Canyon

Es gab noch viele schöne Aussichtspunkte. Peter wäre am liebsten bei allen stehengeblieben. Aber das Wetter hatte sich verschlechtert und die Dämmerung war über das Land hereingebrochen. Wir wollten noch beim letzten Funken Tageslicht den Ausgang des Parks erreichen. Im Park wohnt viel Wild und überall wird durch kleinere und größere Verkehrsschilder auf Wildwechsel hingewiesen. Wir hatten sogar Glück und konnten einige Hirsche in der Nähe des Straßenrandes entdecken.

Unser Hotel lag nur etwa 5 Kilometer von der Mautstelle entfernt. Da ich bereits drei Mal im Ruby’s Inn übernachtet hatte, kannte ich mich schon aus. Ich fragte die Dame an der Rezeption, ob wir nicht ein Zimmer in der Nähe des Hallenbades haben könnten. Da es nicht Hochsaison war, stimmte der Manager einem kostenlosen Upgrade zu. Unsere Zimmer lagen dann direkt gegenüber der Eingangstür zum Hallenbad. Wir hatten also für den verbleibenden Abend ein dicht gedrängtes Programm.

Vorerst zogen wir einige Runden im Becken und dann genossen wir das warme Wasser im „Suppentopf“. Das war eine Wohltat nach den kühlen Temperaturen im Nationalpark. Dann zogen wir uns warm an, denn heute war Waschtag. Das Hotel hatte einen eigenen Waschsalon. Zur Halbzeit der Reise ist es notwendig, den Koffer und die mitgebrachte Kleidung etwas in Ordnung zu bringen. So muss man nicht so viel mitschleppen. Jeder packte seine Dreckwäsche in einen Sack. Ich bereitete noch für jeden einen Aperitif vor und los ging es über riesige Eisplatten zum Waschsalon.

Die Trommeln waren riesengroß. So sortierten wir vorerst unsere Wäsche und luden eine mit dunkler und eine mit heller Wäsche. Etwa 30 Minuten würde der Waschgang brauchen. Margret benötigte noch einige Ansichtskarten und konnte sie während dessen im nahegelegenen Hotelshop besorgen. Ich hatte mein Netbook mit und konnte gleich die Bilder des Tages herunterladen und beschriften. Peter hing herum – wie immer – und genoss seinen Apero. Nach dem Waschen wurde ein Trockner befüllt. Margret sagte, dass sie noch nie so lange in eine Maschine hineingesehen hatte. Schnell hatten wir die Wäsche dann zusammengelegt und das meiste konnte schon wieder im Koffer verstaut werden.

In der Zwischenzeit hatte sich auch unser Magen gemeldet. Wir durften uns keine Zeit mehr lassen und sofort ins Restaurant gehen, denn um 21:00 Uhr war Küchenschluss und weit und breit gab es sonst keine Möglichkeit etwas zu essen. Margret und ich teilten uns eine Portion Rippalen und bedienten uns dazu am Salatbuffet. Peter hatte ein „All you can eat“ vom Salat- und Suppenbuffet. Wir waren auch tatsächlich die letzten Gäste und das Personal wartete darauf Dienstschluss zu machen.

Das Essen und Trinken waren gut, der Bauch voll und auf der Almhütte gab es leider keinen Hüttenzauber. Ich würde davon träumen, dass es Übernacht nicht schneien würde.

Budweiser XXL

Budweiser XXL

Posted by FEgoesUSAwest 02:41 Archived in USA

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