A Travellerspoint blog

Tag 18

Heimat hat uns wieder

sunny 7 °C

Von Irgendjemandem wurde ich sanft geweckt. Margret gab mir ein Feuchttuch, das die Flugbegleiterin gerade vorbeigebracht hatte. Katzenwäsche war angesagt. Etwas wurden dadurch meine Lebensgeister wieder geweckt. Es war Zeit für das Frühstück. Um 5:40 Uhr Mitteleuropäischer Normalzeit landeten wir am Flughafen Frankfurt. Auch der ist riesengroß. Da muss man immer eine Weltreise machen, um zur Gepäckausgabe zu kommen. Bald hatten wir alle Koffer. Peter würde um 8:00 Uhr von hier aus nach München fliegen und von dort mit dem Zug nach Hause fahren. Wir Kärntner hingegen mussten bis 8:35 Uhr auf unseren Flug nach Graz warten.

Da uns noch Zeit bis zum Abflug blieb, entschlossen wir uns, einen guten europäischen Kaffee zu trinken. Wir blieben im Bereich des Ankunftsterminals, denn hier würden sich unsere Wege dann trennen. Wir fanden ein nettes Plätzchen mit einem sehr höflichen Kellner. Der Laden war gerade dabei, geöffnet zu werden. Der Kaffee schmeckte köstlich. Ein amerikanisches Ehepaar, das auch mit unserem Flieger angekommen war, nahm auch Platz. Der schnudelige Mann in kurzen Hosen und Ruderleibchen wusste schon nicht, was er bestellen sollte. Seine Frau tat sehr vornehm. Der Kellner bediente sie freundlich auf Englisch. Der gute Kaffee schmeckte ihnen nicht, wie denn? Die Amerikaner sind zum Großteil keinen echten Kaffee gewöhnt, sondern nur eine dünne Suppe. Er beschwerte sich sofort bei der Chefin, dass die Bedienung sehr unfreundlich gewesen sei und dass er für unhöfliche Bedienung und schlechten Kaffee nicht gewillt ist, etwas zu bezahlen und zog von dannen. Das war eine tolle Begrüßung in „Good Old Europe“. Wir lachten und scherzten mit der Belegschaft, um sie wieder aufzuheitern. Es gibt eben solche Leute, die überall anecken.

Leider mussten wir uns von Peter verabschieden, der uns 18 Tage lang begleitet hatte. Wie immer, war es wieder schön mit ihm gewesen und bestimmt nicht die letzte Reise, die wir mit einander gemacht haben. Mit traurigem Blick und hängenden Kopf verließ uns Peter Richtung Abfluggate. Wir mussten in die andere Richtung. Eine kleine Schaar von Menschen hatte sich vor unserem Gate versammelt. Die Propellermaschine nach Graz war schon startklar. Wir stiegen ein und wenige Minuten später waren wir in der Luft. Vor dem Abheben konnten wir noch einen Blick auf den Airbus 380 werfen. Es ist schon ein gewaltiges Flugzeug. Irgendwann werden auch wir die Möglichkeit haben, mitzufliegen. Aber vorerst reichte uns auch der „Rasenmäher“, wie Seppi die kleine Propellermaschine zu nennen pflegte.

Nach etwa einer Stunde landeten wir in Graz. Das Gepäck kam schnell – wir waren nur wenige Passagiere gewesen. Vom Flugzeug aus konnten wir sehen, dass die Gipfel der Alpen schneebedeckt waren. In der Ebene rund um den Flughafen war es noch grün. Als wir vor das Flughafengebäude traten, sahen wir auch schon Helmut. Sein Schwager und er holten uns am Airport ab. Es war schön, wieder bekannte Gesichter zu sehen. Herzlich wurden wir umarmt. Das Gepäck wurde im Kofferraum verstaut. Schnell verging die Fahrt über die Park, denn wir hatten viel zu erzählen.

Früher als gedacht, wurde ich vor der Haustüre abgeliefert. So schnell hatte mich keiner zurückerwartet. Freudig wurde ich von meiner Mutter empfangen. Die Kärntner Sonne schien, der Himmel war tiefblau und die Temperatur für November angenehm warm. Herzlich war die Verabschiedung von Margret. Sie war das erste Mal auf einer großen Tour mitgewesen – ich glaube, dass es sicher nicht das letzte Mal gewesen ist.

Peter meldete sich am Abend. Auch er war gut nach Hause gekommen. Jetzt musste er wieder alleine seinen Aperitif einnehmen. Sicher würde es nicht lange dauern, bis wir gemeinsam die nächste Reise unternehmen würden.

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Tag 17

Abschied von USA

overcast 5 °C

Da unser Flug erst um 15:45 Uhr nach Frankfurt abheben würde, bleib uns am Vormittag noch ein bisschen Zeit, die nähere Umgebung etwas unsicher zu machen. Ein gutes Frühstück ist nie verkehrt! Wer weiß wann und vor allem was wir im Flieger zu essen bekommen würden.

Da es in der Nähe unseres Hotels noch einige günstige Einkaufsmöglichkeiten gab, konnten wir uns die Zeit damit vertreiben, die Wühltische nach Schnäppchen zu durchsuchen. Sogar Peter war fündig geworden. Obwohl er behauptete, dass in seinem Koffer nichts mehr Platz haben würde, entschloss er sich doch noch einige Pullover zu kaufen, die ihm sehr gut standen. Natürlich fanden Margret und ich auch noch etwas.

Da wir unser Hotelzimmer erst gegen Mittag räumen mussten, hatten wir noch die Gelegenheit, unsere Koffer in aller Ruhe fertig zu machen. Margret war Peter beim Beladen behilflich. Da er noch sehr viel Platz hatte und keine Gewichtsprobleme, bat ich ihn eine Schachtel Pancakemehl für mich mitzunehmen. So konnte ich die Einkäufe, die als Weihnachtsgeschenke gedacht waren, alle in meinem Koffer unterbringen. Dann war es soweit. Wir schulterten unsere Rucksäcke und zogen unsere Koffer hinter uns her.

Gegenüber war Penn Station. Von dort aus fuhren wir mit der Long Island Rail Road zur Jamica Station und von dort aus mit dem Air Train zum Terminal. Von der Eisenbahn aus konnte ich noch einen letzten Blick auf die Skyline von New York mit dem Empire State Building werfen. Wer weiß, wann ich meine alte Heimat wiedersehen würde. Irgendwie war ich sehr traurig, obwohl ich mich schon wieder auf meine neue Heimat freute.

Die Fahrt zum Flughafen kam uns viel kürzer vor, als die Fahrt ins Hotel. Jetzt kannten wir den Weg schon und wir wussten auch, wie wir die Fahrkarten kaufen mussten. Dann begann wieder die Suche nach einem Lufthansa-Schalter zum Einchecken. Margret und ich hatten wiederum keine Probleme. Peter’s Flug war nicht richtig umgebucht worden. Der nette Herr am Schalter hatte sich jedoch sofort bereit erklärt, für uns zum Ticketschalter zu gehen und dort alles Notwendige zu erledigen. Es dauerte etwas. Gut, dass wir so früh am Flughafen waren und die Schlange vor dem Schalter nicht lange war. Schließlich kam der Beamte mit der Nachricht, dass Peter doch mit uns nach Hause fliegen konnte, zurück.

Auf unseren Koffer wurde zwar der übliche Anhänger angebracht, wir konnten ihn jedoch nicht am Schalter abgeben. In der Mitte der Halle war eine Röntgenstation. Hierhin musste man seinen Koffer bringen. Dort wurde er durchleuchtet und auf einen Gepäckwagen gestellt. Wir beschlossen solange zu warten, bis unsere Koffer auf diesen waren. Das dauerte aber lange. Wir hatten jedoch Zeit. Obwohl? Viel Zeit würden wir sicher wieder für die Sicherheitskontrollen benötigen. Und so war es auch. Wieder einmal mussten wir die Schuhe ausziehen und die Gürtel ablegen. Peter wurde immer verschärft kontrolliert wegen seiner künstlichen Hüfte. Mit einem kleinen Streifen Papier wurde ein Abstrich genommen und durch eine Maschine gelassen. Er musste auf das Ergebnis warten, bevor er passieren durfte. Margret hatte ihren Pancakemix im Rucksack verstaut. Auch hier wurde eine Probe genommen. Die Ergebnisse fielen positiv aus und wir konnten passieren.

Um 15:45 Uhr sollte der Airbus 330/300 der Lufthansa abheben. Die Maschine war schon gelandet. Man konnte sehen, wie die ersten Koffer in den Bauch des Flugzeuges verschwanden. Es war schon ein Riesenvogel – Spannweite 60,30 Meter. Das Boarden begann. Peter saß ein paar Reihen vor uns. Er wurde jedoch von der Flugbegleiterin gebeten, den Platz zu tauschen. Auf seinem Platz saß dann eine Mutter mit einem Baby. Ihr wurde gleich ein kleines Bettchen gebracht, dass sie vor sich in einer Wandhalterung befestigen konnte. Peter war uns etwas näher gerückt.

Das Flugzeug verließ zeitgerecht seine Parkposition und wurde auf das Rollfeld gelotst. Dann ertönte über Lautsprecher die Ansage des Kapitäns, dass wir erst in 20 Minuten starten konnten. Vor uns wartete eine Schlange von 22 Flugzeugen auf eine Starterlaubnis. Immerhin ist JFK einer der größten Flughäfen der Welt. Da tummeln sich an einem Tag mehr Maschinen auf dem Rollfeld herum, als Klagenfurt in einem Jahr zu Gesicht bekommt.

Auf dem Rollfeld, Flughafen JFK New York

Auf dem Rollfeld, Flughafen JFK New York

Während wir warteten, ging die Sonne langsam unter. Obwohl wir noch gar nicht abgehoben hatten, fühlte ich mich dem Himmel schon sehr nahe.

Sonnenuntergang am Rollfeld

Sonnenuntergang am Rollfeld

Endlich erhob sich der Vogel in die Lüfte. Wir hatten 6.196 Kilometer und viel Wasser vor uns. Gut, dass wir einen Nachtflug hatten. Gleich nach dem Abendessen schlief ich ein. Erst um 5:40 Uhr des nächsten Tages würden wir in Frankfurt landen. Ich wünsche angenehme Nachtruhe!

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Tag 16

Weihnachtsstimmung in New York

overcast 10 °C

Gegenüber unserem Hotel gab es einen kleinen Laden, wo man gut frühstücken konnte. Auch hier in New York ist das Frühstück im Übernachtungspreis selten enthalten. Frisch gestärkt, könnten wir wieder die Welt zerreißen. Wenn wir schon in New York City sind, sollten wir einen Blick auf eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten, die Statue of Liberty, werfen. Dazu mussten wir nur zur Penn Station, uns in die Subway Linie E setzen und zur Endstation, dem ehemaligen World Trade Center fahren. Dort befindet sich eine der wohl größten Baustellen der Welt. Die beiden 417 Meter hohen Zwillingstürme des WTC wurden mittlerweile bis auf die Fundamente abgetragen. Das 6,47 ha große Gelände, heute Ground Zero genannt, dient als Gedenkstätte für die 2.602 Menschen, die Opfer der Anschläge vom 11. September 2001 wurden.

Baustelle Ground Zero

Baustelle Ground Zero

Derzeit werden auf diesem Gelände mehrere Wolkenkratzer errichtet. Kernstück des Gebäudekomplexes wird das neue One World Trade Center sein, dessen Höhe 541,3 Meter betragen soll. Somit wird es das höchste Gebäude der Stadt und der USA sein, sowie eines der höchsten der Welt. Unzählige Bauarbeiter arbeiten hier in schwindelerregender Höhe. Das Gebäude soll ungefähr 3,8 Milliarden US$ kosten und im Herbst 2013 bezugsfertig sein.

Von hier aus führt normaler Weise eine U-Bahn zum Battery Park. Leider ist seit Hurricane Sandy nichts mehr normal. Die U-Bahn Schächte waren zum Teil noch überschwemmt und daher nicht freigegeben. Aber der Spaziergang dorthin würde uns nicht schaden. Vom Battery Park aus legt die Fähre zur Freiheitsstatue ab. Mitten im Hudson River verläuft die Grenze zwischen den Bundesstaaten New York und New Jersey. Leider war unser Aufenthalt in NYC zu kurz, um dorthin fahren zu können. Die Statue of Liberty war 1880 ein Geschenk des französischen Volkes anlässlich des 100-sten Gedenktages der Amerikanischen Unabhängigkeit. Ellis Island liegt daneben und diente von 1892 bis 1954 als Einwanderungszentrum. Auch meine Vorfahren wanderten über Ellis Island nach Amerika ein.

Statue of Liberty und Ellis Island von der Promenade aus

Statue of Liberty und Ellis Island von der Promenade aus

Die Promenade im Südteil Manhattans ist sehr schön angelegt. Es ist eine beliebte Wohngegend. Hier liegt auch das Finanzzentrum der USA, die Wallstreet. In diesem Teil der Stadt wurden viele Keller durch Sandy überschwemmt. Viele Archive und die Haustechnikzentren, die in den Kellergeschoßen untergebracht waren, wurden mit Schlamm überflutet. Deshalb sind viele Firmen von der Wallstreet nach Jersey City übersiedelt und überlegen sich auch dort zu bleiben.

New York City Skyline

New York City Skyline

Wir stiegen beim WTC wieder in die U-Bahn Uptown ein. An der 57th Street Ecke 5th Avenue stiegen wir nach kurzer Fahrt wieder aus. Die 5th Avenue ist eine der Haupteinkaufsstraßen im Herzen Manhattans. Der Straßenzug war schon immer ein Zeichen für Reichtum und Ansehen. Gerade in der Weihnachtszeit sollte man nicht versäumen, dort einen Schaufensterbummel zu machten. Sogar die Gebäude sind wie Weihnachtsgeschenke verpackt.

Weihnachtdekoration 5th Avenue, NYC

Weihnachtdekoration 5th Avenue, NYC

Am Ende der 5th Avenue liegt gegenüber des Central Parks das legendäre Plaza Hotel. Hier spielte der Film „Kevin allein in New York“. Wenn man schon in der Gegend ist, sollte man einen Blick ins Hotelinnere werfen. Die Toiletten, die im Kellergeschoß untergebracht sind, sind frei zugänglich. Es zahlt sich auf jeden Fall aus, dort ein wenig Zeit für einen Boxenstopp einzuplanen. Die Feinkostabteilung lädt ein, ein bisschen zu verweilen.

Ich hatte allerdings geplant, unsere Mittagspause im Central Park zu verbringen, wie es viele New Yorker machen. Vor dem Eingang zur 341 ha großen Grünanlage stehen die Fiaker und warten darauf, mit Ihren Gästen eine Kutschenfahrt durch den Park zu machen. Immerhin gibt es 93,5 Kilometer Fußwege durch den Park. Er wird die „grüne Lunge New Yorks“ genannt – kein Wunder, dass ihn circa 25 Millionen Menschen im Jahr besuchen. Wenn man ihn betritt, taucht man in eine ganz andere Welt ein. Man lässt den Lärm und den Trubel der Großstadt hinter sich. Für mich war es besonders schön, da er in herbstliche Farben getaucht war. An einer Würstchenbude kauften wir uns einen Hotdog. Auf einer Bank im Sonnenschein genossen wir diese Spezialität.

Herbstlicher Central Park, NYC

Herbstlicher Central Park, NYC

Immer wieder traf man auf Stellen im Park, die einem bekannt vorkamen. Unzählige Filmszenen wurden hier gedreht. Auf dem Teich kann man im Sommer Ruderbootfahren und im Winter gibt es einen Eislaufplatz. Für 7 US$ kann man sich Schlittschuhe leihen. Der Eintritt für Erwachsene beträgt 11 US$. Das Angebot wurde gut angenommen. Viele Schlittschuhläufer tummelten sich bei eher warmen Temperaturen am Eis. Wir hatten nur eine kleine Runde am südlichsten Ende des Parks gedreht. Trotzdem bekamen wir einen kleinen Eindruck vom Naherholungsgebiet der New Yorker.

Eislaufen im Central Park, NYC

Eislaufen im Central Park, NYC

Als wir die 5th Avenue überqueren wollten, mussten wir feststellen, wieder in der Welt des Verkehrs angekommen zu sein. Die Ecke Fifth und Park South ist eine sehr frequentierte Stelle der Stadt. Hier gibt es nicht nur einen Zebrastreifen, der die Straße gerade quert, sondern auch einen, der diagonal von einer Ecke zur anderen führt. Im Eckhaus ist das wohl größte Spielzeuggeschäft der Stadt, wenn nicht der Welt, untergebracht – FAO Schwarz. Herr Fredrick August Otto Schwarz eröffnete 1870 einen Marktstand mit Spielzeug. Heute wird man vom Spielzeugsoldaten „Bobby“ am Eingang erwartet. Da es Black Friday war, war die Schlange vor dem Geschäft recht lang, aber schon bald konnten wir das Geschäft betreten, von dem jedes Kind nur träumen kann. Neben Unmengen von Stofftieren gibt es hier wohl jedes Spielzeug, das man sich vorstellen kann. Wegen der günstigen Rabatte, die man heute bekam, verlass wohl fast jeder schwer bepackt das Geschäft.

Ein weiteres großes Einkaufszentrum, das man nicht versäumen sollte, ist Bloomingdales. Bloomingdales und Macy’s stehen immer im Wettkampf um die schönste Weihnachtsdekoration. Für mich hat Macy’s gewonnen. Auch hier gibt es einen Victoria Secret Laden. Die schönsten und funkelendsten Auslagen hat jedoch das berühmte Juweliergeschäft Tiffany’s, das neben dem Trump Tower liegt. Ich war fasziniert von einer Blume, deren Blütenstände ein wahrer Prachtring waren. Je nach Lichtverhältnis öffnete oder schloss sich die Blüte. Wir gingen hinein. Peter hatte seine Kreditkarte mit – mal sehen, ob er sie auch verwendet?

Auslage bei Tiffany’s

Auslage bei Tiffany’s

Wir lagen noch immer gut in der Zeit. Ich hatte mich ja für heute um 15:00 Uhr mit Susie, meiner Freundin aus Vancouver, verabredet, die zufällig zur selben Zeit mit ihrem Mann Cliff auf Einkaufstour in der Stadt war. So konnten wir noch gemütlich die 5th Avenue raufgehen. Das Rockefeller Center liegt genau gegenüber von St. Patrick’s Cathedral, der größten neugotischen Kathedrale der USA. Wir warfen einen kurzen Blick in den unter Renovierung stehenden Dom.

Die wohl bekannteste Sehenswürdigkeit zur Weihnachtszeit in New York ist der Christbaum am Rockefeller Center. Der Baum wird mit 30.000 bunten Lichtern geschmückt und mit einem Swarovsky Stern gekrönt und ist mit einer Höhe von über 20 m einer der größten der USA. Bekannt ist unter anderem auch die Prometheus-Statue im Vordergrund des Gebäudes. Im Winter wird der Platz davor zu einem Eislaufplatz umgewandelt. Leider wurde der Baum erst zwei Tage nach unserem Abflug feierlich erleuchtet. Der Blick vom „Top of the Rock“, dem 70-igsten Stockwerk eines aus insgesamt 21 Hochhäusern bestehenden Gebäudekomplexes, auf das nächtliche New York soll ebenso überwältigend sein, wie der Blick vom Empire State Building.

Christbaum vor dem Rockefeller Center

Christbaum vor dem Rockefeller Center

Nach so viel Laufen wäre etwas zu Trinken gut. Außerdem wäre es gar nicht schlecht, sich hinsetzen zu können und etwas auszuruhen. Im Food Court im Untergeschoss des RFC haben wir dann ein nettes Cafe gefunden. Die Radio City Music Hall befindet sich auch auf dem Gelände des Rockefeller Centers. Sie wurde im Dezember 1932 fertiggestellt und war damals das größte Theater der Welt. Ich hatte mir erlaubt, für die dort stattfindende Aufführung der Weihnachtsshow der Rockettes Karten zu besorgen. Die Tickets für die 16 Uhr Vorstellung musste ich am „Will Call-Schalter“ abholen. Dort wollten wir uns mit Susie treffen, die auch mit ihrem Mann die Show besuchen würde.

Endlich sollte ein großer Traum von mir in Erfüllung gehen. Als wir Kinder waren, fuhren Aunt Irene und Cousin Ethel schon immer in der Weihnachtszeit nach New York, um dort einzukaufen und eine Show zu besuchen. Immer wenn sie über die Show erzählten, wechselten sie die Sprache von Englisch auf Ungarisch, was wir Kinder nicht verstehen konnten. So wusste ich nie, wie die Show war. Jetzt, nach über 40 Jahren, war ich dran, die Show anzusehen. Ich werde allerdings nicht so gemein sein und euch in Ungarisch berichten, wie sie war.

Um 15:00 Uhr oder besser gesagt um 3 p.m. fanden wir uns vor dem Will Call Schalter ein. Ich hatte die Karten über Internet bestellt und mit Kreditkarte bezahlt. Mit meinem Ausdruck hoffte ich, die Karten auch abholen zu können. Ganz schnell hatte ich sie in Händen. Als ich aus dem Gebäude herauskam, sah ich auch schon Cliff, der seine Karte abholte. Groß war die Wiedersehensfreude. Immerhin hatte ich Susie 2004 zum letzten Mal gesehen. Ich stellte sie sofort Margret und Peter vor. Danach konnten wir auch schon in den Theatersaal, der 5.933 Personen fasst. Seit 85 Jahren sind die Vorstellungen ausverkauft – fünf Mal am Tag, sieben Mal die Woche während der Weihnachtszeit.

Die Showtanzgruppe „The Rockettes“, die 1925 gegründet wurde, besteht aus 36 TänzerInnen und gilt als eine der besten Showtanzgruppen der Welt. Sie haben ihren eigenen Tanzstil, ein Gemisch aus Moderne und Klassik, entwickelt. Für die 210 Aufführungen während der Weihnachtszeit wird sechs Stunden pro Tag sechs Mal die Woche trainiert. Bis 1987 war es nicht möglich für Schwarze, der Truppe beizutreten. Heuer jedoch spielte eine Afro-Amerikanerin sogar die Hauptrolle.

Christmas Spectacular „The Rockettes“ in RCM

Christmas Spectacular „The Rockettes“ in RCM

Schon am Eingang bekamen wir eine 3-D-Brille. Die würden wir während der Vorstellung öfter brauchen. Das Orchester spielte live. Die flotten Melodien waren mitreisend und die Tanzeinlagen perfekt einstudiert. Alles mutete etwas kitschig an – eben typisch das, was man sich unter einer amerikanischen Show vorstellt. Santa Claus zog mit seinem Schlitten, gezogen von den als Renntieren verkleideten Showgirls ein. Die leuchtenden Geweihe wiesen ihnen den Weg. Die ganze Geschichte drehte sich um ein kleines Mädchen, das sich ein Computerspiel wünschte, das schon lange ausverkauft war. Santa wollte sie ihrer Mutter wieder etwas näher bringen und nahm sie in seinem Schlitten auf eine gigantische 3-D-Schlittenfahrt mit. Die Päckchen, die Santa auf seinem Weg verteilte, flogen einem direkt zu, sodass man meinte, sie auffangen zu können.

Die bekannteste Nummer ist die „Parade der Holzsoldaten“. Immer wieder bildeten die Soldaten verschiedene Figuren, bis sie zum Schluss in einer Reihe stehend, umfielen.

Holzsoldaten in der Weihnachtsshow

Holzsoldaten in der Weihnachtsshow

Im vorgefahrenen New Yorker Sightseeing Bus zogen sich die Tänzerinnen um und auf dem nachgebauten Teich vom Central Park führte ein Eistanzpaar ihre Kunststücke auf. Die im weihnachtlichen rot und grün gekleideten Tänzerinnen schwangen ihre Beine bis auf Augenhöhe hoch, sowie es kein anderes Ensemble kann. Der lebende Weihnachtsbaum bestehend aus glitzernden Showgirls hatte es den Männern besonders angetan.

Weihnachtsbaum

Weihnachtsbaum

Den Abschluss bildete dann die Erzählung der Weihnachtsgeschichte. Auf jeden Fall fühlte ich mich in meine Kindheit versetzt und um etliche Jahre jünger. Es war wirklich ein sehenswertes Spektakel, eine gelungene Mischung aus Musik und Tanz traumhaft unterstützt durch 3-D-Technik. Wer in der Weihnachtszeit in New York ist, sollte auf keinen Fall die Vorstellung versäumen und auf jeden Fall früh genug Karten bestellen.

Weihnachtsgeschichte

Weihnachtsgeschichte

Eigentlich schade, dass schon aus war. Ich hätte noch lange so sitzen und träumen können. Ich glaube, dass es den anderen auch so erging. Da es unser Abschlussabend in den Staaten war, wollten wir noch einmal richtig gut essen gehen. Susie und Cliff würden uns begleiten. Rund um das Rockefeller Center waren Massen von Menschen. Die einen kamen aus der Show, die anderen wollten zur nächsten. In dieser Gegend würden wir in keinem Restaurant einen Tisch für Fünf bekommen. So spazierten wir weiter Richtung Times Square. Hier war sogar eine Tribüne aufgebaut, auf der man Platz nehmen konnte, um die verschiedenen Leuchtreklamen genauer zu betrachten. Wir fragten in einigen Restaurants um einen Tisch. Immer wieder erhielten wir dieselbe Antwort: etwa eine Stunde Wartezeit.

Menschenmassen am Times Square

Menschenmassen am Times Square

So entschlossen wir uns, bis zu unserem Hotel zu gehen und dort in unserem „Stammpub“ etwas zu essen. Im Stout’s war alles voll. Die nette Dame am Empfang empfahl uns, beim Nachbarn reinzuschauen. Auch im Feile würde es schwer sein, einen Platz zu finden, da dieses Lokal allen Sportliebhabern Großbildfernseher anbot, um die Spiele aller möglichen Sportarten live anzusehen. In der Galerie war noch ein Tisch frei. Zwar zog es dort, wenn die Klimaanlage in Betrieb war, aber keiner von uns wollte weiter auf die Suche gehen. Dafür hatten wir gleich die Getränke am Tisch und kurz später folgte das Essen, das genauso gut war, als beim Nachbarn. Zum Abschluss wollte ich nochmals ein gutes Steak essen. Die Portionen waren typisch Amerikanisch: riesengroß! Mit Susie und Cliff hatten wir viel Spaß und so wurde der schöne Tag von einem lustigen Abend gekrönt.

Als wir das Lokal verließen, hatte es zu regnen begonnen. Wir hatten Glück, denn unser Hotel lag gegenüber. Die Zeit des Abschiednehmens war gekommen. Susie und Cliff begleiteten uns noch ins Hotel. Dort gab es feste Umarmungen. Wann wir uns wieder sehen würden, war die große Frage. Beide sind mir sehr ans Herz gewachsen und es ist schade, dass wir so weit von einander entfernt wohnen. Cliff nahm seine Susie untern Arm und schon waren sie weg Richtung Subway. Sie hatten etwa eine halbe Stunde Fahrt in ihr Hotel.

We thank Susie and Cliff for a wonderful afternoon and evening which we could spend together. Your company was great and we really enjoyed. What fun we had! Thank you for an excellent meal. Hope it won’t take too long until we meet again!

Abschied von Susie und Cliff

Abschied von Susie und Cliff

Es war zwar schon spät, aber bei Weitem noch zu früh, um schlafen zu gehen. Wir begaben uns nochmals in unsere Stammkneipe. Am nächsten Morgen mussten wir nicht so früh aufstehen. So genossen wir die große Auswahl an Getränken, die die Bar uns bot. Lustig war es noch, die Spiele anzusehen, die im Fernsehen liefen. Manche Fans applaudierten laut, wenn ihre Mannschaft einen Korb oder ein Tor schoss, die anderen ließen den Kopf hängen, wenn ihr Team in Rückstand geriet. Irgendwann begaben wir uns in unsere Bettenburg, betteten unsere Häupter zur Ruhe und träumten bereits von einer Wiederkehr in das Land der Steaks, Burgers, Whiskys und der Biere.

Posted by FEgoesUSAwest 02:50 Archived in USA

Tag 15

Thanksgiving

overcast 7 °C

Happy Thanksgiving Day. Das ist der wohl traditionellste Feiertag der USA. Heute gibt es in der Stadt, die niemals schläft, die große Thanksgivings Day Parade. Sie beginnt immer auf der Westseite des Central Parks und führt entlang der 6th Avenue zum Herald Square, wo das große Kaufhaus Macy’s liegt.

Unser Hotel lag genau an der 34th Street, wo die Ehrentribühne vor dem Haupteingang zum Kaufhaus aufgebaut worden war. Der Umzug startet jedes Jahr am Central Park um 9:00 Uhr. Der Marsch durch die Stadt dauert circa eine bis drei Stunden. Da unser Zug nach Middletown erst um 10:20 Uhr vom Bahnhof gegenüber dem Hotel abfahren würde, konnten wir noch in Ruhe einen Teil der Parade ansehen. Wir hatten Glück, einen Platz in der ersten Reihe vor den Absperrungen zu ergattern. So hatten wir eine relativ gute Sicht auf das turbulente Geschehen. Natürlich gab es auch ein großes Aufgebot an Polizei (NYPD live) und anderen Sicherheitskräften. Uns gegenüber sah man, auf einem Kran sitzend, einen Kameramann. Die Parade wird seit 1947 vom NBC live übertragen.

Macy’s Thanksgiving Day Parade

Macy’s Thanksgiving Day Parade

Vorne weg marschierten einige Musikkapellen in bunten Gewändern. Natürlich durften auch die legendären Cheerleaders nicht fehlen. Bei den ersten Paraden wurden Tiere vom New Yorker Zoo ausgeliehen, um beim Umzug mitzugehen. Mittlerweile wurden die Tiere durch riesige, mit Helium gefüllte Ballone ersetzt, die jedes Jahr von Goodyear hergestellt werden. Macy’s Sterne, Kermit der Frosch und große Kürbisse zogen an uns vorbei. Natürlich durfte auch ein überdimensionaler Truthahn nicht fehlen. Den Schluss- und gleichzeitig Höhepunkt bildet die Ankunft eines großen Schlittens gezogen von Renntieren. Santa Claus zieht in die Stadt ein.

Macy’s Thanksgiving Day Parade

Macy’s Thanksgiving Day Parade

Seinen Einzug konnten wir jedoch nicht abwarten, denn eine beängstigend große Menschenmenge stand hinter uns und versperrte uns sozusagen den Zugang zum Bahnhof. So zwängten wir uns durch die Massen, um in noch gedrängteres Gebiet zu gelangen. Allein der Stadtteil Manhattan, in dem wir uns befanden, hat circa zwei Millionen Einwohner. Laut Fernsehbericht am Abend sind circa zusätzliche drei Millionen Besucher in diesen Teil der Stadt gekommen, um die Parade anzusehen. Da es auch Thanksgiving Day war, war auch sonst noch alles, was steigen kann, unterwegs zu Freunden, Bekannten und Verwandten, um mit ihnen „Erntedank“ zu feiern.

Wir hatten unsere Fahrkarten schon am Vorabend gekauft. Heute waren die Schlangen vor den Schaltern so lange, dass wir unseren Zug wahrscheinlich versäumt hätten. Leider konnten wir den Bahnsteig nicht finden, von dem aus der Zug von New Jersey Transit abfahren sollte. Die Bahnstrecke nach Middletown war erst am Montag dieser Woche wieder provisorisch eröffnet worden – eine Folgeerscheinung des Hurricanes Sandy. Leider fiel der Zug, mit dem wir fahren sollten aus. Wir mussten den nächsten nehmen. Ich rief Lawrence mit meinem Handy an, um ihn mitzuteilen, dass wir erst Mittag ankommen würden. Es würde uns ja am Bahnhof abholen.

Es war ein komisches Gefühl, am Bahnhof zu sein und keine Geleise zu sehen. Wir befanden uns mit Hunderten anderen Reisenden in einem Warteraum, von dem aus viele verschlossene Türen führten. Neben mir stand eine junge Frau mit einem Kinderwagen. Sie sah auch nervös auf die Anzeigetafel und sprach laut vor sich hin. Da hörte ich, dass sie zur Großmutter nach Middletown fahren wollte. Da fragte ich sie sofort, ob sie wusste, von welchem Gleis der Zug abfahren würde. Ihre Antwort war: „Normalerweise von Gleis 11, aber seit Sandy ist nichts mehr sicher.“ So warteten wir gemeinsam. Auf einmal schien auf der Anzeigetafel Zug Richtung Sandy Hook fährt Gleis 11 los auf. Da bewegten sich anscheinend alle auf die einzige offene Tür zu. Hinter der Tür befanden sich die Stiegen zu den tieferliegenden Geleisen. Ich half der Frau, den Kinderwagen über die Stiege nach unten tragen.

Wir stiegen in den Zug ein und fanden noch Sitzplätze. Die Sitze waren so eng bei einander, dass sich unsere Knie berührten. Peter gegenüber nahm eine fesche dunkelhäutige Dame Platz. Leider kam kurz darauf ihr Mann, um ihr zu sagen, dass er zwei Sitzplätze gefunden hatte. Dann nahm eine Blondine Platz. Ihr Freund legte seine schwere Tortenschachtel auf unsere Orchideen, die wir für Marie besorgt hatten. Nachdem ich ihn gebeten hatte, sie woanders hin zu legen, tat er es sogleich. Ungefähr vierzehn Stationen mussten wir fahren. Immer wieder stiegen Leute ein und aus und eigentlich wurde der Zug nie leerer.

New Jersey Transit von Penn Station nach Middletown

New Jersey Transit von Penn Station nach Middletown

Fast alle Passagiere hatten entweder Blumen oder Kuchenschachteln bei sich. Thanksgiving war ein richtiges Familienfest. Vom Zug aus konnten wir sehen, dass in den Siedlungen viele Autos vor den Häusern standen. Die Verwandtschaft war zu Besuch. Bald hatten wir Newark Penn Station erreicht. Somit wusste ich, dass ich meinen Geburtsbundesstaat erreicht hatte. Nächste Haltestelle war Newark Liberty International Airport. Gut zu wissen, dass die Verbindung von New York City aus hierher so gut ist. Viele Flüge von Europa aus, werden nämlich nach Newark angeboten. Also wäre von hier aus Manhattan auch in 30 Minuten zu erreichen. Danach kam schon Elizabeth. Hier hatte früher die Taufpatin meines Bruders gewohnt. Einige Male waren wir bei ihr zu Besuch gewesen.

New Brunswick, New Jersey

New Brunswick, New Jersey



Dann fuhr der Zug sehr langsam. Die Bahnstrecke führte für längere Zeit über Sumpfgebiet und schließlich über Wasser. Hier war die Strecke bis vor kurzem noch unterbrochen gewesen. Lawrence hatte erzählt, dass viele Fische mit dem Hochwasser hier angespült worden waren und die Flut dann für die Fische zu spät gekommen war, um mit dieser wieder in tiefere Gewässer zu gelangen. Tausende Fische waren mit Sandy hier verendet. Nur gut, dass nicht Hochsommer war, sonst würde es noch bestialisch stinken.

Nach etwa einer Stunde Fahrt erreichten wir Middletown. Der große Amerikaner mit den weißen Haaren wartete schon auf uns. Lawrence begrüßte uns alle recht herzlich. Ein fröhliches „Happy Thanksgiving Day“ durfte natürlich auch nicht fehlen. Für eine kleine Stadtrundfahrt durch die 66.500 Einwohner zählende Kleinstadt war noch Zeit. Claire hatte mir mal erzählt, dass sie alle beneiden würden, weil sie in dieser Stadt lebte, nicht etwa weil sie drei Mal zur lebenswertesten Kleinstadt gewählt wurde, sondern weil sie Geburtsort von Jon Bon Jovi ist.

Als wir den „Driveway“ runterfuhren, sahen wir, dass gerade ein Auto einparkte. Claire war auch schon mit ihrem Gatten angekommen. Auch sie hatte eine Torte und einen Spinatauflauf – eben ihren Beitrag zum Festtagsmahl – im Handgepäck. Marie kam uns schon mit der Schürze entgegen. Die Wiedersehensfreude war groß. Auch Aunt Gloria war schon da. Man sah ihr ihre neunzig Jahre nicht an. Gleich wurde uns das Haus gezeigt. Die Raumaufteilung und der Einrichtungsstil sind schon sehr verschieden zu dem, was wir in Europa kennen. In der großen Wohnküche zurückgekehrt, wurde uns gleich etwas zu trinken angeboten. Die Tür ging auf und Maura mit ihrem Gatten war angekommen. Auch sie brachte Päckchen mit. Jetzt war meine „amerikanische Familie“ komplett.

Aperitif in der Küche

Aperitif in der Küche

I would like to say thank you again to Marie and her Family for inviting all of us to their Thanksgiving Day Party. It was so nice to be part of the lovely family. Hopefully we will spend a lot of nice hours together in future.

Zum Aperitif wurde rohes Gemüse mit einem Dip gereicht. Verschiedene Käsesorten und selbstgebackenes Kürbisbrot wurden auch kredenzt. Der Duft des Truthahns stieg uns schon alle in die Nase. Das Püree aus Süßkartoffeln leuchtete orange. Marie hatte frische Carnberries gekauft und sie zu einem Preißelbeerkompott verarbeitet. Claire schob noch ihren Spinatauflauf in den Ofen und schon bald konnte zu Tisch gebeten werden.

Turkey on Thanksgiving Day

Turkey on Thanksgiving Day

Nachdem Lawrence den Truthahn zerlegt hatte, nahmen wir alle, an den für uns vorgesehenen Sesseln, Platz. Auf der einen Seite waren die Linkshänder aufgereiht, auf der anderen Seite die Rechtshänder. So behinderte niemand niemanden beim Essen. Wein und „Applecider“ waren eingeschenkt. Lawrence lass die Erntedankgeschichte vor. Marie hatte ihn aufgetragen, sich kurz zu halten. Danach wurde ein Gebet gesprochen. Auf den Tellern vor uns lag eine Schokolade. Die Rückseite war mit einem Buchstaben versehen. Ich hatte ein „M“. Dies bedeutete, dass ich eine Erinnerung (auf Englisch Memory) an ein Thanksgiving Day Erlebnis preisgeben sollte. Ich konnte mich gut an die Feste meiner Kindheit erinnern. Wenn wir bei Aunt Irene Thanksgiving gefeiert hatten, durften wir nicht beim Abwasch helfen. Zu diesem Fest wurde immer das gute Porzellan verwendet. Da hatte sie wohl Angst, dass jemand etwas kaputtmachen könnte.

So kam jeder während des Essens an die Reihe je nach Buchstaben etwas zu erzählen. Margret und Peter hatten ein „P“ auf ihrer Schoko. P war für Prayer. Margret sagte mit ein paar englischen Wörtern „Danke“, was großen Eindruck hinterließ. Überhaupt war es toll, wie die Verständigung funktionierte. Wahrscheinlich war der Heilige Geist auf uns hernieder gekommen. Das Essen war auf jeden Fall haubenmäßig, der Tisch liebevoll dekoriert und die Gesellschaft sehr nett. Wir aßen alle bis wir fast platzten.

Thanksgiving Day in Redbank

Thanksgiving Day in Redbank

Es war direkt eine Wohltat, aufzustehen und beim Abräumen zu helfen. Auch in der Küche halfen alle bei der Spurenbeseitigung. Marie zeigte uns danach noch im Wohnzimmer die Hochzeitsalben ihrer Töchter. Auch diese waren anders, als wir sie kennen. Danach wurde noch zum Nachtisch geladen. Pumpkin Pie (Kürbistorte) war neben vielen anderen Kuchen die Spezialität des Tages. Marie hatte sowohl den Teig als auch die Füllung selbst gemacht. Bald danach musste sich Claire und Maura schon verabschieden, denn sie mussten am nächsten Tag arbeiten. Claire würde noch Aunt Gloria nach Hause bringen.

Meine amerikanische Familie

Meine amerikanische Familie

Lawrence warf noch einen Blick ins Internet, wann der nächste Zug nach New York City fahren würde. Draußen war es schon finster geworden. Ich hatte mich hier richtig zu Hause gefühlt. Nicht weit weg von hier in New Brunswick wurde ich geboren. Wenn die Bahnstrecke vollständig in Betrieb gewesen und die Züge nach Fahrplan verkehrt wären, dann wäre ich auch dorthin gefahren und hätte das Grab meines Vaters besucht. Doch so war ich froh, dass uns dieser Besuch möglich war.

Zu schnell war die Zeit vergangen. Lawrence und Marie brachten uns zum Bahnhof. Wieder war es so, dass der vorgesehene Zug ausfiel und wir auf den nächsten warten mussten. Am Bahnsteig war es ganz schön kalt und wir waren froh, als der Zug endlich kam. Die Waggons waren jetzt nicht mehr so voll. Viele Besucher würden über Nacht bei ihren Verwandten bleiben. Als wir wieder in der City ankamen, gingen wir sofort ins Hotel. Da es noch nicht so spät war, zogen wir nur unsere dicken Winterjacken an und gingen sofort wieder los. Jede Minute unseres kurzen Aufenthaltes in der Stadt, die niemals schläft, war kostbar. Deshalb auch ein gut gemeinter Rat: Nehmt lieber ein billiges Hotel, das eine gute Lage hat, als ein teures, bei dem man weite Wege hat. Viel Zeit verbringt man so wie so nicht im Zimmer!

Da das Empire State Building „just around the corner“ lag, entschlossen wir uns dorthin zu gehen. In der Hoffnung, dass heute die Schlange vor dem Ticketschalter kurz sein würde, betraten wir das Gebäude, das weihnachtlich geschmückt war. Tatsächlich hatten wir Glück. Schnell hatten wir die Sicherheitskontrollen, die denen am Flughafen ähnelten, hinter uns gelassen. Wir kauften um US $ 25 ein Ticket zur Aussichtsplattform im 102-ten Stockwerk. Der Boy winkte uns gleich durch in den Lift zur Etage 86. Dort wird man durch ein Geschäft gelotst. Auch ein Fotograf stand mit seiner Kamera schon bereit, um ein Foto zu schießen. Dann erst konnten wir in den zweiten Lift einsteigen, der uns zur Aussichtsplattform brachte.

Weihnachtsdeko im Empire State Building

Weihnachtsdeko im Empire State Building

Oben erwartete uns ein Lichtermeer und es wurde uns jetzt erst bewusst, wie groß die Stadt wirklich war. Es ist ein beeindruckendes Schauspiel in der Dunkelheit hier hochzufahren. Nur wer Höhenangst hat, muss etwas von der Brüstung wegbleiben. Heute ist die Aussichtsplattform vergittert. Früher kam es immer wieder vor, dass sich Selbstmordkandidaten von dem Geländer in 373 m Höhe in die Tiefe stürzten. Das Wahrzeichen der Stadt diente auch als Kulisse für verschiedene Filme wie King Kong oder Schlaflos in Seattle. An klaren Tagen beträgt die Sicht circa 80 Kilometer.

Blick auf NYC mit Chrysler Tower vom Empire State Building aus

Blick auf NYC mit Chrysler Tower vom Empire State Building aus

Die Lichter spiegelten sich in den beiden Flüssen, die die Insel Manhattan umschließen – dem Hudson River im Westen und dem East River im Osten. Richtung Süden sahen wir auch die beleuchtete Freiheitsstatue. Manche Wolkenkratzer sind so hoch, dass man ihr Aussehen nie vergisst. Die Kuppel des 319 Meter hohen Chyrsler Gebäudes ist aus nichtrostendem Stahl gefertigt. Der Wolkenkratzer am Times Square mit der Uhr am Globus ist auch bekannt aus den Sendungen zu Silvester. Von hier aus rast die Kugel 60 Sekunden vor dem Jahreswechsel mit einem Countdown zu Boden. Da die Stadt am Reisbrett entstanden ist, sind alle Straßenzüge gerade, nur der Broadway führt schräg durch die Stadt.

New York City

New York City

Auch als wir wieder den Lift nach unten nahmen, brauchten wir keine Minute zu warten. Auf Straßenniveau angekommen, merkten wir, dass es schon fast Mitternacht war. Gegenüber lag das Victoria Secret Geschäft. Überall standen schon Schlagen von Menschen, die Schnäppchen am „Black Friday“ einkaufen wollten. Der Parfumduft zog uns ins Geschäft. Da es am heutigen Tag bis zu 70 Prozent Rabatt gab, entschlossen wir uns, auch davon Gebrauch zu machen. Zu sehr günstigen Preisen kauften auch wir im Geschäft der Engel ein.

Denn schönen Abend wollten wir eigentlich im Pub ausklingen lassen. Doch nachdem wir unseren Scheidebecher geleert und ins Hotel gehen wollten, sahen wir, dass alle Geschäfte schon offen hatten. Nochmals mussten wir diese verrückte Gelegenheit nutzen, und noch einige Einkäufe weit nach Mitternacht tätigen. Als wir dann in unserem Hotelzimmer ankamen, fielen wir nur noch müde ins Bett.

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Tag 14

Big Apple

sunny 10 °C

Die Nacht war kurz gewesen. Wir hatten am Vorabend schon alles gepackt und mussten eigentlich nur noch unser Zahnputzzeug im Koffer verstauen und diesen mit einem Gurt sichern. Leise schlichen wir durch die Gänge. Doch der Bodenbelag war so hart, dass man die Rollen unserer Koffer sicher im ganzen Haus hören musste. Es war kurz nach halb vier. Der Shuttlebus des Hacienda Hotels stand schon vor der Tür. Im Viertelstundentakt fährt er 24 Stunden lang seine Runden zum Airport und retour. Deshalb steigen hier auch viele Flugbegleiter und Piloten der verschiedensten Fluggesellschaften ab.

Es dauerte nicht mal zehn Minuten und wir standen schon vor dem Schalter der United Airlines und versuchten einzuchecken. Leider funktionierte unser Selbsteincheck am Monitor nicht, so dass wir wieder jemand vom Bodenpersonal um Hilfe bitten mussten. Aber so soll wohl die Zukunft aussehen. Da wir von der Ostküste über Land an die Westküste fliegen würden, betrug die voraussichtliche Flugzeit etwas mehr als fünfeinhalb Stunden. Von New York aus dauert der Flug nach Frankfurt auch nur knapp acht Stunden.

Pünktlich um 14:28 Uhr landeten wir am Flughafen John F. Kennedy in New York City. Der Zeitunterschied zur Heimat betrug somit nur mehr sechs Stunden. Heimat? Eigentlich war ich gerade in meiner Heimat gelandet, denn eine Stunde Bahnfahrt südlich von NYC bin ich aufgewachsen. Deshalb war ich auch zuvor schon etliche Male im Big Apple gewesen – nur eben nie alleine. Ich war leicht nervös. Im Internet hatte ich schon Erkundigungen eingeholt, wie man in die City gelangt. Lawrence hatte uns mal von JFK abgeholt. Ich wusste, dass ein zwölfspuriger Highway vom Flughafen aus durch die Stadt führt.

Vom Terminal gab es den AirTrain bis zur Jamica Station. Von dort aus gibt es zwei Möglichkeiten: Long Island Railroad oder Subway. Der Zug würde ohne in vielen Stationen anzuhalten direkt nach Penn Station gehen. Das Hotel, das ich ausgesucht hatte, lag genau gegenüber. Laut Internet bezahlt man für die Fahrt mit dem AirTrain bis Jamica Station US$ 5,00. Zuerst müsse man sich jedoch eine Metro Card kaufen. Mit dieser ist man erst berechtigt eine Fahrkarte zu kaufen. Gut, dass vor den Automaten hilfsbereites Bahnpersonal stand. Bevor ich die Prozedur noch zwei Mal wiederholte, bat ich die Dame gleich drei Fahrkarten über meine Kreditkarte (Übrigens in den USA kommt man ohne Plastikgeld nicht sehr weit) auszudrucken. Dann begaben wir uns an den Bahnsteig der Long Island Railroad. Die Gleisnummer konnte uns keiner sagen, denn wegen dem Hurican Sandy gab es noch immer Umleitungen und Verspätungen im Fahrplan.

Der Zug mit der Aufschrift Penn Station kam bald. Die Ansagen über Lautsprecher waren in einem für mich gewohnten Amerikanisch. Eigentlich war ich sehr froh, wieder Mal zu Hause zu sein. Heute war auch der 45-igste Todestag meines Vaters und ich war ganz in der Nähe seines Grabes. Auch das tat gut. Nach knapp dreißig Minuten erhaschte ich schon den ersten Blick auf das Empire State Building und kurz danach hielt der Zug an der Endstation Penn Station. Der Bahnhof ist auch gleichzeitig U-Bahnhof und natürlich, wie alles in USA, riesengroß. Quizfrage war, welcher Ausgang ist der richtige? Unser Hotel läge genau gegenüber dem Bahnhof – aber wo? Also mussten wir einfach einen Versuch starten. Erste Rolltreppe hoch, kein Hotel, aber das große Kaufhaus Macy’s. Auch das liegt laut Beschreibung genau visavis unseres Hotels. Also gingen wir ums Eck und tatsächlich standen wir dann vor dem 22 Stockwerke hohen Hotel.

Empfangshalle Hotel Pennslyvania, New York City

Empfangshalle Hotel Pennslyvania, New York City

Durch die Drehtüre gelangten wir ins Innere. Alles war schon Weihnachtlich geschmückt. Die Hotelhalle war sehr einladend mit verschiedenfärbigem Marmor ausgelegt. Die Bediensteten an der Rezeption waren sehr nett. Bald schon hatte ich den Schlüssel zu unserer 40 m²Suite. Mit einem der zwölf Lifte fuhren wir in den 14. Stock. Dort joggten wir endlos lange verschiedene Gänge entlang von eingedellten Kerkertüren begleitet, bis wir endlich an unserem Zimmer (eines von 1.700) angelangt waren. Tatsächlich passte der Schlüssel und wir betraten ein Zimmer mit vier Betten, zwei Fernsehern und viel Platz für Peter für seine morgendlichen Turnübungen. Ein kleines Badezimmer war auch vorhanden.

Hotelzimmer Hotel New York

Hotelzimmer Hotel New York

Eigentlich waren wir müde. Wir waren schon so früh aufgestanden, aber durch die Zeitverschiebung war es gerade mal fünf Uhr. Ein Apero würde unsere müden Geister wieder zum Leben erwecken und dann nichts wie raus und die Stadt, die niemals schläft, entdecken. Unsere Winterjacken würden hier einen guten Dienst erweisen, denn den Temperaturunterschied zur Westküste verspürten wir schon, als wir die Straße vom Bahnhof zum Hotel überquert hatten. Eigentlich knurrte auch unser Magen. Im Flugzeug hatte es nicht wirklich etwas zu essen gegeben. Also Fotoapparat, Geld und Handy in den Innentaschen unserer Jacken verstauen und dann ab die Post.

Hotel New York mit dem ersten Blick auf das Empire State Building

Hotel New York mit dem ersten Blick auf das Empire State Building

Wir nahmen den Haupteingang und gingen vorerst nochmals zum Bahnhof, um uns zu erkundigen, wann ein Zug nach Redbank führe, wo wir am nächsten Tag zum Truthahnessen eingeladen waren. Der Schalterbeamte sagte mir, dass um elf Uhr ein Zug gehen würde. Ich kaufte auch gleich die Fahrkarten und rief Lawrence an, dass er uns um die Mittagszeit am Bahnhof abholen könne. Wir freuten uns schon sehr darauf.

Als wir das Bahnhofsgebäude verließen, sahen wir sogleich die Spitze des einstmals höchsten Gebäudes der Welt vor uns. So konnten wir uns immer orientieren und wussten, dass das Hotel dann gleich ums Eck sein müsste. Gegenüber unserem Hotel gab es einige Pubs. Wir schauten uns dort die Speisekarten an. Nach dem doch langen Flug tat das Gehen gut. Außerdem trieb uns die Neugier weiter. Die Straßen rund um das Kaufhaus Macy’s waren schon alle gesperrt. Am folgenden Tag würde die Thanksgiving’s Day Parade stattfinden. So konnten wir fast ungehindert auf der Mitten Straße gehen.

Macy's

Macy's

Die Auslagen bei Macy’s sind besonders schön dekoriert. In jeder Auslage spielte sich eine kleine Weihnachtsgeschichte ab. Viele der Figuren bewegten sich und fasziniert stand Jung und Alt vor den großen Scheiben – eine kleine Wunderwelt.

Macy’s Auslagendeko mit den alten Holzrolltreppen

Macy’s Auslagendeko mit den alten Holzrolltreppen

Aber auch die Weihnachtsdekoration im Geschäft ließ uns stauen. Eine so große Auswahl an Krawatten hatten wir noch nie gesehen. Fein sortiert nach Farben lagen die Hemden da. Sehenswert sind natürlich auch die knatternden alten Holzrolltreppen, die einen heute noch von einem zum andern Stockwerk befördern. Aber der heutige Tag war gar nicht zum Shoppen vorgesehen, sondern nur um etwas von der vorweihnachtlichen Stimmung in der Stadt einzufangen. Nach dem Thanksgiving Day würden die restlichen Kürbisse und Truthennen verschwinden und es dann vollends Weihnachten werden.

Einer der vielen Ausgänge brachte uns nach draußen. Wir hatten den Beginn des Broadways erreicht. Die Geschäftsstraße ist die älteste und mit mehr als 25 Kilometer längste Nord-Süd-Durchquerung der Insel Manhattan. Hier befinden sich auch alle bekannten Theater. Wir wurden jedoch gefangengenommen von verschiedenen Düften, die in unsere Nase stiegen. Wir standen vor dem Victoria Secret Geschäft. Peter war von der Ausstellungsart der Reizwäsche sehr angetan. Engel in Dessous. Rosa Tannengirlanden zogen durch das Geschäft. Natürlich wollten auch wir etwas von den tollen Düften mit nach Hause nehmen.

Victoria Secret, New York City

Victoria Secret, New York City

Aber eigentlich erschlugen uns die Düfte, den unsere Mägen waren leer. Es musste Abhilfe geschaffen werden. Bis zurück zum Hotel war es ein Stück Weg und wir entschieden uns einfach in einem der Pubs gegenüber dem Hotel Platz zu nehmen, damit wir nach dem Essen nicht mehr so weit nach Hause hätten. Das Tagesgericht im Feile klang gut. Ich entschied mich für eine Pizza und ein Glas Wein. Das Essen war ausgezeichnet, der Preis für eine Millionenstadt angemessen. Danach gab es noch einen Scheidebecher und dann fielen wir fix und fertig in unsere Betten.

Posted by FEgoesUSAwest 02:48 Archived in USA

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